Zerbst l Immer wieder brennen nicht nur Häuser, sondern ganze Straßenzüge, ja Städte nieder – auch in Zerbst. So hantiert Frau Nipper am 30. April 1506 in ihrem Haus in der Haselopstraße vor dem Schlafengehen mit Feuer und löst damit ein flammendes Inferno aus. Nicht nur die Haselopstraße, unter anderem auch die Rennstraße, die Heide, die Kurze und Lange Straße, die Besenstraße, der Hoheholzmarkt sowie die Ankuhnsche Straße gehen in Flammen auf – insgesamt mehr als 500 Häuser.

Dies führte zur Gründung einer ersten Pflichtfeuerwehr der Stadt, die in der „Ordnung in Feuersnöten“ geregelt wurde. Aber auch dies verhindert nicht, dass es in den folgenden Jahrhunderten immer wieder zu großen Brandkatastrophen kommt.

Begehren der Bürger

Erst im Februar 1869 unterschreiben 66 Zerbster Bürger des Männerturnvereins einen Antrag, eine freiwillige Feuerwehr gründen zu dürfen. Oberbürgermeister Kuhnemann unterstützt das Begehren seiner Bürger. Im Juni 1869 wird der Antrag schließlich von der herzoglichen Regierung genehmigt und am 6. Juli wird in einer Generalversammlung der erste Vorstand gewählt und die Kameraden auf die Satzung verpflichtet.

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Die erste Wache wird auf der Schlossfreiheit gebaut. 1886 zieht die Feuerwehr in das neu errichtete Gerätehaus in die Priegnitz, später in die Dessauer Straße. Die neue Zerbster Wehr wird jedoch von Großfeuern nicht verschont: Am 31. Mai 1887 ist ein Feuer beim Sattler August Specht auf der Alten Brücke ausgebrochen und am 1. Juni ein Großbrand auf der Schlossfreiheit. Betroffen waren Kaufmann Adolf Unger, Hof-Konditor Louis Pohl auf der Alten Brücke, Glaser-Witwe Johanna Vogel, das Restaurant „Zum Fürst Bismarck“ Otto Pfannenberg, Witwe Sophie Macht auf der Schlossfreiheit.

Ausrüstung verbesserte sich

Auch nach der Jahrhundertwende vernichteten Brände in Zerbst Fabriken, Häuser und Höfe. Doch die technische Ausrüstung verbesserte sich im Lauf der Jahre immer mehr. 1913 werden die Turner-Feuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr aufgelöst und zu einer städtischen Freiwilligen Feuerwehr zusammengelegt.

Die zunehmende Industrialisierung und Motorisierung änderte im Lauf der Jahre das Einsatzgeschehen der Feuerwehr rasant. Längst geht es nicht mehr „nur“ um das Löschen von Bränden. Heute gehören technische Hilfeleistungen wie das Öffnen von Türen, das Retten von eingeklemmten Personen bei Verkehrsunfällen oder das Beseitigen von Ölspuren auf unseren Straßen zum täglichen Geschäft der Feuerwehr.

Hinzu kommen Herausforderungen wie der Umgang mit chemischen, biologischen sowie atomaren Gefahrstoffen (ABC) oder beispielsweise mit Wetterkapriolen wie Stürmen, Überschwemmungen oder Hochwasserkatastrophen.

Nachwuchsarbeit

Aber auch das Werben um neue aktive Mitglieder ist für viele Freiwillige Feuerwehren zum täglichen Kampf geworden. Hier ist die Zerbster Wehr jedoch dank guter Nachwuchsarbeit in der Kinder- und Jugendfeuerwehr auch für die nächsten Jahre gut aufgestellt.