Zerbst l „Wir sind stolz auf den Gründerpreis. Es ist eine gehörige Anerkennung für unsere bisherigen Leistungen und Ansporn für die Zukunft“, sagt Andreas Flöter. Auch sein Sohn Lukas Bergholz strahlt übers ganze Gesicht, wenn er an die Auszeichnung denkt, mit der die beiden Zerbster so gar nicht gerechnet hatten. Erst Anfang Mai gründeten sie die Gesellschaft für additive Fertigung mbh, kurz GAF.

„Wir hatten schon länger im Sinn, gemeinsam was aufzubauen und zu schaffen“, blickt Lukas Bergholz zurück. Bei ihren Gedankenspielen, in welche Richtung es gehen könnte, stießen sie auf den industriellen 3D-Druck. Intensiv beschäftigten sie sich mit dem innovativen Verfahren, bei dem Material Schicht für Schicht aufgetragen wird und so dreidimensionale Gegenstände entstehen. „Das haben wir dann als unser Thema entdeckt“, schildert der 23-Jährige, wie alles ins Rollen kam. Inzwischen wurde aus der Idee, Formteile, Gehäuse oder Maschinenelemente für den Werkzeug- und Vorrichtungsbau aus faserverstärktem Kunststoff zu produzieren, Realität.

Nicht nur Produktion, auch Beratung

In Bayern und Baden-Württemberg fanden Vater und Sohn ihre ersten Kunden. Nun wollen sie die additive Fertigung, sprich den industriellen 3D-Druck, auch in ihrer Heimat etablieren. „Wir sehen uns da, Pionierarbeit leisten“, bemerkt Lukas Bergholz. So reicht ihr Service-Angebot nicht nur von der Konstruktion bis hin zur Produktion. Es umfasst ebenfalls die Beratung, was mit dem modernen 3D-Druck alles möglich ist und welche Vorteile das Fertigungsverfahren bietet.

„Wir sparen Material, da wir nur das verbrauchen, was tatsächlich für ein Teil benötigt wird“, erläutert Andreas Flöter. Weder Späne noch Abfall fallen an, weil nichts weggesägt oder weggefräst werden muss, wie der 51-Jährige beschreibt. Und durch die Verstärkung des Kunststoffes beispielsweise mit Glasfaser oder Carbon „erreichen wir Materialwerte, wie sie beispielsweise Aluminium besitzt. Wir erreichen die gleiche Belastbarkeit, nur dass unsere Produkte leichter sind“, führt Lukas Bergholz aus.

Herstellung ist emissionslos

Ein weiterer Unterschied zur konventionellen Fertigung spiegelt sich am Standort des jungen Unternehmens am Stadtrand von Zerbst wider. Riesige Halle suchen Kunden hier vergeblich, vielmehr erfolgt die Herstellung der gewünschten Teile „ziemlich emissionslos in Büroatmosphäre“, wie es Lukas Bergholz ausdrückt. Nur wenige Quadratmeter groß ist der Raum, in dem die Druckfarm steht, in der Einzelfertigungen und auch Kleinserien bis zu 500 Stück Gestalt annehmen.

Gleich nebenan befinden sich zwei Schreibtische und ein Schrank, auf dem zwischen Zahnrädern, Spannbacken und Robotergreifern der „Gipfelstürmer“ seinen vorläufigen Platz gefunden hat. Es ist die bronzene Auszeichnung für den Sieg beim Wettbewerb um die erfolgreichsten Existenzgründungen in Anhalt-Bitterfeld 2019. Gegen 17 Mitbewerber haben sich Vater und Sohn am Ende durchgesetzt und die unabhängige Jury überzeugt. Nun hoffen sie, dass sich ihre Firma am Markt etabliert.

Firma noch in den Kinderschuhen

Noch steckt die GAF in den Kinderschuhen. So arbeitet Andreas Flöter nach wie vor in Teilzeit in der Zerbster Maschinenfabrik. Als Leiter für interne Logistik ist der gelernte Elektriker dort tätig. Unterdessen hat Lukas Bergholz zunächst eine Ausbildung als Industriekaufmann abgeschlossen. Momentan absolviert er ein Konstrukteursstudium, um sich weitere Grundlagen für ihre neu gegründete Firma anzueignen. Eine Angestellte besitzen die Beiden bereits. Eine Industriedesignerin und Konstrukteurin verstärkt das familiäre Team bislang, das optimistisch in die Zukunft blickt.