Zerbst l Nervös werden Plüschtiere durchgeknetet, während sich die ersten sanft eine Träne aus dem Auge wischen. An keinem scheint die Jugendweihe spurlos vorbeizugehen. Im Gegenteil. Stolz und glücklich verfolgen Eltern, Großeltern und Geschwister das emotionale Geschehen in der Zerbster Stadthalle, gespannt blicken die Achtklässler ihrem Auftritt entgegen. In schmucken Kleidern und adrett im Anzug warten die Jugendlichen auf den Moment, in dem sie auf die Bühne des Katharina-Saals gerufen werden und sich mit dem Wegwurf ihres mitgebrachten Plüschtieres symbolisch von der Kindheit verabschieden.

Zahlen sind konstant

Insgesamt 137 Mädchen und Jungen nehmen am Sonnabend an der von der Interessenvereinigung Jugendweihe organisierten Veranstaltung teil. „Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren in etwa gleich geblieben“, freut sich Susanne Bettführ, Geschäftsstellenleiterin für die Region Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau, über die konstante Nachfrage. Drei Durchgänge gibt es nacheinander für die Achtklässler der Ganztagsschule Ciervisti, des Gymnasiums Francisceum und der Schule am Heidetor in Zerbst sowie der Güterglücker Förderschule.

Unter der Leitung von Eckhard Straube erleben die aufgeregten jungen Hauptdarsteller zusammen mit ihren Familien ein abwechslungsreiches Programm. Während Marko Gaube gefühlvoll die Finger über die Tastatur des Pianos gleiten lässt, berühren Carolin Schreck und Martin Zimmermann die Zuhörer mit ihrem ausdrucksstarken Gesang. Mal weich und zurückhaltend, dann wieder kraftvoll und mitreißend sind ebenfalls die Choreografien der Tänzerinnen des Showvereins „O‘Blue“.

Chancen und Risiken

Unterdessen kommt Bürgermeister Andreas Dittmann in seiner Festansprache auf bevorstehende Herausforderungen und Chancen zu sprechen, die stets mit Risiken und Gefahren verbunden sind, denen es gegenüberzutreten gilt. Er gibt den Jugendlichen mit auf den Weg, Verantwortung zu übernehmen und der eigenen Meinung treu zu bleiben, Individualität zu leben, ohne egoistisch zu sein, neugierig zu bleiben und uneigennützig für andere da zu sein. Er rät ihnen, nicht aufzuhören zu träumen und ein stückweit das Kind in sich zu bewahren. „Ein bisschen Peter Pan darf ein Leben lang in uns stecken“, findet Dittmann.

Darüber hinaus ermutigt er die Achtklässler für ihre Überzeugungen einzutreten, indem er in seiner Rede auf die Bewegung „Fridays for Future“ zu sprechen kommt. In mittlerweile 110 Ländern würden Jugendliche jeden Freitag für die Chance auf eine eigene Zukunft demonstrieren. „Wir sollten sie ernst nehmen“, meint der Bürgermeister. Zugleich animiert er die Achtklässler, sich in Schule und Beruf das Rüstzeug zu holen, um es besser zu machen als die jetzigen Entscheidungsträger.

Besondere Verantwortung

Erwachsensein ist kein Spaß, sondern mit Verantwortung verbunden, wie Dittmann verdeutlicht. Eine Verantwortung, die Helén Sieling und Felix Buschner stellvertretend für ihre Jahrgangsstufe gern annehmen. Daneben danken die Achtklässler allen, die sie auf ihrem bisherigen Weg begleitet haben. Nun, da ein neuer Lebensabschnitt vor ihnen liegt und ihre Kuscheltiere bald neue Freunde finden, wenn sie bedürftigen Kindern gespendet werden.