Deetz l Ulrich Weimeister verbringt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland sehr viele Stunden vor seinem Computer im Schullandheim. Hier schreibt er Briefe an die Ministerien im Land und an die Fraktionen im Landtag. Als Chef des Landesverbandes der Schullandheime vertritt er sieben Einrichtungen in Sachsen-Anhalt. Die vergangenen Monate waren für die kleinen Häuser nicht leicht, gibt er gern zu.

Die Umsätze seien zwischen 85 bis 90 Prozent eingebrochen, hat er schon mal ausgerechnet. Das trifft die kleine Branche besonders hart, da die Schullandheime vor allem kostendeckend arbeiten und kaum größere Überschüsse erwirtschaften können. Lediglich die Wintermonate, in denen es regelmäßig ruhiger wird, fährt der Saisonbetrieb ein.

Ohne Unterstützung

Ohne staatliche Unterstützung hatten die Häuser während der Corona-Pandemie schon schließen müssen. Ohne die Förderung hätten die Schullandheime kaum überlebt, bestätigt er.

Doch wie geht es weiter? „Uns fehlt ein Ansprechpartner“, schildert er. Denn nach dem Verbot für die Schulen, auf Klassenfahrt zu gehen, hielten sich die Lehrer auffällig bei der Planung der Schulausflüge zurück, beschreibt er das Problem. Die Lehrer hätten dabei vor allem vor den Stornierungskosten bei der Absage einer Klassenfahrt Sorge, weiß er auch. Doch auf die Stornierungskosten könnten die Schullandheime nicht verzichten, macht er ebenso deutlich. Verzichte die Branche darauf, sei die Gefahr groß, dass die Klassen in mehreren Objekten buchen und sich dann kurzfristig für ein Ziel entscheiden.

Unter Umständen müssten dann Buchungsanfragen abgelehnt werden und Betten blieben trotzdem leer, erklärt er seine Sorgen. Mit dem Schulstart in anderen Bundesländern hat der Betrieb im Schullandheim nun nach den Sommerferien wieder begonnen. Die ersten Schulklassen seien bereits da, freut er sich auf die Kinder nach Monaten Zwangspause. Die Einrichtung halte dabei die Vorschriften der Behörden ein, unterstreicht er. Die ersten Lehrer hätten zudem bereits für das kommende Jahr Klassenfahrten nach Deetz gebucht, freut er sich auch. Dennoch wäre in normalen Zeiten die gebuchte Auslastung deutlich höher.

Kaum ausreichend

Vor allem aber reicht der jetzt angelaufene Betrieb kaum aus, um über den Winter zu kommen. Ulrich Weimeister ist deshalb auch im Namen der anderen sechs Schullandheime im Land permanent mit den Fraktionen im Landtag im Gespräch und macht dabei auf die Situation der Einrichtungen aufmerksam. Die Schullandheime verstehen sich dabei nicht nur als Beherbergungsbetriebe, sondern auch als Bildungseinrichtungen. Denn längst bieten sie neben der Unterkunft auch ein umfangreiches Bildungsprogramm für die jungen Besucher an. Während der Klassenfahrten können sich die Schüler in Deetz mit der Landwirtschaft beschäftigen. Dabei erhalten sie einen Einblick in die konventionelle Landwirtschaft. Wie die Bauern die Felder bestellen, wie überhaupt landwirtschaftliche Produkte aussehen, ist vor allem für Kinder aus der Großstadt eine neue Erfahrung.

In Zukunft wolle sich das Schullandheim aber auch mehr mit der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und mit ökologischen Themen beschäftigen. Die Nachfrage nach solchen Angeboten wachse, weiß Ulrich Weimeister, der selbst im Nebenerwerb noch Landwirtschaft mache und sich deshalb auch dort persönlich gut auskenne.

Beliebt ist das Schullandheim auf dem Land vor allem bei Berliner Schulen, die mal in die Natur für einige Tage wollen. Schon die Begegnung mit den vielen Tieren, die auf dem Bauernhof leben, ist für die Stadtkinder eine völlig neue Erfahrung. In den Ställen auf dem großen Hof können die Mädchen und Jungen auf Tuchfühlung gehen. Sie können die Tiere täglich versorgen und so jede Menge über sie erfahren.

Auf dem Land rückläufig

Dass die Tiere dabei nicht nur versorgt, sondern auch als Lebensgrundlage dienen, zeigte der Jugendbauernhof in der Regel im Herbst, wenn Schweine geschlachtet wurden. Früher war es üblich auf dem Land, dass Tiere geschlachtet und die Wurst eingekocht wurde, um die Menschen monatelang zu ernähren. Heute ist die Tierhaltung auch auf dem Land rückläufig, da die Tierhaltung vor allem zeitaufwendig ist.

Für Kinder, weiß Ulrich Weimeister, sei spannend zu erleben, wie das leben früher auf dem Land so war. Begeistert seien sie ebenso von der Technik, mit denen die Bauern heute die Flächen bewirtschaften. Mit Romantik habe dies nichts mehr zu tun. Modernste Geräte stünden den Bauern heute zur Verfügung. Auch in den Ställen geht nichts mehr ohne technische Unterstützung. Das zeige sich besonders, wenn die Schüler Zeuge beim Melken der Kühe werden. Wie schnell und effektiv dies heute in den Ställen geschieht, können die Besucher erleben. Ein befreundeter Tierwirt lädt die Schüler gern ein.