Tag der offenen Tür

Grüne Oase: Bibelgarten an der Dorfkirche in Niederlepte lädt zum Verweilen und Entspannen ein

Ein Sommertag war am Sonntag im Niederlepter Bibelgarten zu erleben. Die Kirchengemeinde hatte eingeladen.

Von Petra Wiese
Im Bibelgarten von Niederlepte wächst und gedeiht es.
Im Bibelgarten von Niederlepte wächst und gedeiht es. Foto: Petra Wiese

Niederlepte - Es wäre der Aktionstag „Handwerk öffnet Gartentüren“ gewesen. In dem Rahmen wollte man in Niederlepte am vergangenen Sonntag  auch in diesem Jahr wieder in den Bibelgarten rund um die Dorfkirche einladen. Der gemeinsame Aktionstag war jedoch abgesagt, aber die Niederlepter hielten trotzdem an dem Termin des ersten Sonntags nach Pfingsten fest. Das Bibelgartenfest  soll schließlich Tradition werden. Ein großes Fest wurde coronabedingt natürlich nicht gefeiert. Trotzdem konnten einige Besucher an dem „Tag der offenen Tür“, wie Ortsbürgermeisterin und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Sylvia Rothe, die Veranstaltung umschrieb, begrüßt werden. „Schön, dass Sie hier sind“, ließ sie die Gäste wissen. Schon am Vormittag waren ein paar Interessenten da. Der Großteil kam jedoch am Nachmittag zum Gottesdienst. Den konnte Pfarrer Albrecht Lindemann bei schönstem Wetter Open Air abhalten. Musikalisch begleitete Thomas Kurth die Gemeinde. Dieser hatte übrigens  die neue Lüftungstür für die Kirche gebaut. Bei der alten Tür hatten die Vögel Wege in die Kirche hinein gefunden. Zu der neuen Tür hatten sich dann Lindemann und Kurth gemeinsam Gedanken gemacht, so dass diese jetzt keine Vögel mehr durchlässt und außerdem den Glaskunstfenstern nachempfunden ist. 

Zum Ende des Gottesdienstes übergab Pfarrer Lindemann das Wort an einen Ehrengast. Mit seinen 94 Jahren war Heinz Lischke noch einmal in seine alte Heimat und Wirkungsstätte zurückgekehrt. Heinz Lischke hatte 1954 seine Ordination in der Zerbster Bartholomäikirche erhalten und war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1992 Pfarrer in Niederlepte, Hohenlepte, Nutha, Badetz, Jütrichau und Wertlau gewesen.

Ehrengast kehrt in Heimat zurück

 „Ich habe mich mächtig gefreut, über das, was ihr hier auf dem Friedhof gemacht habt“, sagte er. Die Stätte der Erinnerung für die, die von uns gegangen sind, sei gleichzeitig eine Stätte der Hoffnung und Zuversicht. Er wollte die Gelegenheit nutzen, sich bei allen persönlich zu bedanken für den Reichtum an Erlebtem, der ihm zuteilgeworden ist. Auch den Pfarrhof hatte er noch einmal besucht, wo er seinerzeit in Niederlepte lebte. 

Das Bild des Dorfes ist ein anderes geworden, stellte er fest. Die Häuser seien bunt und persönlich gestaltet. Er erinnerte an DDR-Zeiten, als man sich um jeden Sack Zement bemühen musste. Man könne froh und dankbar sein, dass das vorbei ist und „dass wir unsere Ideen und Vorstellungen in der Gemeindearbeit verwirklichen können.“ Die Pandemie sei noch nicht überstanden, aber wir sind auf gutem Weg, meinte der Pfarrer im Ruhestand und schloss seine Ausführungen mit einem herzlichen Gott befohlen.

„Das, was hier geschaffen wurde, kann sich sehen lassen“, lobte auch Sylvia Rothe den immer weiter wachsenden Bibelgarten. Als Dreigestirn stehen Sylvia Rothe, Sandy Groh und Marietta Klüdtke hinter dem Projekt. „Den Löwenanteil hat Marietta Klüdtke“, lobte Sylvia Rothe deren Engagement. Sie sei fast täglich im Bibelgarten im Einsatz und mit Unterstützung ihres Mannes Peter Klüdtke aktiv. Für diese Saison konnte zum Beispiel ein neues Beet mit Pflanzen aus der Bibel angelegt werden. Dabei ist das Pflanzen an sich nur ein Teil der Arbeit. Beete werden eingefasst, Infotafeln erarbeitet und installiert, da gibt es Schilder für jede Pflanzenart und die ein oder andere Deko. 

Bibelgarten in Niederlepte ist wichtiger Treffpunkt

Immer mehr Beete bedeutet auch immer mehr Pflege. Auf dem Friedhof gibt es immer etwas zu tun, lud Sylvia Rothe ihre Mitbürger ein, auch mal zu helfen. „Der Bibelgarten ist schon etwas Besonderes“, findet sie, „etwas, was nicht jede Kirche hat, und auch die Leute anzieht, dass sie mal nach Niederlepte kommen.“ Hier lässt sich Zeit verbringen, mal auf die Bank setzen, verweilen. Für die Niederlepter, die vieles gemeinsam und ehrenamtlich machen, ein Treffpunkt gleichermaßen. 

Sandy Groh, die den Bibelgarten als Theologin betreut, stand am Tag der offenen Tür für Erläuterungen bereit. Den Psalm 23 „to go“ hatte sie vorbereitet. Zu den Versen konnte sich jedermann etwas mitnehmen - ob Teelicht, Bild oder einen Keks. „Da geht jeder mit einer Kleinigkeit nach Hause“, hatte sie damit schon gute Erfahrungen gemacht. Außerdem präsentierte sie die Brotbackkirche. Neben Infos gab es auch Brotbackmischungen oder Kostproben zum Mitnehmen. 

2019 wurde der Bibelgarten in Niederlepte ins Leben gerufen. Rund um den Themengarten sind seitdem auf dem Friedhofsgelände noch viele kleine Ecken entstanden, die Artenvielfalt fördern und die Lebensraum für Insekten und Kleinstlebewesen bieten. Da bringt Marietta Klüdtke einiges an Erfahrungen und Wissen ein. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten – ob auf großem Gelände, kleinen Grundstücken, in Kleingärten, hinterm Haus oder eben auf Friedhöfen – Inseln für Pflanzen- und Tierwelt zu schaffen. Ganz gezielt ließ sich jemand am Sonntag zum Beispiel die Benjeshecke auf dem Friedhof zeigen. Die lässt sich ganz leicht anlegen (siehe unten). 

Beim Gottesdienst sprach Heinz Lischke als Ehrengast ein paar Worte.
Beim Gottesdienst sprach Heinz Lischke als Ehrengast ein paar Worte.
Foto: Wiese
Psalm 23 to go - ein Angebot für die Besucher beim Tag der offenen Tür.
Psalm 23 to go - ein Angebot für die Besucher beim Tag der offenen Tür.
Foto: Wiese