Spargelernte

Gastronomie fehlt beim Spargelabsatz in Deetz

Die diesjährige Spargelernte läuft in diesem Jahr wieder weitgehend ohne die Gastwirtschaft an. Die Spargelbauern müssen auf einen Teil ihres Absatzmarktes verzichten. Die private Nachfrage kann dies nicht immer ausgleichen.

Von Thomas Höfs
Der Deetzer Landwirt Mathias Mösenthin erlebt wegen der Corona-Pandemie weniger Nachfrage nach frischem Spargel aus der Gastronomie.
Der Deetzer Landwirt Mathias Mösenthin erlebt wegen der Corona-Pandemie weniger Nachfrage nach frischem Spargel aus der Gastronomie. Foto:Thomas Höfs

Deetz - Von der Spargelzeit profitiert vor allem die Gastwirtschaft. In der Regel werben die Gasthäuser die Kundschaft im Frühling mit dem Stangengemüse, am liebsten aus der Region. Doch auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie müssen die Gaststätten wieder geschlossen bleiben und dürfen die Kundschaft nicht in der eigenen Gaststube bewirten. Erlaubt ist lediglich die Zubereitung von Speisen und die Auslieferung oder Abholung durch den Kunden. Auswirkungen entfaltet die Pandemielage deshalb wieder auf die Landwirtschaft.

Die Spargelbauern müssen erneut auf einen bedeutenden Absatzkanal verzichten, sagt der Deetzer Spargelwirt Mathias Mösenthin. Es sei für ihn wirtschaftlich schon zu spüren, dass die Gastwirtschaft geschlossen habe, schildert er. Die sonst abgerufenen Mengen werden aktuell nicht verlangt, wenn die Gastbetriebe nur Essen auf Bestellung zubereiten.

Auch die Lindauer Spargelbauern kennen vom vergangenen Jahr das Problem. Um es in den Griff zu bekommen, hatten die Lindauer sich vor allem darauf konzentriert, die Mengen entsprechend der Nachfrage zu steuern. Unter der Woche war der Spargel bei den Endkunden kaum gefragt. Sprunghaft stieg die Nachfrage an den Wochenenden an. Darauf stellten sich die Lindauer ein und sorgten an den Wochenenden für ein großes Angebot des Frühlingsgemüses.

Ernte per Hand ist teuer

Denn die Ernte des Spargels hat auch ihren Preis. Personalintensiv muss jede Spargelstange einzeln und von Hand gestochen werden. Das treibt die Kosten für das Edelgemüse.

Zu Beginn der Erntesaison rechnet sich der große und intensive Personaleinsatz noch. Je weiter die Saison fortgeschritten ist, desto geringer fallen die Überschüsse aus. Vor allem wenn es viel Spargel auf dem Markt gibt und wenn wenig Nachfrage nach dem Gemüse die Preise sinken lässt. Die Kunst bestand daher im vergangenen Jahr für manchen produzierenden Betrieb vor allem darin, die Spargelmengen knapp zu halten, damit der Preis nicht allzu schnell verfällt und sich die Ernte des Spargels wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Da die Landwirte bei der Vermarktung des Gemüses auch aus wirtschaftlichen Gründen auf die Selbstvermarktung setzen, ist auch der Verkauf personalintensiv.

Bislang hat die Witterung dafür gesorgt, dass es noch nicht die große Spargelschwemme gegeben hat. Die kühle Witterung hilft den Landwirten aktuell eher. Denn sie lässt das Gemüse langsamer wachsen. Noch gut eineinhalb Monate wird die Spargelernte dauern. Erst am Johannistag endet sie in der Regel. Bis dahin kann sich noch einiges entwickeln, was vor allem die Gastwirtschaft angeht.

Sobald die Zahl der Corona-Infizierten deutlich sinkt, dürften wohl auch die Gasthäuser zumindest im Außenbereich wieder öffnen dürfen, wie es Magdeburg aktuell vormacht. Sobald die Gaststätten wieder öffnen, dürfte es auch eine höhere Nachfrage nach Spargel geben. Denn das Lieblingsgemüse zieht viele Kunden an. Anstatt sich selbst in die Küche zu stellen, besuchen viele Bürger gern die Gaststuben für den Frühlingsgenuss.

Wetter spielt mit

Erst am Schluss wird abgerechnet, wollen die Landwirte ihre Hoffnungen noch nicht begraben. Schließlich spielte das Wetter bereits zu Erntebeginn mit. Wegen der Kühle verschob sich die Ernte bereits um gut drei Wochen, sagt Mathias Mösenthin aus Deetz.

Wenn der Frühling nun eine kleine Pause einlege, schade dies nicht. Zudem brauchten die Pflanzen auch Regen, um in den kommenden Wochen weiter zu wachsen. In den vergangenen Jahren waren vor allem die sehr trockenen Frühjahre auch bei der Spargelernte immer wieder ein Problem für diejenigen Landwirte, die noch keine künstliche Bewässerung auf ihren Feldern installiert hatten. Der Landregen der vergangenen Tage dürfte den Pflanzen daher guttun und das Mengenangebot in der kommenden Woche eher vergrößern.

Vollautomatischer Ernter mit Vor- und Nachteilen

Während Landwirt Mathias Mösenthin vor allem auf die Ernte mit der Hand setzt, arbeiten die benachbarten Spargelbauern in Lindau seit Jahren mit einem vollautomatischen Ernter.

Das Verfahren ist zwar rabiat und es gibt auch jede Menge Bruch. Schließlich schneiden die Messer der Maschine jeden Spargelspross direkt über dem Boden ab, ganz egal, wie groß der gewachsen ist. Dennoch ist die Maschine, die von einem Traktor über die Spargelreihe gezogen wird, unschlagbar schnell. Die Lindauer setzen weiter auf den Vollernter und verbessern die kleine Maschine jedes Jahr vor dem Erntebeginn etwas. Der Lindauer Landwirt Peter Gottschalk sieht darin die Zukunft. Schließlich hätten sich die Vollernter auch bei anderen Kulturen durchgesetzt, meint er.

Auch wenn manche Spargelstange von der Maschine viel zu früh geschnitten wird und daher unverkäuflich ist, zähle am Ende das Ergebnis, meint der Landwirt. Und das stimme. Denn mit geringem Personaleinsatz kann die Maschine eine große Fläche ernten. Der Kostenvorteil überwiege daher den Ausfall an vermarktbarem Gemüse. Auch die Lindauer spüren den Ausfall der Gastronomie, wie alle Spargelbauern. Schließlich haben alle Produzenten ein ganzes Netz von Gastwirten, die sich seit Jahren direkt vom Feld täglich frisch mit dem Gemüse beliefern lassen.