Kermen l „Wichtig ist, dass die Kirche im Dorf bleibt“, das sagte Landrat Uwe Schulze, als er Ende der vergangenen Woche Kermen besuchte. Er überbrachte der Evangelischen Kirchengemeinde Eichholz-Kermen einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 5500 Euro für die Sanierung der kleinen Kirche.

Das Geld kommt aus dem Kreishaushalt. Jährlich hält der Landkreis 50000 Euro als freiwillige Leistung für die Sanierung und Instandsetzung von Kulturdenkmalen bereit. Diesmal können sich die Kermener freuen. Stellvertretend nahm Heidrun Ligmahl, die gute Seele der Kirche, den Zuwendungsbescheid entgegen.

Über 1000 Einzelspender

Der Landrat war persönlich gekommen, um sich ein Bild zu machen, „weil es mich interessiert, weil ich neugierig bin.“ So fand er Gefallen an der kleinen, aber feinen Kirche, die nun saniert werden soll. Seit 2006 ist man dabei, zu überlegen, was werden kann, erzählte Pfarrer Albrecht Lindemann. Es sei auch schon in Erwägung gezogen worden, den Altar raus zunehmen und die Kirche wegzureißen, gab er zu bedenken. Doch das ist jetzt vom Tisch. Mit dem vorliegenden Konzept habe man den Landkreis und andere überzeugen können. Und es gibt mehr als 1000 Einzelspender aus ganz Deutschland, die mit ihrem Beitrag die Sanierung mit tragen wollen, informierte Lindemann den Landrat. „Denkmal in Not“ hatte es in der Aprilausgabe in der Zeitschrift „Monumente“, dem Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, geheißen. Die Spendenbereitschaft war überwältigend. „Von den Spendern war keiner jemals hier“, meinte Lindemann. Bei dem Interesse sei es aber durchaus möglich, dass sich dann künftig einige auf den Weg machen werden, um die Kirche zu besuchen. Es gehe aber auch darum, dass die Menschen in Kermen ihre Kirche wahrnehmen und, dass sie verbindet. Jeder kümmere sich nur um Seins, stellte der Pfarrer fest. Ein Dorfleben gebe es nicht mehr. So soll die Kirche künftig ein „gemeinsamer Ort“ werden.

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Im ersten Bauabschnitt kommt auch der Turm

Carolin Goebel vom Planungsbüro DS Architects aus Köthen war vor Ort, um Erläuterungen zum Sanierungsvorhaben zu geben. Im ersten Bauabschnitt, mit dem noch in diesem Jahr begonnen werden soll, stehen Maßnahmen zur Instandsetzung der Dach- und Deckenkonstruktionen und zur Gebäudeentwässerung an. Holzschutztechnische Untersuchungen sollen an Empore, Gestühl und Grundkonstruktionen durchgeführt werden.

Eine restauratorische Befunduntersuchung gehört dazu. Der wertvolle Kanzelaltar muss eine statisch-konstruktive Notsicherung erhalten. Pfarrer Lindemann machte Uwe Schulze auf die originale Farbfassung des hölzernen Kanzelaltars von 1711 mit den Figuren der heiligen Petrus und Paulus aufmerksam, warnte jedoch vor dem Betreten. Schon dem Kirchenpräsidenten habe er ein Kanzelverbot erteilen müssen, so Lindemann.

Kirche soll Turm zurückbekommen

Die Fassade und die Stützpfeiler am Westwerk müssen instand gesetzt werden. Im Rahmen der Erneuerung der Dach– und Deckenkonstruktionen soll die Kirche dann auch ihren Turm zurück bekommen, damit das Gotteshaus im Dorf auch wieder weithin sichtbar ist. Der Fachwerkturm war durch Beschuss im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, womit die Kirche ihre ortsbildprägende Wirkung verloren hatte. Rund 215000 Euro sind für den ersten Bauabschnitt geplant. Auf eine halbe Millionen wird sich das gesamte Sanierungsvorhaben belaufen.

Pfarrer Albrecht Lindemann lud derweil schon einmal ein: Am Tag des offenen Denkmals, am 13. September, kann die Kermener Peter und Paul-Kirche besucht werden. In der Zeit von 10 bis 17 Uhr wird an diesem Tag Musik zu hören sein. Verschiedene typische Barockinstrumente sollen erklingen.