Deetz l Groß, grau, mit Loch im Dach, aber idyllisch am See gelegen – so steht es da, das Jugendseeheim in Deetz, und verfällt immer mehr. Das Objekt steht seit Jahren leer. Den Deetzern blutet das Herz beim Anblick des Hauses am besten Platz im Ort. Die Zukunftsaussichten sehen nicht gerade rosig aus – bis jetzt.

Nun scheint ein Investor ernsthaftes Interesse an dem Anwesen zu haben, so geht es zumindest aus den Sitzungsunterlagen des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses hervor, der heute um 17 Uhr im Rathaus zusammenkommt. Ein Interessent habe Mitte Oktober einen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes gestellt, heißt es in dem Papier.

Pension und Caravanstellplätze

Der Antragsteller möchte ein leistungsfähiges Planungsbüro mit der Erarbeitung des Bebauungsplanes beauftragen. Mit der beantragten Planung sollen nach dem Erwerb des Areals durch den Investor die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Umbau und die spätere Nutzung geschaffen werden, verraten die Sitzungsunterlagen weiter.

So plant der Investor, das Gebäude umfangreich instand zu setzen und es dann als Pension zu nutzen. Außerdem sollen mehrere Caravanstellplätze entstehen. Auch eine Nutzung für Sommeraktivitäten durch Schulen und Vereine sind dann möglich und geplant. Die dann neu errichtete Infrastruktur könne beispielsweise auch bei Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft genutzt werden, so die Pläne des Investors.

Im Flächennutzungsplan ist das zukünftige Plangebiet als Fläche für den Gemeindebedarf ausgewiesen. Die Realisierung der Planung im betreffenden Gebiet ist ohne die Änderung des Flächennutzungsplanes und einen verbindlichen, vorhabenbezogenen Bebauungsplan nicht möglich.

Jahre des Verfalls

Der Deetzer Ortsbürgermeister Tobias Böttcher (SPD) freut sich über die aktuelle positive Entwicklung rund um das Areal des Jugendseeheims. „Ich bin froh, dass nach Jahren des Leerstands und des Verfalls, endlich wieder Leben in das Haus einzieht“, erklärt der Ortsbürgermeister auf Volksstimme-Nachfrage.

Die Zusammenarbeit mit dem neuen Besitzer funktioniere gut und werde bereichernd für das Dorfleben in Deetz sein. „Außerdem wertet die umfangreiche Sanierung des Objekts und der geplante Bau von Stellplätzen für Wohnmobile den Strandbereich des Deetzer Teiches weiter auf“, sagt Böttcher.

Böttcher: „Wenn alles gut läuft, und davon gehe ich jetzt mal aus, kann dieses Kapitel des Ärgers und der Sorge, fünfeinhalb Jahre nach Schließung des Jugendseeheims, endlich zu den Akten gelegt werden.“

Das Gebäude am Deetzer Teich wurde 1985 zur Nutzung als Kindergarten errichtet, 1994 zum Jugendseeheim umgebaut und zum 1. Juli 2014 endgültig geschlossen. Die Stadt Zerbst, die Eigentümerin des Anwesens ist, hatte seit Jahren versucht, das leerstehende Objekt zu verkaufen – allerdings vergeblich.

Zuletzt stand der Abriss und die Nutzung als Kompensationsfläche (entsiegeln und bepflanzen) im Raum. Nun scheint das Jugendseeheim dem Abriss zu entgehen.