Zerbst l Vorerst bis zum 19. April gilt die Eindämmungsverordnung, die die Landesregierung am 17. März erlassen hat. Sie beinhaltet, dass Einzelhandelsgeschäfte jeder Art geschlossen bleiben. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittel- und Getränkemärkte, Drogerien und Apotheken oder auch Bau- und Gartenmärkte sowie Buchhandlungen und Zeitschriftenläden. In Zerbst sind einige Geschäfte von der Schließungsverfügung betroffen. Seit Mittwoch dürfen sie nun keine Kunden mehr hereinlassen. Die Volksstimme hörte sich um, was das für die Inhaber bedeutet und welche Gedanken ihnen jetzt durch den Kopf gehen.

MK Büroservice

Von Ratlosigkeit spricht Markus Kaufmann. „Keiner weiß, wie’s weitergeht“, sagt der Inhaber des MK Büroservice. Als „bedrückend“ beschreibt er das Gefühl, das die Schließung seines Ladens auf der Alten Brücke verursacht. Keine klappende Eingangstür, kein Stimmengemurmel. „Es war abzusehen“, gesteht Markus Kaufmann, dass er mit der Corona-Verordnung gerechnet hat. „Wir versuchen jetzt, das Beste draus zu machen“, sagt er. Ein gewisser Trost ist es da, dass zumindest der technische Kundendienst weiterlaufen kann. Wenn Handwerksbetriebe Probleme mit ihren Computern, Druckern oder Kopierern haben, dürfen sie noch ausrücken und die Fehler beheben – zumindest so lange, wie das benötigte Zubehör geliefert wird, wie Markus Kaufmann anmerkt. „Ändern können wir es nicht“, sagt er. So ist das Geschäft zwar dunkel und abgeschlossen, doch: „Wir sind erreichbar – telefonisch, und man kann uns eine E-Mail schreiben.“

Boutique „Mode am Markt“

„Für uns ist es eine Katastrophe“, gesteht Anja Giese. Zusammen mit ihrer Mutter Angela besitzt sie die „Mode am Markt“. März und April sind für die Boutiquen-Inhaberinnen eigentlich die umsatzstärksten Monate im Jahr. Nun ist die Frühjahrsmode zwar eingetroffen, kann aber nicht verkauft werden, dennoch flattern die Rechnungen ins Haus. „Da braucht man starke Nerven“, sagt Anja Giese und ergänzt: „Das ist unsere Existenz.“ Zumal sie den Job sehr gern machen. Bereits seit 1991 gibt es die „Mode am Markt“, die inzwischen viele Stammkunden hat, die ebenso verunsichert seien. „Da müssen wir jetzt durch. Das ist leider so“, versucht Anja Giese das Ganze zu realisieren. „Sonst schließt man morgens den Laden auf und stellt alles raus, nun bleibt alles zu“, steht sie mitten in der österlich dekorierten Boutique. An der Tradition, jede Woche das Schaufenster neu auszugestalten, werden die beiden Frauen trotz Schließung festhalten. Und auch für ihre Kunden sind sie weiterhin vormittags telefonisch zu erreichen.

Bilder

Spielzeugladen „Fantasia“

Bis zuletzt hatte Diana Gröbke gehofft, dass es für kleine Geschäfte eine Ausnahme gibt. „Uns total die Füße wegzuhauen, ist keine Option“, findet die junge Frau, die mit ihrer Mutter Sylvia Lier den Spielzeugladen „Fantasia“ in der Fritz-Brandt-Straße betreibt. Schockierend sei die Nachricht gewesen, dass sie den Laden schließen müssen. „Wir hatten jetzt mit dem Ostergeschäft gerechnet, was nun wegbricht“, sagt sie. „Es ist sehr, sehr hart“, merkt Sylvia Lier an. Seit 1996 existiert der Spielzeugladen. Wie lange sie eine Schließung durchhalten, wissen die beiden Frauen nicht. „Wir leben vom Tagesgeschäft und können keine großen Rücklagen bilden“, sagt Diana Gröbke. Sie setzt ihre Hoffnung nun auf den Online-Verkauf, womit sich zumindest vielleicht ein Teil der anfallenden Kosten decken lasse. Das Sortiment im gleichnamigen Ebay-Shop will sie aufstocken. Auch Bestellungen seien möglich und könnten nach Vereinbarung abgeholt oder zugesandt werden. Nicht nachvollziehen können die beiden Frauen, warum ausgerechnet kleine Läden geschlossen werden, in denen viel weniger Kunden aufeinandertreffen als beispielsweise im Supermarkt. „Im Schnitt haben wir 25 bis 30 Kunden am Tag“, gibt Sylvia Lier zu bedenken. Sie fragt sich wie ihre Tochter, warum man nicht auch für Geschäfte eine Personenbegrenzung vorgegeben hat wie für Gaststätten.

„Uhren Klitsch“

Thomas Gäbe vom Traditionshaus „Uhren Klitsch“ auf der Breite hat Verständnis für die getroffenen Maßnahmen. „Ich finde es richtig und vor allem auch wichtig, dass jetzt alle Maßnahmen ergriffen werden, die nötig sind, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen“, sagt Thomas Gäbe. Sicher seien dass gravierende Einschnitte auch in die Geschäftswelt, die jetzt beschlossen wurden. „Wir haben ja noch unser zweites Standbein, den Onlinehandel. So gehen wir davon aus, dass die finanziellen Einbußen nicht ganz so gravierend ausfallen werden“, hofft der Einzelhändler und ergänzt: „Wichtig ist jetzt nur, dass sich so wenig wie möglich Menschen mit dem Coronavirus infizieren und dazu können und müssen wir halt alle beitragen.“

Vodafone-Shop

Sabrina Gensch und Steven Tennert von Vodafone-Shop gleich nebenan sehen das nicht ganz so entspannt. „Sicher sind die angeordneten Maßnahmen nötig, da haben wir vollstes Verständnis, aber geschäftlich ist das eine Katastrophe“, sagt Sabrina Gensch. Die Gesundheit der Menschen gehe natürlich vor und dass man die Ausbreitung des Virus verhindern oder verlangsamen will, auch das können die Beiden nachvollziehen und verstehen. „Wie wir die verlorengehenden Umsätze kompensieren sollen, das ist gerade das große Thema, denn niemand weiß ja so wirklich, wie lange diese Maßnahmen aufrechterhalten werden müssen“, so die Sorge von Sabrina Gensch und Steven Tennert. Tennert: „Wer Problem oder Sorgen mit seinen Verträgen hat, wir haben eine Telefonnummer im Fenster ausgehängt, unter der man uns erreichen kann. Wir sind auch täglich hier im Laden.“

Fitness-Studio „Fit in Form“

Ähnliche Sorgen macht sich Ulrike Grey vom Fitness-Studio „Fit in Form“ – ebenfalls auf der Breite. „Eine Schließung so kurz vor dem Sommer ist – gelinde gesagt – schlecht für uns. Wir haben quasi gerade Hochsaison“, erklärt Ulrike Gray. Viele wollten noch vor dem Sommer ein bisschen für den Körper tun. „Außerdem lauf derzeit noch Präventionskurse, die auch von den Krankenkassen gefördert werden, wie beispielsweise Rückenschule“, so Grey. Auch der Betriebssport sei betroffen. Jetzt gerade in der Hauptsaison schließen zu müssen, sei geschäftlich ein Albtraum. Dennoch betont auch Ulrike Grey: „Ich hoffe natürlich, dass die getroffenen Maßnahmen auch Wirkung zeigen und sich so wenige Menschen wie möglich mit dem Virus infizieren. Das ist schließlich das Wichtigste überhaupt.“