Trampelpfad nur Notlösung

In Zerbst hoffen die Anwohner der Weizenberge-Siedlung auf einen Gehweg

Vor über 40 Jahren wurden die ersten Eigenheime südlich der Marcellstraße errichtet. Was bis heute fehlt, ist ein Fußweg, der in die Zerbster Wohnsiedlung „Weizenberge“ hineinführt. Anwohner setzen sich deshalb für die Befestigung eines Trampelpfades ein.

Von Daniela Apel
Mehrere Anwohner der Weizenberge-Siedlung fanden sich an dem schmalen Trampelpfad ein, der entlang des Walls zur Bundesstraße 184 am Spielplatz vorbei in die Eigenheimsiedlung führt und als Rad- und Fußweg befestigt werden soll.
Mehrere Anwohner der Weizenberge-Siedlung fanden sich an dem schmalen Trampelpfad ein, der entlang des Walls zur Bundesstraße 184 am Spielplatz vorbei in die Eigenheimsiedlung führt und als Rad- und Fußweg befestigt werden soll. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Anfang der 1980er Jahre fiel der Startschuss zur Bebauung der Zerbster Weizenberge-Siedlung. Südlich der Marcellstraße entstanden da nach und nach parallel zur B 184 immer mehr Eigenheime - knapp 100 sollten es werden. Die Zufahrt erfolgt einzig über die Richtung Wasserturm führende namensgebende Straße Weizenberge. Diese verfügt allerdings bis heute über keinen Gehweg. Fußgänger wählen deshalb meist die Route über die Grünfläche zwischen dem Wall zur Bundesstraße und den Häusern, um zu den einzelnen Querstraßen der Siedlung zu gelangen. Auch Radfahrer nutzen den mit der Zeit entstandenen Trampelpfad.

Alfred Schildt (Die Linke) regte Anfang Juni im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss an, zu prüfen, inwiefern dieser Pfad befestigt werden könnte und was dies kosten würde. Und das nicht, weil er selbst dort ein Eigenheim besitzt, sondern im Interesse der Anwohner, die sich nun mit ihm vor Ort trafen, um ihr Anliegen zu unterstreichen. Zugleich reagierten sie damit auf den Leserbrief von Rainer Frankowski, der eine andere Priorität sieht, als einen Trampelpfad zu befestigen, der nur dort entsteht, wo der Planer versagt habe.

Viele nutzen den Trampelpfad

„Der Vorschlag in allen Ehren, aber solange die Anwohner der Weizenberge seit mindestens 40 Jahren noch heute auf einen Fußweg warten (...) und sich beim Verlassen ihrer Häuser fast die Beine brechen, ist dieser Vorschlag ein genialer Schildbürgerstreich“, meinte der Zerbster. Neben der Häufigkeit der Nutzung, die er zu bedenken gab, wies Frankowski zudem auf den vorhandenen Geh- und Radweg entlang der B 184 hin.

Allerdings führt dieser eben weit an der Siedlung vorbei und nicht in diese hinein. Um aus Richtung Lusoer Straße oder dem Gewerbegebiet Frauentormark zu Fuß zu den Eigenheimen zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten. Neben dem einst von den Anwohnern selbst geschaffenen Durchgang oberhalb der Tankstelle handelt es sich da um die Ampelkreuzung, die jedoch im Nichts mündet, wie es Artur Beck ausdrückte. Nach all den Jahrzehnten gebe es immer noch keine befestigte Zuwegung hin zu den Wohnhäusern.

„Da sind Gedanken, die auf eine Verbesserung der Situation abzielen, unbedingt angebracht und Leistungen im Sinne der Bürger berechtigt einzufordern statt in Frage zu stellen. Schließlich würde damit der tatsächlich nach praktischen Erfordernissen entstandene und täglich vielfach frequentierte ,Hilfsweg' mit vergleichsweise geringem Aufwand legalisiert und durch Befestigung dauerhaft sicher nutzbar gestaltet“, erklärte Artur Beck. Er sprach damit stellvertretend für die Anwohner der Siedlung, von denen sich knapp 20 mit Alfred Schildt trafen und zwar am dortigen Spielplatz.

Barrierefreie Zuwegung ist das Schlagwort

Allerdings sind es längst nicht nur Erwachsene, die mit ihren Kindern zum Schaukeln und Rutschen wollen, oder Jugendliche, die hier Fußball spielen, die den Trampelpfad nutzen, sondern ebenfalls Spaziergänger, Besucher oder auch die Kleingärtner der angrenzenden Sparten. Und natürlich die Bewohner der Siedlung selbst auf dem Weg zum Einkaufen oder in die Stadt, wie die Anwesenden betonten.

Aus ihrer Sicht ist es endlich an der Zeit, das Wohngebiet auch für Fußgänger vernünftig zu erschließen und barrierefrei zugänglich zu machen. Denn die Altersstruktur der Eigenheimbesitzer ist inzwischen recht hoch und der unbefestigte Pfad ungeeignet für Rollatoren, erst recht für Rollstühle - aber auch für Kinderwagen. Ganz allmählich findet nämlich ein Generationswechsel statt und junge Familien ziehen in die Siedlung.

Bereits vor drei Jahren sei er schonmal beim Bürgermeister gewesen und habe die Problematik angesprochen, sagte Artur Beck. Mit der Aussage, es sei kein Geld da, war die Angelegenheit jedoch schnell erledigt, wie er erzählte. Nun hoffen er und die anderen Anwohner, „dass die angedachte Maßnahme im praktisch notwendigen Umfang zielgerichtet umgesetzt wird“.

Was würde ein Gehweg kosten?

Alfred Schildt informierte, dass die Verwaltung eine Kostenschätzung für das Anlegen eines Fuß- und Radweges erarbeiten soll. Bis zur nächsten Sitzung des Bauausschusses am 6. Juli soll diese vorliegen und zwar zunächst für den Abschnitt von der Ampelkreuzung und der ersten Querstraße, den Lerchenbergen. „Optimal wäre natürlich, den Weg ganz durchzuziehen“, bemerkte Schildt mit Blick auf den deutlich weiter führenden Trampelpfad.

Was bislang offen blieb, sei die Finanzierung, teilte er mit. So sei noch nicht zu klären gewesen, ob die Befestigung des Trampelpfades als Erschließung gelte. In diesem Fall wären die direkten Anlieger mit 90 Prozent an den Kosten beteiligt.