Katharina-Denkmal in Zerbst eingeweiht / Bildhauer Michael Perejaslawez:

"Glücklich, meine Arbeit jetzt hier zu sehen"

Von Antje Rohm

"Ein wunderbarer Abend." "Alles hat gepasst." So war es vielfach schon am späten Freitag und auch am Wochenende danach zu hören. Von jenen, die dabei waren zwischen Festakt und Feuerwerk – zur Einweihung des Denkmals für die Anhalt-Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike und spätere russische Zarin Katharina II. in Zerbst.

Zerbst. Sommerwetter, wie es besser nicht sein konnte. Ein stimmiges Ambiente. Eine wunderbare Atmosphäre. Alles war perfekt für diesen festlichen Zerbster Abend.

"Gänzlich undenkbar wäre er ohne Michail Perejaslawez und alle, die ihm bei der Realisierung des Denkmals zu Seite standen", begrüßt Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP) den Bildhauer und alle weiteren Gäste zum Festakt im Katharinasaal der Zerbster Stadthalle. Dort passt kein Stuhl mehr hinein, ist kein Platz leer – übergroß war die Nachfrage, hier dabei zu sein.

Mit der Fasch-Fanfare von Steffen Schleiermacher eröffnet das Bläserensemble der Anhaltischen Philharmonie Dessau den Festakt. Das Orchester unter der Leitung seines – auch charmant moderierenden – Generalmusikdirektors Antony Hermus hat für die spätere etwa einstündige Festmusik Werke von Peter Tschaikowski ausgesucht. Sie begeistern das Publikum mit Stücken aus "Nussknacker" und "Schwanensee", "Eugen Onegin" oder mit dem Capriccio italien.

Steigende Akzeptanz

<6>Bürgermeister Behrendt geht in der Stadthalle und später auch noch einmal unmittelbar vor der Denkmaleinweihung auf den langen Weg ein, den die Verwirklichung der Denkmal-Idee gebraucht hat. Zugleich sei dies "mit einer steigenden Akzeptanz der Idee in unserer Stadt" einhergegangen. Für sie sei das Denkmal ein Alleinstellungsmerkmal, das auf viele zusätzliche Besucher hoffen lasse. "Sehr gern werden wir kulturelle und touristische Kontakte zu wirtschaftlichem Engagement entwickeln", so der Bürgermeister.

<7>Grüße des neuen Botschafters der Russischen Förderation, Wladimir Grinin, überbringt der Gesandte der Botschaft, Alexander Petrow. "Zerbst ist ein schöne kleine Stadt mit einer großen Bedeutung für die Geschichte unseres Landes und Europas", sagte er. "Heute kehrt sie als Meisterwerk der russischen Bildhauerei nach Zerbst zurück", verwies er auf die Abreise der Prinzessin im Januar 1744 – und bringt nicht nur hier das Publikum zum Schmunzeln, wenn er in diesem Zusammenhang auf den möglichen Wert eines deutsch-russischen Jugendaustausches verweist. Alexander Petrow geht auf die heutigen Beziehungen beider Länder ein, für die es noch viel Potenzial gebe. "Deshalb ist es gut, dass Katharina II. auf dem Denkmal den Blick nach Osten richtet", lädt der Gesandte die Gäste ein, ebenfalls die deutsch-russischen Beziehungen mitzugestalten.

<8>Einen "historischen Tag für Zerbst" nennt Rainer Robra (CDU), Staatsminister der sachsen-anhaltischen Landesregierung, diesen 9. Juli 2010. Die Grüße der Landesregierung überbringend, verweist er ebenfalls auf die Bedeutung Katharinas II., zieht Parallelen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

"Denkmäler sind Spuren der Geschichte in der Gegenwart", erklärt der Staatsminister und ging unter anderem auf die Traditionen Anhalts und das 2012 anstehende Jubiläum 800 Jahre Anhalt ein. "Dieses Denkmal ist auch ein Zeugnis der deutsch-russischen Freundschaft", benennt er ebenfalls kulturelle Brückenschläge, die es vielfach zwischen Deutschland, zwischen Sachsen-Anhalt und Russland gebe.

Cornelia Pieper (FDP), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, hat noch am Freitag ihre eigentlich geplante Teilnahme an den Einweihungsfeierlichkeiten in Zerbst abgesagt, da sie zum Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft nach Südafrika fahre.

Noch mehr Zerbster und Gäste der Stadt, als am Festakt teilnahmen, waren gekommen, um die eigentliche Enthüllung des Denkmals vor dem Haupteingang der Stadthalle mitzuerleben. Der Tag der Einweihung ist mit zwei Daten im Leben Katharinas verbunden. Am 9. Juli 1744 ist sie vom evangelischen zum russisch-orthodoxen Glauben übergetreten. Am 9./10. Juli 1762 wird sie zur Kaiserin ausgerufen.

Zeichen der Versöhnung

Michael Perejaslawez ist nach 15 Jahren mit dem Denkmal "sehr gerührt, heute hier zu sein und glücklich, meine Arbeit hier zu sehen". Gemeinsam mit dem Bürgermeister, dem Gesandten, dem Staatsminister und mit dem Anhalt-Bitterfelder Landrat Uwe Schulze hat er zuvor das Denkmal enthüllt. Der Regionalbischof von Wittenberg, Propst Siegfried T. Kasparick, als Vertreter der Evangelischen Kirche, und der Erzbischof der russisch-orthodoxen Kirche Berlin, Feofan, nehmen die Denkmalweihe vor. Propst Kasparick mahnt dabei das Denkmal auch "als ein Zeichen der Versöhnung" zwischen den Völkern an.

Landrat Uwe Schulze würdigt das Denkmalprojekt und das Engagement der daran Beteiligten. Im Namen des Internationalen Fördervereins "Katharina II." zeichnet Vorsitzende Tetyana Nindel dafür den Künstler sowie Wladimir Teslenko, Uwe Tschakert, Anna Dobrovolskaya und Uwe Fritz aus. Letzterer hat unter anderem den zur Denkmaleinweihung erschienenen neuen Flyer des Vereins gestaltet. Als russlanddeutscher Vertreter spricht Victor Kaspar.

Eine besondere Ehrung gibt es für Michail Perejaslawez noch auf dem anschließenden Empfang des Bürgermeisters im Faschsaal. Er und Stadtratsvorsitzender Wilfried Bustro (CDU) bitten den Künstler um den Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt.

Rund ums Denkmal genießen die Gäste den Abend bei der stimmungsvoll-russischen Musik der Gruppe Apparatschik aus Berlin sowie Informations- und Versorgungsständen bis zum abschließenden Barockfeuerwerk.

Glückwünsche zur Denkmaleinweihung erreichen Bürgermeister Helmut Behrendt und Kulturamtsleiter Andreas Dittmann am Freitag im Übrigen auch von Lisa Schäfer und Künstler Frank Meisler, deren Denkmalprojekt im vergangenen Frühjahr in Zerbst aktuell war.