Deetz l Derzeit gehen die Risikoanalyse und der Brandschutzbedarfsplan durch die Ortschaftsräte. Personalmangel und Mitgliederwerbung sind Thema. Da macht eine Aktion der Deetz-Badewitzer Feuerwehr von sich reden. Mit einem Schlag konnten 13 neue Mitglieder gewonnen werden. Die Neueinsteiger sind inzwischen in der Grundausbildung und werden im Herbst bereit für den Einsatz sein.

Besonderes Konzept

Wie haben die Deetzer das angestellt? Da Tage der offenen Tür nicht wirklich funktionieren, um Mitglieder zu gewinnen, setzten die Deetzer auf den persönlichen Aufruf an die Einwohner. „Anfang 2018 haben wir das erste Mal zusammen gesessen“, erinnert sich der Ortswehrleiter Deetz-Badewitz, Denis Hofmann. Dass in Deetz Potenzial ist, um die Reihen der Feuerwehr aufzufüllen, waren die Initiatoren sicher. Die Führungskräfte ließen sich ein Konzept einfallen, um die Leute aus der Reserve zu locken. Um die Aktion zu starten, holten sie sich die Zustimmung der Stadt und sicherten sich deren Unterstützung und die der Stadtwerke.

Mit gefüllten Löscheimern zogen die Kameraden in zwei Gruppen durch Deetz. Bei den Leuten, die in Frage kamen, wurde geklingelt. Die Kameraden stellten ihr Anliegen vor, überreichten einen Löscheimer und mit diesem eine Einladung zu einem Brunch bei der Feuerwehr. Zwei Termine standen für diese Informationsveranstaltung zur Auswahl. „Wir wurden überall freundlich empfangen, alle nahmen sich Zeit zum Zuhören“, so Denis Hofmann.

Vielfältige Mitarbeit

Die beiden Veranstaltungen im Gerätehaus waren dann gut besucht. Für den ersten Termin gab es Zusagen für 80 Erwachsene und 40 Kinder, beim zweiten noch einmal für 50 Erwachsene und 25 Kinder. Rund 75 Prozent davon kamen tatsächlich.

Im Feuerwehrgerätehaus war zum Brunch alles schön hergerichtet. Der Förderverein hatte für ein leckeres Büffet gesorgt. Bei einer 20-minütige Präsentation erfuhren die Gäste vom Ortswehrleiter, wie die Feuerwehr in Deutschland aufgebaut ist bis hin zur Situation der Ortswehr in Deetz und auch, dass Feuerwehr noch einiges mehr bieten kann – zum Beispiel Gemeinschaft und Spaß. „Wir haben nicht gejammert, sondern alle Aspekte dargestellt“, so der Ortswehrleiter. Auch die Arbeit der Kinder- und Jugendwehr sowie des Blasorchesters wurde vorgestellt.

Die Kameraden mischten sich dann unters Volk, wer wollte konnte sich die Fahrzeuge anschauen, das Gerätehaus wurde gezeigt, die Ausbildung erläutert. Man habe dann schon gemerkt, wer wirklich Interesse hat, so Denis Hofmann. Den Leuten wurde auch klar gemacht, dass Feuerwehr keine kurzfristige Angelegenheit ist.

100 Haushalte aufgesucht

Mehr als 100 Haushalte waren in Deetz zwischen Weihnachten und Neujahr aufgesucht worden. Zwei bis vier Leute zu gewinnen, damit habe man gerechnet. Umso begeisterter ist Denis Hofmann, dass es 13 geworden sind, jeweils sechs pro Veranstaltung und ein Nachzügler. Zuwachs hat die Kampagne aber auch für die Nachwuchsabteilung gebracht, und es gibt auch Leute, die im Förderverein mitmachen wollen.

Ein Erfolg auf ganzer Linie. Natürlich ist das Konzept nicht auf alle anderen Orte übertragbar, weiß Denis Hofmann, aber es könne eine Anregung sein. „Wir werden sehen, ob wir das in regelmäßigen Abständen wiederholen“, so der Ortswehrleiter, denn das große Ziel sah 15 neue Mitglieder für die Deetz-Badewitzer Ortswehr vor.

Nur elf der neuen Mitglieder brauchen eine Ausbildung, die anderen zwei sind bereits ausgebildet, haben schon Feuerwehrerfahrung. Die Stimmung ist gut an den Ausbildungsabenden. „Eine super Truppe, alle haben Lust“, freut sich Denis Hofmann. „Ich habe drei Kinder, zwei sind in der Feuerwehr“, erzählte Anja van Leusen, dass sie schon länger Kontakt zur Feuerwehr hat. Bis jetzt habe nur der Ansporn gefehlt, sagt sie, „durch die Aktion ist man nicht der einzige Neuling.“

„Uns geht es um das Dorfleben“, nennen Nancy Recker und Gerald Brandt ihre Beweggründe mitzumachen, die Feuerwehr sei ein engagierter Verein, im Dorf. „Man kam aktiv auf uns zu und hat uns überzeugt“. Die lange Ausbildung nehme man gern in Kauf, so Gerald Brandt. An den Ausbildungsabenden passt die Ur-Oma auf die vier Kinder des Paares auf. „Ohne die Aktion hätten wir gar nicht gewusst, wie schlecht es um die Feuerwehr bestellt ist“, ergänzt Anja van Leusen.