Zerbst l Ein möglicher Investor für den ehemaligen "Kreml" ist abgesprungen. Mike Schrader zog sein Kaufangebot zurück. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) erfuhr Dienstag von dem Angebotsrücktritt. Der Magdeburger Bauunternehmer hatte ein Angebot für den Kauf des ehemaligen Zerbster Kremls beim Landkreis unterbreitet, um der Zerbster Tafel das Zuhause zu sichern. Mittlerweile hatten Schrader und die Diakonie als Zweitbieter Konzepte für das Objekt vorgestellt. Nun der überraschende Rückzieher.

Zu den konkreten Gründen, warum er sich so plötzlich aus den Verhandlungen mit dem Landkreis über den Kauf des Gebäudes in der Jeverschen Straße 42 zurückgezogen hat, wollte der Bauunternehmer Mike Schrader auf Volksstimme-Nachfrage nichts sagen.

In einem Schreiben vom 4. September von Mike Schrader an den Landkreis, das der Redaktion vorliegt, heißt es nur: „Auf Grund der jüngsten Ereignisse sehen wir uns leider veranlasst, von unserem Kaufpreisangebot für das Objekt „Villa Musik und Kunst", Jeversche Straße 42, zurückzutreten." Sie seien sehr enttäuscht, wie mit der Tafel und der Kindertafel sowie mit Investoren umgegangen werde. Man hoffe, dass der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die Stadt Zerbst einen Ausweichort finden, damit die wichtige Arbeit fortgesetzt werden kann.

Konzept erst vorgestellt

„Meine Frau und ich sowie die Mitarbeiter der Firma Schrader Haus werden auch weiterhin die Kindertafel und die Tafel in Zerbst nach unseren Möglichkeiten unterstützen", heißt es in Mike Schraders Schreiben.

Noch Ende August haben die Bieter ihre Konzepte und Pläne für den Gebäudekomplex persönlich im Finanzausschuss des Kreistages erläutert, auch Mike Schrader. Nach Volksstimme-Informationen hat es bei der anschließenden Abstimmung ein Patt gegeben. Daraufhin wurde der Verkauf der ehemaligen „Villa Musik und Kunst", hier saß zu DDR-Zeiten die SED-Kreisleitung,  an den Zerbster Stadtrat verwiesen.

Reaktionen

Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann reagiert überrascht: „Ich verstehe die prompte Reaktion gerade nicht, denn mit dem Votum vom Stadtrat, der dem positiv gegenüber steht, wäre ein Erwerb für ihn sehr wahrscheinlich geworden.“ Deshalb hatte der Stadtchef noch am gleichen Tag den Kontakt zu Schrader gesucht – allerdings vergebens. In einer E-Mail an den Magdeburger schreibt er: „Aus Gesprächen mit verschiedenen Vertretern der Stadtratsfraktionen habe ich entnommen, dass es viel Sympathie für Ihr Konzept gibt. Insofern wäre Ihr Rückzug von Ihrer Initiative das falsche Signal zur falschen Zeit, da das Votum der Stadt Zerbst maßgebend für den Landkreis wäre, wie mir der Landrat versicherte.“ Bisher gibt es seitens Schrader keine Reaktion darauf.

Was Schraders konkrete Gründe sind, bleibt unklar. Gründe beim Ablauf der Angebotsabwicklung beim Landkreis kann Dittmann nicht unterstützen. „Vielleicht nicht optimal gelaufen, aber der Landkreis hat es sich nicht leicht gemacht, was bei so einem Objekt auch gut ist.“ Wenn es jetzt zu einem Verkauf an die Diakonie käme, müsste die Zerbster Tafel über Kurz oder Lang das Objekt verlassen. Was dann, fragte die Volksstimme den Bürgermeister. „Wir haben kein passendes Objekt in der Verwaltung, das wir der Tafel anbieten können.“

Ideen für die Tafel

Er könnte sich ein Zusammenbringen mit dem VHS Bildungswerk vorstellen. Doch das Objekt gehört auch dem Landkreis. „Ich habe die Idee dort auch schon mal in der Verwaltung anklingen lassen“, verriet er.

Die Nachricht von Schraders Rückzug hat auch bei der Tafel wie die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen. „Wir sind fix und fertig. Ich habe die ganze Nacht keine Auge zu gemacht“, sagt Tafel-Chefin Ute van Tulden. Ähnlich äußert sich Birgit Btandtscheit, Leiterin der Kindertafel. „Ich muss das erstmal verdauen. Auch ich hatte eine schlaflose Nacht.“ Einig sind sich die engagierten Frauen in einem: „Wir danken den Schraders sehr für ihre Hilfe. Im Moment wissen wir nicht wirklich wie und wo es weitergehen soll.“

Der Landrat war am Tag der Nachricht zu dem Thema nicht zu erreichen. Eine Einschätzung und auch ob es ein Alternativobjekt für die Tafel gäbe, bleibt damit offen.