Energiewende

Großes Interesse an grünem Wasserstoff vom Zerbster Flugplatz

Von Thomas Kirchner
Getec Geschäftsführer Chris Döhring, Ministerpräsident Reiner Haseloff und Bürgermeister Andreas Dittmann (v.l.) im Gespräch während des Projektstarts zur Produktion von grünem Wasserstoff auf dem Zerbster Flugplatz. Foto: Thomas Kirchner

Zerbst

Getec Geschäftsführer Chris Döhring sieht den Energiepark Zerbst, was die Vielfalt der Erzeugung von erneuerbaren Energien betrifft, schon jetzt als „bundesweit einzigartig“ an. Neben Wind- und Solarstrom sowie Biogas soll ab 2022 auf dem Flugplatz auch grüner Wasserstoff produziert werden. Heißt: Zur Herstellung wird ausschließlich Strom aus Windenergie genutzt. Dazu sollen sieben neue Windräder gebaut werden. Rund 60 Millionen Euro werden in das Projekt investiert.

Mit im Boot sind neben der Getec green energy als Projektentwickler und Dienstleister zur Herstellung und Speicherung von H2, dem Bio-Masse Hof – der der spätere Betreiber der Wasserstoffproduktionsanlage sein wird – auch die Stadt Zerbst. „Neben der regionalen Verfügbarkeit des bislang seltenen Grüngases profitiert die Region und insbesondere auch die Einheitsgemeinde Zerbst zukünftig von attraktiven Strompreisen, möglichen Unternehmensansiedlungen und den Steuereinnahmen durch die vor Ort gegründete Projektgesellschaft“, waren sich Chris Döhring und Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) einig.

DHW Rodleben benötigt vier Millionen Normkubikmeter Wasserstoff

Die Stadtwerke Zerbst und die Erdgas Mittelsachsen wollen sich mit der Schaffung und Erweiterung einer Wasserstoffinfrastruktur im Landkreis Anhalt-Bitterfeld beteiligen. Außerdem fungieren die beiden Unternehmen als Abnehmer von Überschussstrom und grünem Wasserstoff für Beimischung ins Erdgasnetz sowie für diverse andere Projekte im Vertriebsgebiet.

Die Ecogreen Oleochemicals GmbH (DHW Deutsche Hydrierwerke Rodleben) werden ebenfalls Abnehmer von H2 sein. Das DHW produziert Zuckeralkohole, Fettalkohole, Fettamine und verschiedene hochwertige Spezialitäten. Bei dieser Herstellung sind energieintensive Verfahren notwendig. Rund vier Millionen Normkubikmeter (Nm³) H2 benötigt das Unternehmen in Rodleben für die Produktion, der bisher allerdings die Farbe grau statt grün hat. Grau heißt, der Wasserstoff wird aus fossilen Energieträgern hergestellt. Das soll sich ändern. Außerdem werden die Hydrierwerke die vorhandenen H2- Trasse zwischen Rodleben und Bitterfeld bereitstellen.

Siemes soll neueste Technik zur Wasserstoffproduktion liefern

Auch die Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft sowie die TEW Technik-Energie-Wasser Servicegesellschaft mbH (Standort- und Infrastrukturbetreiber am Dessauer BioPharmaPark) wollen zukünftig H2 für die Verkehrsbetriebe beziehungsweise für die Energieversorgung, Mobilität und der stofflichen Nutzung für den BioPharmaPark vom Zerbster Flugplatz beziehen.

Darüber hinaus wurde eine Absichtserklärung über die Entwicklung und den Betrieb eines PEM-Elektrolyseurs als Pilotprojekt am Standort Energiepark Zerbst unterzeichnet. Die unterzeichnenden waren Dr. Bernd Koch, Leiter Siemens Dezentrale Energiesysteme der Siemens AG und Eric Michael Klein, Siemens Energy Global GmbH. „Ziel dieser Erklärung ist es, in Verhandlungen für die Errichtung einer PEM-H2-Erzeugungsanlage am Standort Zerbst zu treten beziehungsweise diese gemeinsam mit den Abnehmern zu pilotieren“, erklärte Döhring.

Miniterpräsident Reiner Haseloff sieht Wasserstoff als Markenzeichen Sachsen-Anhalts

Die Rolle, die Siemens dabei übernimmt, sei die Dimensionierung, die Errichtung und der technische Betrieb dieser druckbehafteten PEM-Wasserstofferzeugungsanlage für grünen Wasserstoff vom Typ Silyzer 300. Die Silyzer 300 ist die neueste und leistungsstärkste Produktlinie des Siemens PEM- Elektrolyse-Portfolios im zweistelligen Megawatt-Bereich und produziert 100 bis 2000 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff (CDU) betonte, dass grüner Wasserstoffe zu einem Markenzeichen von Sachsen-Anhalt werden wird. „Mit der Energiewende gestalten wir in Deutschland einen unumkehrbaren Prozess. Es liegt nun an uns, eine Innovationsstrategie zu entwickeln, die in einem sich mehr und mehr selbsttragenden Erneuerungsprozess einmündet. Die heutige Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarungen leistet hierzu einen wichtigen Beitrag“, sagte Haseloff.

Wasserstoff vielfältig einsetzbar

Zur Herstellung von Wasserstoff braucht man lediglich Wasser, das durch Energie mittels Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Die ausschließliche Nutzung von Windenergie macht es dann zu grünem H2. Mit Wasserstoff können beispielsweise Fahrzeuge angetrieben werden. Außerdem kann es unter anderem zum Kochen, Heizen und in der chemischen Industrie genutzt werden.

„Wir werden relativ schnell erleben, dass wir beispielsweise mit Wasserstoff-Tankstellen eine ganz andere Mobilität sicherstellen können“, so der Ministerpräsident. Etwa 13,5 Millionen Normkubikmeter grüner Wasserstoff sollen ab Ende 2022 auf dem Zerbster Flugplatz produziert werden.

Ein ähnliches Projekt planen die Macher auch für Zeitz (Burgenlandkreis). Lars Ziemann, einer der beiden Geschäftsführer der Zeitzer Stadtwerke, war am Freitag ebenfalls anwesend. Zum Zeitzer Projekt hat es bereits ein Treffen Mitte Dezember mit Getec Geschäftsführer Chris Döhring, Bürgermeister Andreas Dittmann und Zeitzer Akteuren in Zerbst gegeben. Am Tisch saßen damals auch Landesentwicklungsminister Thomas Webel (CDU) und Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude (parteilos).

Die gesamte Durchführung des auf dem Flugplatz Zerbst Projektpartnermeetings mit Unterzeichnung der Kooperationsverträge stand unter einem strengen Schutz- und Hygienekonzept, dass unter anderem die Testung aller Teilnehmer vor Beginn der Veranstaltung beinhaltete.

Pristijono Abadi vom DHW Deutsche Hydrierwerke Rodleben bei der Vertragsunterzeichnung am 30. April auf dem Zerbster Flugplatz.
Foto: Thomas Kirchner
Dr. Bernd Koch, Leiter Kompetenzzentrum Dezentrale Energiesysteme bei Siemens unterzeichnet am 30. April den Vertrag zur Produktion von grünem Wasserstoffauf dem Flugplatz Zerbst
Foto: Thomas Kirchner