Stetiger Betrieb im Hallenbad

In Zerbst findet trotz Corona regelmäßig der Schwimmunterricht statt

Sicher schwimmen können gilt laut Lehrplan als lebenserhaltende Kernkompetenz. In Zerbst gibt es derzeit drei Lehrerinnen, die Grundschülern das Schwimmen beibringen – auch in Corona-Zeiten. Zugleich ist dringend benötigter Nachwuchs in Sicht.

Von Daniela Apel
Jede Woche findet in der Zerbster Schwimmhalle der Schwimmunterricht für die Grundschüler – hier Mädchen und Jungen aus Lindau – statt.
Jede Woche findet in der Zerbster Schwimmhalle der Schwimmunterricht für die Grundschüler – hier Mädchen und Jungen aus Lindau – statt. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Immer weniger Kinder lernen richtig Schwimmen. Das ist die traurige Bilanz, die die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Anfang März zog. Es handelt sich um eine alarmierende Entwicklung. Längst gebe es aufgrund fehlender Bäder nicht mehr überall die Möglichkeit, dem Nachwuchs Schwimmen beizubringen, wie DLRG-Präsident Achim Haag bei der damaligen Pressekonferenz ausführte.

In Zerbst schaut das zum Glück noch völlig anders aus. Hier betreiben die kommunalen Stadtwerke trotz der jährlich auszugleichenden Defizite nach wie vor eine Schwimmhalle. „Und trotz Corona konnten wir den Schwimmunterricht mit den Grundschulklassen problemlos durchführen“, freut sich Annette Rommel. Die Sport- und Mathematiklehrerin der Güterglücker Förderschule ist ebenfalls Schwimmkoordinatorin im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Zusammen mit den beiden Schwimmlehrerinnen Andrea Stein (Grundschule Dobritz) und Uta Richter (Zerbster Grundschule „An der Stadtmauer") steht sie jede Woche am Beckenrand, um dem Nachwuchs beizubringen, wie man sicher durchs Wasser gleitet. Von Montag bis Freitag sind die Frauen im Einsatz. Zwischen 8 und 13 Uhr findet täglich der Schwimmunterricht statt.

Trotz Schließung darf Hallenbad genutzt werden

Gut 450 Mädchen und Jungen tauchen dabei regelmäßig ins angenehm warme Nass des Hallenbades ab, wie Annette Rommel erzählt. Dabei handelt es sich nicht nur um Zweit- und Drittklässler der Grundschulen in Zerbst und seinem Umland. Auch aus Gommern und Loburg sowie Jeber-Bergfrieden, Klieken und Bad Belzig kommen sie, um hier Schwimmen zu lernen.

Und das auch jetzt, wo die Schwimmhalle wegen der Öffnung des Zerbster Erlebnisbades für die Öffentlichkeit wieder geschlossen ist. „Bis zu den Sommerferien dürfen wir drin bleiben“, ist Annette Rommel froh über das Angebot der Stadtwerke. Das wird dringend benötigt, um den Rückstand aufzuholen, der durch die zwischenzeitliche Aufhebung der Schulpflicht und des Wechselunterrichts oder auch durch pandemiebedingte Schulschließungen dennoch entstanden ist.

Erst Rettungsschwimmer, dann Schwimmlehrer

Annette Rommel ist allerdings zuversichtlich. Selbst Kinder mit keinen Vorkenntnissen würden das Seepferdchen schaffen. „Das ist aber noch kein Freischwimmschein“, betont sie. Das Ziel, das sie mit fast allen erreichen, sei deshalb das Schwimmabzeichen. Viele schaffen Bronze, einige sogar Silber, berichtet sie nicht ohne Stolz.

Glücklich ist Annette Rommel ebenfalls, dass sich während des Gespräches mit der Volksstimme neben den Zweitklässlern aus Lindau ebenfalls zwei junge Frauen im großen Becken aufhalten. Die beiden Zerbsterinnen wollen künftig nicht nur Mathe, Deutsch und Sport an einer Grundschule ihrer alten Heimat unterrichten, sondern auch als Schwimmlehrer arbeiten. „Davon gibt es nicht so viele“, begründet Sara Albert, warum sie sich um diese Zusatzausbildung bemüht hat. „Und das macht Spaß", ist Luzie Neumann überzeugt.

Um tatsächlich wie Annette Rommel und ihre Kolleginnen künftig am Beckenrand stehen und Kindern Brust- und Rückenschwimmen beizubringen, müssen die zwei das Rettungsschwimmabzeichen ablegen. Dazu verhilft ihnen Peter Zschoch in seiner Freizeit, und zwar in seiner ehrenamtlichen Funktion als Ausbilder bei der DLRG in Wittenberg. Beruflich ist er als Schwimmmeister bei den Zerbster Stadtwerken angestellt.

Sara Albert (vorn) und Luzie 
Neumann lassen sich neben ihrem Lehramtsstudium derzeit zu Schwimmlehrern ausbilden.
Sara Albert (vorn) und Luzie Neumann lassen sich neben ihrem Lehramtsstudium derzeit zu Schwimmlehrern ausbilden.
Foto: Daniela Apel