Zerbst. „Fakt ist: Mobbing ist Tagesgeschäft“, sagt Kirsten von Mandel, Schulleiterin der Zerbster Ciervisti-Schule. Und wenn es nach Sachsen-Anhalts Bildungsministerium geht, soll das Thema in den Schulen des Landes noch mehr in den Fokus rücken. So wurde Anfang Mai in Magdeburg ein neues Anti-Mobbing-Programm mit dem Titel „Gemeinsam Klasse sein“ vorgestellt, das in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse entstanden ist und ab dem nächsten Schuljahr online nutzbar ist.

Das ist allerdings ein Problem für die Ciervisti-Schule, wie Kirsten von Mandel erklärt: „Die Projektidee ist richtig und gut. Ob wir teilnehmen können, ist allerdings davon abhängig, ob unsere Internetverbindung auch dafür ausreicht – die ist nämlich alles andere als gut. Die Technik ist in diesem Fall ein K.O.-Kriterium.“

Projekttage gegen Mobbing

In dem neuen Projekt geht es darum, Schüler und Lehrer für das Thema Mobbing zu sensibilisieren und ihnen Präventivmaßnahmen zu vermitteln. Dabei spielt auch Cyber-Mobbing eine zentrale Rolle.

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Bei verschiedenen Aspekten unternimmt die Ciervisti-Schule schon etwas gegen Mobbing. Die Lehrer und die beiden Schulsozialarbeiter werden bereits für das Thema sensibilisiert, sagt von Mandel. Darüber hinaus gibt es an der Zerbster Schule auch Projekttage, die Mobbing und Ausgrenzung thematisieren. Trotzdem bleiben Probleme nicht aus.

Attacken im Netz

Schulsozialarbeiter Norbert Krampitz erklärt: „Wir sind eine große Schule mit vielen Schülern und haben demzufolge auch viele Problemfelder. Eines des größten Probleme ist, dass sich Mobbing immer mehr ins Internet verschiebt, also das Cyber-Mobbing stattfindet. Das ist für uns viel schwerer wahrzunehmen.“ Darüber hinaus seien die Attacken im Netz oftmals deutlich heftiger und diffamierender, so Krampitz.

Um gegen Mobbing vorzugehen – egal, ob in sozialen Netzwerken oder auf dem Pausenhof – sei vor allem Vertrauen wichtig. Daher betont der Schulsozialarbeiter, dass sich die Schüler immer an ihn, seine Kollegin Stephanie Daul oder an die Vertrauenslehrer wenden können. Es gebe auch eine Schweigepflicht bei den Schulsozialarbeitern.

Konflikte über Gespräche lösen

Der Konflikt selbst könne am besten über ein Gespräch beigelegt werden, ist Kirsten von Mandel überzeugt. Und wenn es zu einem Gespräch zwischen Mobber und Opfer kommt, dann achtet Norbert Krampitz darauf, dass es nicht direkt zu Anschuldigungen kommt. „Opfer und Täter legen ihre Sicht der Dinge dar. Wenn man direkt jemanden beschuldigt, machen die zu und man kommt nicht weiter.“

So ein Gespräch kann durchaus Früchte tragen, wie Krampitz berichtet. „Teilweise sind die Täter selbst erschüttert, was sie angerichtet haben. Denn manchmal zieht sich Mobbing über Jahre hinweg und der Täter merkt nicht einmal, was er da tut.“ Ein Gespräch kann also zum Umdenken beitragen.

Wer ebenfalls häufig nichts vom Mobbing mitbekommt sind die Eltern, sagt Schulleiterin Kirsten von Mandel. „Manche Schüler trauen sich nicht, mit ihren Eltern darüber zu sprechen. Und die Eltern wissen meist gar nicht so viel vom Alltag ihrer Kinder“, sagt von Mandel. Deshalb sei es umso wichtiger, die Eltern mit „ins Boot zu holen“, wenn es Auffälligkeiten gibt.

Kampagne liefert Denkanstöße

Fazit: Jede noch so gute Kampagne, jedes noch so innovative Projekt kann Mobbing nicht gänzlich verhindern. Es gibt jedoch Denkanstöße und sorgt dafür, dass sich Schüler und Lehrer mit diesem Thema beschäftigen und somit vielleicht auch leichter ins Gespräch kommen, wenn es zu Mobbing-Vorfällen im Umfeld kommt. Und so ein Gespräch kann den Grundstein dafür legen, den Konflikt zu entschärfen.