Verein "Hilfe für Tschernobylkinder in Brjansk" hat Familie und Folkloregruppe zu Gast

"Für uns ging ein Wunsch in Erfüllung"

Von Daniela Apel

Zerbst/Reuden l Für Swetlana Tarasow und ihre Familie ist ein Weihnachtswunsch in Erfüllung gegangen. Dank des Vereins "Hilfe für Tschernobylkinder in Brjansk" genießen die russischen Gäste seit einer Woche ihren Aufenthalt im fernen Deutschland. Untergebracht auf dem Kinderbauernhof in Reuden verleben sie derzeit unbeschwerte Tage. "Wir sind so froh, hier zu sein", erklärt die 41-Jährige lächelnd. Glücklich strahlt sie übers ganze Gesicht.

Dass gerade die Tarasows vom Verein ausgewählt wurden, hat seinen Grund. Das Brjansker Ehepaar zieht neben den fünf eigenen Sprösslingen ebenfalls vier Waisenkinder groß - von drei bis 23 Jahren reicht das Altersspektrum. Was für Außenstehende eine eindrucksvolle Verantwortung und Leistung ist, ist für die Beiden selbstverständlich.

"Es gibt bei uns so viele Kinder, denen es schlecht geht", erklärt Swetlana Tarasow. Und da sie ein Haus mit genügend Platz besitzen, entschlossen sie sich, einige von ihnen bei sich aufzunehmen. Die dunkelhaarige Irina war die erste, die mit ihnen neue Eltern fand. "Sie hat auf uns gewartet", sagt die sympathische Frau. Dann hörten sie von einem kranken Jungen. "Den müssen wir aufpäppeln" schoss es ihr und ihrem Mann Alexander (42) durch den Kopf. So kam Viktor zu ihnen, bevor noch ein Geschwisterpaar folgte. Und längst sind alle zu einer großen Familie zusammengewachsen.

Kinderbauernhof bietet gemütliche Unterkunft

Allerdings sind nur vier Kinder mit nach Reuden gereist, wo es den Sprösslingen sichtlich gefällt. "Sie spielen viel", berichtet die Vereinsvorsitzende Dr. Ljuba Schmidt. Auch von den unternommenen Radtouren erzählt sie. Gestern gehörte ein Ausflug nach Zerbst zum Programm. Gästeführerin Heli Talvik-Pannicke nahm sie mit auf einen interessanten Spaziergang durch die Stadt, bei dem ein Abstecher zum Schloss und zum Katharina-Denkmal nicht fehlen durfte.

Unter ihren aufmerksamen Zuhörern befand sich ebenfalls die erst Tags zuvor eingetroffene Folkloregruppe aus Brjansk, die sich aus zwei Erwachsenen und fünf Kindern zusammensetzt. Die Singegruppe "Nachtigall" wird sich am kommenden Dienstag um 10.30 Uhr auf dem Zerbster Stadtseniorenfest präsentieren, wie Ljuba Schmidt anmerkt.

Sie freut sich, dass es einmal mehr gelungen ist, eine solche Aktion - die zweite in diesem Jahr - durchzuführen. Immerhin ist der gemeinnützige Verein bei all seinen Projekten auf Unterstützung von außen angewiesen und auf die konnten sie bislang immer wieder zählen. Mit tatkräftiger wie materieller Hilfe von Firmen gelang es seit 2004, das alte stark sanierungsbedürftige Forsthaus von Reuden in eine gemütliche Unterkunft zu verwandeln. Inzwischen sind auch sämtliche Brandschutzauflagen erfüllt, wie Ljuba Schmidt vom Nehmen der letzten Hürde berichtet.

Den Brjansker Gästen steht damit ein attraktives Haus zur Verfügung, das allerdings kein Hotel ist, wie die Vereinsvorsitzende immer wieder betont. Zugleich erzählt sie, wie sich die Familie einbringt. So hat Vater Alexander Kartoffeln aus der Erde des Gemüsegartens geholt, in dem derzeit die Gurken heranreifen.

Verein lädt morgen zu einem Tag der offenen Tür ein

Auch die Dolmetscherin Walentina Izkowa, die zum wiederholten Mal in Reuden weilt - diesmal samt Enkel - packt tüchtig mit an. "Sie ist Leiterin, Pädagogin und Köchin", weiß Ljuba Schmidt ihren Einsatz vor Ort zu schätzen.

Wer sich ein persönliches Bild machen und sich mit den russischen Gästen austauschen möchte, kann das gern am morgigen Sonntag auf dem Kinderbauernhof beim Tag der offenen Tür tun. "Wir zeigen gern unsere Räumlichkeiten", lädt Ljuba Schmidt Interessenten ein, einfach mal vorbeizuschauen. Es gibt nicht nur Tee und leckere Blinis. Um 15 Uhr tritt ebenfalls die Folkloregruppe auf. Wer mag, kann auch Kleidung, Lebensmittel, Spielzeug und andere Gebrauchsgegenstände mitbringen, die stets benötigt werden.