Zerbst. Das unverkennbare Geräusch einer Motorsäge dröhnt über den Zerbster Frauentorfriedhof. Eckhard Schwanholt durchbricht die gewohnte Stille. Er ist auf Problemfällungen spezialisiert. Seine Erfahrung braucht er hier bei seinem beengtem Einsatz zwischen den teils jahrhundertealten Ruhestätten. Die barocken Säulen sollen genauso wenig beschädigt werden wie die modernen Grabsteine.

Über 100 Bäume verteilen sich auf dem Friedhof, der 1595 für die Bartholomäigemeinde außerhalb der Stadtmauer angelegt wurde. „45 müssen nun gefällt werden“, erzählt Pfarrer Albrecht Lindemann. Sie haben die extreme Trockenheit der vergangenen beiden Sommer nicht unbeschadet überstanden. Das hat die Begutachtung gezeigt. Bis auf eine Birke handelt es sich alles um abgestorbene Fichten, die nun nacheinander einzeln entnommen werden.

In dieser Woche findet die erste größere Fällaktion statt, weitere folgen in den letzten Januarwochen, wie Eckhard Schwanholt informiert. Unterdessen klettert Benjamin Rothe den Stamm eines etwa zwölf Meter hohen Nadelbaums hinauf, um in luftiger Höhe ein Seil zu befestigen. Mit diesem wird nachgeholfen, dass die Fichte neben den geschickt gesetzten Schnitten am Ende in die richtige Richtung stürzt.

Gestaltungsplan wird erstellt

Die beiden selbstständig tätigen Männer unterstützen sich immer mal wieder gegenseitig bei kniffligen Fällungen, wie Eckhard Schwanholt berichtet, bevor er die Motorsäge wieder anwirft. Mehrere Bäume liegen bereits in Stücke zerteilt am Boden. Mit dem ausgeliehenen Häcksler werden die vielen Äste geschreddert.

Bis Monatsende wird es sich auf dem Frauentorfriedhof deutlich gelichtet haben. „Wir werden auf alle Fälle gründlich nachpflanzen“, betont Albrecht Lindemann. Allerdings wird das nicht zwingend an genau der gleichen Stelle geschehen. Bevor Neuanpflanzungen stattfinden, „wollen wir einen Gestaltungsplan erarbeiten, um dem Denkmalcharakter des Friedhofs Rechnung zu tragen und eine Verbesserung herzustellen“, erläutert der Pfarrer. Jetzt im ersten Halbjahr soll das Projekt in Angriff genommen werden.

Vorgesehen ist, statt Nadelgehölzen Laubbäume auszuwählen, die mit den aktuell herrschenden klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen, wie Albrecht Lindemann ausführt. Schließlich soll verhindert werden, dass die neu gesetzten Bäume bei der nächsten Trockenperiode gleich wieder eingehen. Er spricht von einheimischen Arten, von denen nicht zuletzt die Vogelwelt profitiert. Welche genau das sein werden, wird die Beratung zeigen.

Kirchgemeinde sucht Baumpaten

„Wir würden uns allerdings über Baumpatenschaften freuen“, bemerkt der Pfarrer. Interessenten könnten sich einfach direkt an ihn wenden. Sobald der mit der Denkmalpflegebehörde abgestimmte Pflanzplan stehe, „kann man sich aussuchen, welchen Baum man übernehmen möchte“, erläutert Albrecht Lindemann und ergänzt: „Wer schon jetzt einen besonderen Wunsch hat, kann sich aber natürlich auch melden, der geht dann in die Planungsdiskussion mit ein.“

Die Kosten für die notwendigen Fällungen samt der Entsorgung der Birke und Fichten trägt die Bartholomäigemeinde allein. „Ich rechne mit rund 18.000 Euro“, nennt der Pfarrer eine Zahl. Dies sei eine beachtliche Summe, die aufgebracht werden müsste, gesteht er.