Zerbst l „Zum Lesen brauche ich eine Brille“, gesteht Fritz Krause. Sein Alter ist dem noch so rüstigen Jubilar nicht anzusehen. Stolze 100 Jahre alt wurde er. Da lässt es sich auch Bürgermeister Andreas Dittmann nicht nehmen, persönlich zum Gratulieren auf dem Feuerberg vorbeizuschauen.

Familie und Freunde sind bereits versammelt. Sie haben in dem Raum an eingedeckten Tischen Platz genommen, in dem Fritz Krause am 23. Oktober 1919 das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern betrieben hier eine Landwirtschaft, was sich auf seine spätere Berufswahl auswirken sollte.

Von der Front in mehrere Gefangenenlager

Zunächst jedoch musste der kleine Fritz das Abc lernen und das tat er in der Ankuhnschen Schule, in die er 1926 eingeschult wurde. 1930 wechselte er an die Volksschule II Am Plan. Das Abschlusszeugnis in Händen absolvierte er schließlich zwei Wintersemester an der Landwirtschaftlichen Schule in Zerbst, bevor er anfing, im Familienbetrieb mitzuarbeiten.

Im August 1939 erhielt Fritz Krause seinen Einberufungsbefehl in die Armee, einen Monat später begann der Zweite Weltkrieg. Der 20-jährige Zerbster musste an die Front. Er kämpfte in Frankreich, Rumänien, Bulgarien und Jugoslawien. Im eisigen Russland erfroren ihm im Dezember 1941 an beiden Füßen die Zehen.

Mit Seekrankheit gekämpft

Doch erst am 8. Februar 1944 sollte für ihn der Krieg enden, als er in italienische Gefangenschaft geriet. Von Neapel aus ging es für ihn zwei Wochen später per Schiff nach Amerika. Die Überfahrt dauerte 21 Tage, während der er mit der Seekrankheit zu kämpfen hatte.

Zwei Jahre musste Fritz Krause in Kriegsgefangenenlager der USA bleiben und zwar in Tennessee und Alabama, wo er zum Fällen von Bäumen eingesetzt wurde. Im März 1946 ging seine Odyssee weiter. Nun kam er für eineinhalb Jahre nach England ins Gefangenenlager.

Traurige Todesachricht

Erst am 2. September 1947 kehrte er gesund nach Zerbst zurück. In seiner Heimatstadt angekommen, erhielt er die traurige Nachricht, dass seine Mutter wenige Monate zuvor verstorben war. Doch das Leben musste weitergehen.

Fritz Krause gründete eine eigene Familie. Am 18. September 1948 heiratete er Marga Lehmann. Die Beiden zogen drei Söhne groß – Fritz, Manfred und Bernd. 1950 wurde der Landwirtschaftsbetrieb der Familie an den jetzigen Jubilar überschrieben. 1960 trat er in die LPG ein, in der er bis zum Renteneintritt arbeitete. „Er war ein bodenständiger Bauer mit Leib und Seele, immer hundert Prozent zuverlässig“, sagt einer seiner früheren Kollegen.

Mit Bewegung bis ins hohe Alter

Sein Ruhestand 1984 bot Fritz Krause ausreichend Gelegenheit, Urlaubsreisen mit seiner Frau zu unternehmen. Gemeinsam feierten sie ihre silberne, goldene, diamantene und eiserne Hochzeit und freuten sich über die Geburt ihrer vier Enkel. Inzwischen gehört ein Urenkel zur Familie.

Und nicht nur seine Söhne hoffen, dass sie die Gene ihres Vaters geerbt haben und ebenfalls ein solch hohes Alter erreichen und dabei vor allem noch so fit sind. Bis zu seinem 97. Lebensjahr ist der agile Zerbster mit seinem Rad durch die Feldmark gefahren. Die tägliche Bewegung an der frischen Luft ist wohl ein weiterer Grund für das Erreichen der runden 100. Obwohl Fritz Krause selbst meint, dass man dieses Ziel einfach nur anpeilen müsste, wie er schmunzelnd im Gespräch erklärt.

Zerbst hat drei Hundertjährige

Zwei andere Zerbster beweisen, dass das möglich ist. „Sie sind jetzt der dritte Hundertjährige in der Stadt“, verrät ihm der Bürgermeister. Blumen und Schokolade hat er dem Jubilar mitgebracht, der es sich nicht nehmen lässt, vom Stuhl aufzustehen, während ihm Andreas Dittmann beglückwünscht. „Sonst bin ich ja so klein“, bemerkt Fritz Krause, der gestern hier auf dem Feuerberg die Hauptperson ist.