Projekttag

Fit für den Straßenverkehr

Schüler in Walternienburg lernten bei einem Projekttag, wie sie fit durch den Straßenverkehr kommen. Und lernten einiges Überraschendes.

Von Petra Wiese

Walternienburg l Kurz vor Schuljahresende gab es für die Erst- bis Viertklässler der Walternienburger Grundschule „An der Nuthe“ noch einmal einen Höhepunkt. Nachdem alle Aktionen, Projekte und Veranstaltungen wegen Corona ausfallen mussten, war nun doch noch die Durchführung des „Fahr Rad aber sicher"-Projektes möglich.

Auch das sollte eigentlich im April stattfinden, erzählte Schulleiterin Birka Heinsdorf. Nun hatte sich, nachdem der Schulbetrieb wieder im Gange war, auch die Gebietsverkehrswacht Oranienbaum zurück gemeldet. Doch zunächst war wichtiger, den Schulstoff aufzuarbeiten. Aber ein Termin war dann doch noch drin, den man mit fertig geschriebenen Zeugnissen entspannt angehen konnte.

Mit zehn Leuten war die Gebietsverkehrswacht Oranienbaum angerückt. Einiges wurde auf dem Schulhof aufgebaut, um den Kindern insgesamt acht Stationen anbieten zu können. Und auch das Fahrzeug der Walternienburger Feuerwehr fuhr auf dem Schulhof vor. Die Oranienbaumer hatten bei der Stadt ein Feuerwehrfahrzeug angefragt, so Ortswehrleiter Christian Strauß. Da war er doch gerne mit dem örtlichen Fahrzeug und einem Kameraden eingesprungen.

Am großen Feuerwehrfahrzeug konnte allen Kindern zunächst erläutert werden, was das mit dem toten Winkel auf sich hat. Wann kann der Fahrer die hinter ihm fahrenden Fahrzeuge, darunter auch Kinder auf Rädern, sehen und wann nicht. Wie kann der tote Winkel vermieden werden? Wo bin ich sichtbar? Da machten alle gut mit und reihten sich in den markierten Winkeln ein. Dann hatte die Feuerwehr auch schon ihren Einsatz an der Schule beendet.

Für die Schüler ging es in kleinen gemischten Gruppen weiter. Die Stationen wurden von den Mitgliedern der Gebietsverkehrswacht betreut. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich“, so der Vereinsvorsitzende Friedhard Weber. „Wir wollen helfen, die Schüler für den Straßenverkehr fit zu machen“, sagte er. Wie wichtig das ist, beweisen Studien. Es wurde festgestellt, dass in Sachsen-Anhalt die Fahrleistung bei den Radfahrprüfungen in den Schulen immer mehr abnimmt, so Weber. Kein Wunder, die meisten Kinder werden chauffiert.

Hier setzt der Verein, der 39 Mitglieder zählt, mit seiner mobilen Verkehrsschule in Kindereinrichtungen und Schulen an. Kindern soll der Einstieg in den Straßenverkehr vermittelt werden. Jugendliche können das bereits erworbene Wissen festigen und erweitern. Für die Fahrradfahrer aller Altersklassen bietet der Verein Informationen über Unfallrisiken, und es wird das prophylaktische Verhalten beim Radfahren gezeigt:

Die Gebietsverkehrswacht Oranienbaum blickt auf eine lange traditionsreiche Arbeit zurück. Schon Anfang der 50-er Jahre wurde das Verkehrssicherheitsaktiv der Stadt Oranienbaum gegründet.

Die Verkehrserziehung in Schulen und Einrichtungen begann im Mai 1991 mit der Gründung der Verkehrswacht Oranienbaum e.V. als gemeinnütziger Verein. Seit dieser Zeit werden im Jahr zirka 3000 Kinder, Schüler und Jugendliche in verschiedenen Projekten unterrichtet.

Von Station zu Station ging es für die Grundschüler in Walternienburg. Da lernte so manches Kind erst einmal die Bestandteile seines Rades genauer kennen. Beschleunigen war beim Reaktionstest gefragt, aber noch schneller musste gebremst werden, was in Gefahrensituationen klappen sollte. Der Fahrradparcours nahm einen Großteil des befestigten Schulhofes ein. Slalom- und im Kreis fahren wurden geübt, Handzeichen geben, Dinge transportieren. Während bis zur 3. Klasse im Schonraum gefahren wird, steht immer für die 4. Klasse die Fahrradprüfung im realen Straßenverkehr an.

Mit der Rauschbrille durften die Schüler mal ausprobieren, wie Alkohol oder Drogen das Reaktionsvermögen beeinflussen können. Da wurde so mancher torkelnder Schüler gesehen. Und auch Sportlehrer Matthias Marks musste herhalten und mit der Rauschbrille die Linien nachlaufen.

Ihre Fahrradhelme hatten die Mädchen und Jungen an dem Tag mit in die Schule gebracht. Ehrlich gestanden einige Kinder auch, dass sie nicht immer mit Helm fahren. Sie lernten, wie wichtig es ist, dass dieser gut passen und sitzen muss und was er aushält.

Ein Informationsstand zum sicheren Radfahren und ein Sehtest im Eingang zur Turnhalle ergänzten das Angebot beim Projekttag. Die Kinder machten gut mit und hatten auch viel Spaß. Das Projekt „Fahr Rad aber sicher“ gibt es bundesweit, erläuterte Friedhard Weber. Über den Landkreis Wittenberg hinaus sind die Oranienbaumer damit unterwegs.