Das Volksstimme-Heimatfoto-Rätsel führt in dieser Woche in die Lange Straße nach Bornum

In Igelit-Schuhen über die Wiese zur Schule

Von Petra Wiese

Passend zum 800-jährigen Bestehen der Dörfer Bornum und Trüben führte in dieser Woche auch das Heimatfoto-Rätsel nach Bornum. Alle Anrufer haben das ehemalige Schulhaus von Bornum erkannt.

Bornum l "Da geht einem schon das Herz auf, wenn man das Foto sieht", meinte Rosa-Maria Baier, als sie anrief, um das Heimatfoto-Rätsel zu lösen. "Ich bin acht Jahre da zur Schule gegangen", erzählte sie. Das war von 1948 bis 1956. Die 1. bis 4. Klasse wurde zusammen unterrichtet. Das funktionierte damals sehr gut, fand nicht nur Frau Baier, sondern auch die aus Bornum stammende Ingetraud Schulze (60): "Wir waren alle brav und lieb."

"Wir hatten noch Respekt vor den Lehrern", so Rosi Baier, die bis 1961 in Bornum gewohnt hat weiter. "Wir hatten gute Lehrer", erinnerte sie sich an Pentz und Poschke, aber auch strenge. Einer hatte immer Kreide in der Hand und warf diese, wenn jemand nicht spurte. Derjenige musste die Kreide dann nach vorne bringen und durfte sich was hinter die Ohren abholen, erzählte die Zerbsterin. Auch sie selbst bekam die Ohren langgezogen, wenn sie zuviel mit dem Nachbarn schlabberte. "Es sind schöne Erinnerungen, waren schöne Zeiten", so die Seniorin, die an diesem Wochenende auf jeden Fall zum Dorffest nach Bornum fahren will.

Von 1948 bis 1950 ging auch Lieselotte Richter (77) aus Bonitz in Bornum zur Schule. Die gebürtige Mühlsdorferin erinnerte sich beispielsweise an die Lehrer Schmidt und Poschke. Zum Lehrer Pentz habe ich heute noch Kontakt, meldete sich Volkmar Polzin. Die hinteren vier Fenster, die waren sein Klassenraum. "Acht Jahre habe ich die Grund- und Zentralschule von Bornum besucht", sagte der 72-jährige Trübener, der seit 1963 in Zerbst wohnt. Da habe er das Haus sofort erkannt. "Es war eine schöne Schulzeit", befand er. Im Haus gegenüber war der Pionierraum, da wurde gemalt und gebastelt. "Von Trüben nach Bornum zur Schule sind wir jeden Tag gelaufen", so Polzin. Der Schulweg führte über die Wiese. Und was trug man an den Füßen? - Igelit-Schuhe.

Die Bornumer Schule identifizierte auch Olaf Kaiser aus Zerbst eindeutig. Ich stamme von Bornum, sagte er, das Rätsel war also eine leichte Übung. Auch das Gemeindebüro war in dem Haus. Mein Klassenlehrer Günther Plath wohnt heute noch da, erklärte Kaiser. Er hatte Plath in der Dobritzer Grundschule von der 5. bis zur 10. Klasse.

"Ich habe in dem Haus gewohnt", meldete sich Peter Bürkner aus Zerbst am Lesertelefon. Sein Vater war Lehrer in der Schule von 1937 an. Als er 1941 fiel, machte die Mutter weiter. Peter Bürkner kam also bei seiner Mutter in die 1. Klasse. Auch die sowjetische Kommandantur war in dem Haus untergekommen.

Bürkner kann sich an einige Begebenheiten aus seiner Kindheit in Bornum erinnern, zum Beispiel, wie er Munition sammelte und in der Jauchengrube "entsorgte" oder, wie er einmal von den Russen "entführt" wurde. Er habe immer zugeschaut, was die Soldaten machten, da haben die ihn kurzerhand eingesackt und auf eine Fahrt nach Herzwinkel mitgenommen, ohne dass zu Hause jemand wusste, wo das Kind abgeblieben war. Nach dem Ausflug wurde er unversehrt wieder daheim abgesetzt.

Auch habe er sich einmal mit einem Holzgewehr neben einen bewaffneten Posten vor das Haus gestellt. "Der fand das aber gar nicht lustig", erinnerte sich Bürkner. Noch ein Bornumer Schüler ist Kurt Ströber. Der 83-Jährige war zeitig am Morgen der erste - vorfristige - Anrufer zum Heimaträtsel. Als gebürtiger Bornumer besuchte er, wie auch seine Schwester und sein Bruder die Schule. "Das war acht Jahre meine Schule", so Ströber.

Zur Geschichte der Schule in Bornum - schließlich hat das Dorf eine 325 Jahre alte Schulhistorie von der Erwähnung des Schulbetriebes 1645 bis zur Schließung 1971 - gibt es derzeit auch einiges zu erfahren in der Jubliäumsausstellung im Bornumer Pfarrhaus. Da finden sich nicht nur die Liste der Lehrer sondern auch jede Menge Klassenfotos aus früheren Zeiten. Die Ausstellung ist heute und morgen noch von 14 bis 17 Uhr zugänglich.

Der Gewinn vom Heimatfoto-Rätsel dieser Woche - eine Sporttasche - geht an Peter Bürkner, der sich die Tasche in der Volksstimme-Redaktion auf der Alten Brücke abholen kann.