Jütrichau l Thomas Lehmann wohnt in Jütrichau. „Laut Aussage der Stadt Zerbst ist dieser Ortsteil bereits vollständig an das schnelle Internet angeschlossen. Trotzdem habe ich keine Möglichkeit, mich mit schnellem Internet versorgen zu lassen“, sagt Lehmann. Doch auch andere Jütrichauer, die bereits über schnelles Internet verfügen, haben Probleme. Denn von schnell sein, kann keine Rede sein, das Jütrichauer lahmt gewaltig.

„Die Telekom bietet maximal eine Leitung mit 16 MBit/s an, wovon aber nur maximal 6 MBit/s tatsächlich im Haus ankommen. Die MDDSL (Mitteldeutsche Gesellschaft für Kommunikation Magdeburg) hat laut eigener Aussage den kompletten Ortsteil mit den Leitungen für schnelles Internet ausgebaut, allerdings dürfen sie nur die Hälfte des Ortsteils damit versorgen. In dem Teil, in dem ich wohne, ist MDDSL nicht verfügbar“, erklärt Lehmann. Laut MDDSL gebe es scheinbar Lizenzstreitigkeiten mit der Telekom. Die Stadt habe den Ort bei der Beauftragung in zwei Teile geteilt.

Lizenzstreitigkeiten stecken hinter Problem

„Wie kann es sein, dass so ein kleiner Ort in zwei Teile geteilt wird und somit nur ein Teil vom Ausbau profitiert und der Rest nicht? Und wie kann es sein, dass die Stadt erzählt, Jütrichau vollständig ausgebaut zu haben, obwohl das nicht der Fall ist? Gibt es eine Chance, dass die Lizenzstreitigkeiten geklärt werden und somit auch der Rest des Ortes angeschlossen wird?“, will Lehmann wissen.

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Er befürchte, da es sich nur um eine sehr geringe Anzahl an Haushalten handelt, dass niemand, weder die Stadt, die Telekom noch MDDSL wirkliches Interesse daran hat, dass das Problem gelöst wird und er und die anderen Haushalte weiterhin nur mit gelähmten Internet surfen können.

Telekom sei verantwortlich

„Die Telekom hatte keinen Auftrag zum Ausbau im Ortsteil Jütrichau. Es gibt keine Teilung des Ortes, siehe hierzu auch die Bestandsbandbreiten unter www.telekom.de/sachsen-anhalt. Lizenzstreitigkeiten sind uns keine bekannt. Den Ausbauvertrag für den Ortsteil Jütrichau muss die beauftragte Firma umsetzen“, wiegelt Telekom-Sprecher Georg von Wagner zunächst ab.

MDDSL-Geschäftsführer Andreas Riedel schiebt den schwarzen Peter zurück an die Telekom: „Bitte die Fragen an die Telekom adressieren, dieser Teil von Jütrichau ist nach meinem derzeitigen Stand Gebiet der Telekom und demzufolge dürften wir den nicht anschließen. Wir haben von den beiden Kabelverzweigern nur einen anschließen dürfen“, schreibt Riedel.

Kampf um einen Anschluss

Telekom-Sprecher von Wagner bleibt auf Nachfrage dabei: „Wir bauen dort nicht aus“, räumt aber ein: „Ein Netzbetreiber hat nach unseren Informationen eine Mitnutzung des grauen Kastens, der diese Person versorgt, beantragt. Ich kann Ihnen aber weder sagen, welche Firma das ist, noch, wie weit das Verfahren ist.“ Der Telekom-Sprecher gehe allerdings davon aus, dass dieser Netzbetreiber, sobald die Mitnutzung durch die Bundesnetzagentur genehmigt worden ist, die potentiellen Kunden via Werbung auf sein Angebot aufmerksam machen werde.

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ist das Problem bekannt. „In Jütrichau ´kämpft´ die MDDSL mit der Telekom um einen Anschluss beziehungsweise die Einbindung an einen Telekomschaltschrank. Rechtlich ist alles geklärt und ist ´nur´ noch ein Problem der Ausführung, wir haben insoweit den notwendigen Druck auf alle Beteiligten ausgeübt, vermutlich fehlt es gerade an einem Techniker“, so Dittmann auf Nachfrage.

Nur 20 bis 40 Mbit/s statt 50 kommen an

Jetzt räumt auch der MDDSL-Geschäftsführer das Gezerre um den Schrank ein. „Es dauert eben etwas bei den Kollegen, da ja vorher der Schrank für Vectoring der Telekom falsch eingetragen wurde. Die Kunden müssen leider warten, sind aber sehr, sehr wenige. Wir hoffen, dass wir noch 2020 damit durch sind, wenn die Telekom die Schaltung vorgenommen hat“, erklärt Andreas Riedel.

Doch es gibt ein weiteres Problem, wie Ortsbürgermeister Denis Barycza gegenüber der Volksstimme deutlich macht. „Laut Ausschreibung und Auftrag für den Ausbau muss für Privatkunden eine Bandbreite von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung gestellt werden. Bei den vielen Kunden kommen aber nach deren Angaben und Messungen nur zwischen 20 und allerhöchstens 40 Mbit/s an“, moniert Barycza.

Jens Wernecke und Lars Stock können ein Lied davon singen. „Die zugesicherte Bandbreite von 50 Mbit/s kommen bei gar nicht an. Dazu kommen mehrmals täglich Totalausfälle des Internets“, ärgert sich Wernecke. Lars Stock nickt zustimmend. „Das allerhöchste, was ich gemessen habe, sind 40 Mbit/s. Die Regel sind allerdings eher nur um die 20 Mbit/s“, springt Lars Stock Jens Wernecke zur Seite.

Fehlender Kabelverzweiger ist schuld

Das stellt Andreas Riedel in Abrede, zumal ein Kabelverzweiger in Jütrichau noch nicht fertig gestellt sei. „Die Messung muss per Kabel an der Fritzbox erfolgen, WLAN-Netze in Haus bringen nicht die Bandbreite. Nach unseren Unterlagen gibt es momentan nur einen Kunden, wo die Bandbreite zu gering ist, dass klären wir derzeit. Er wohnt am Ortsrand, fast im Wald“, widerspricht Riedel. Es seien bereits Bandbreitenmessungen erfolgt. „Bei einem Kunden wurden sogar bei 1350 Metern Kabellänge vom Verzweiger 55 Mbit/s gemessen“, so der Geschäftsführer der MDDSL.

Im städtischen Bau- und Liegenschaftsamt kennt man das Problem, wie Amtsleiterin Heike Krüger und ihr Stellvertreter Philip Mähler auf Nachfrage bestätigen. „Wenn der fehlende Kabelverzweiger angeschlossen ist, sollte sich das Problem mit den zu geringen Bandbreiten erledigt haben“, sagt Krüger.

Mängel müssen bis Jahresende behoben sein

In Jütrichau sei zwar schon die Abnahme des ausgebauten Netzes erfolgt, aber: „Alle festgestellten Mängel müssen bis zum Jahresende abgestellt sein. Im Übrigen müssen die vertraglich vereinbarten 50 Mbit/s für Privatkunden auch bereitgestellt werden, das ist Bestandteil der Förderrichtlinie“, betont Philip Mähler.