Zerbst l „Millionen in Zerbst verbaut, dann geschlossen, das nennt man Heliossen!“, so lautet das diesjährige Motto der rot-weißen Karnevalisten in Zerbst. Die Schließung der Entbindungsstation in der Stadt konnte nicht ohne einen Widerhall in der fünften Jahreszeit bleiben. Entsprechend des Mottos waren einige Gäste der ersten Prunksitzung passend in Krankenhauskleidung erschienen.

Senatorenkarneval eröffnet 41. Session

Mit dem sogenannten Senatorenkarneval starteten die Jecken in die 41. Session. Gleich zu Beginn nahmen sie vier neue Senatoren auf. Dazu stehen die bislang ernannten Senatoren Spalier. Mandy Baum, Kerstin Tzanis, Florian Sens und Annette Voßfeldt dürfen nun die Senatorenkappe tragen. Besonders familiär geriet die Ernennung von Annette Voßfeldt, denn ihr Mann nahm die Ehrung mit den Worten vor: „Hiermit ernenne ich dich, mein Schatz, zur Senatorin.“ Dazu schlug er den Ernannten symbolisch mit dem Rathausschlüssel auf die Schultern.

Die Senatoren bilden für die Karnevalisten das finanzielle Rückgrat. Seit der Einführung habe die Jeckentruppe davon nur profitiert und den Karneval bezahlbar gemacht, sagt Vorstand Christian Neuling. Die Beiträge der Senatoren sind so etwas wie der finanzielle Grundstock für die jährlichen Prunksitzungen.

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Krankheitsfälle

72 Kinder, Frauen und Männer sorgen auf und hinter der Bühne für den reibungslosen Ablauf des Programms. Krankheitsfälle reißen Lücken in die Truppe. So kann Präsident Dieter Mücke aus diesem Grund nicht seinen Platz im Elferrat einnehmen und durch die Sitzung führen. Dezimiert zeigt sich der Elferrat den ganzen Abend über auf der Bühne. Das fällt aber kaum auf. Das Prinzenpaar Andrea II. und Marcel I. sorgen für Stimmung auf der Bühne. Die ganzen viereinhalb Stunden des Programms machen sie mit, klatschen, wippen im Takt oder verleihen Orden an die tanzende Truppe.

Vier Büttenreden sind in das Programm eingebaut. Im ersten Teil machen Linda Tetzner und Lutz Voßfeldt gleich den Anfang. Seit Jahren stellen sie eine Situation in einem Büro im öffentlichen Dienst dar und ziehen eine lokale Bilanz. Zum Motto des Jahres passt dabei, dass Linda Tetzner im Juni ihr erstes Kind erwartet. Wo sie denn entbinden wolle, wird sie auf der Bühne gefragt. In Zerbst sei das ja im Krankenhaus nun nicht mehr möglich.

Sie werde nach Burg oder Magdeburg gehen, sagt sie nach ihrem Auftritt. Während der Schwangerschaft ist für sie Alkohol natürlich tabu. Damit habe sie keine Probleme. Die kleinen Fläschchen, die den ganzen Abend über immer wieder auch zu den Akteuren auf die Bühne gereicht werden, reicht sie gern weiter.

Auftritt von Frau Zinklatte

Es gibt viele Höhepunkte an dem Abend. Einer ist sicherlich der Auftritt von Frau Zinklatte. So nennt sich Reinhard Semtner, wenn er im Kleid auf die Bühne geht. Zunächst nimmt er das männliche Geschlecht auf die Schippe. Das funktioniert immer. Anschließend macht er sich über das Gesundheitssystem her. Auch hier hat er die Lacher auf seiner Seite.

Frivoler Rückblick

Die meisten Auftritte an dem Abend haben die Marktschreier zu bestreiten. Mehrfach sind sie auf der Bühne und begeistern das Publikum mit ihren Liedern. Das Programm steigert sich so bis zum Höhepunkt: dem Männerballett. Als Schlusspunkt vor dem Finale zeigen sich die Herren mit ihrer Nummer. Es geht dabei um einen frivolen Rückblick zweier älterer Herren. In ihren Träumen gehen sie noch einmal in ihre Jugend zurück und lassen die Puppen tanzen. Der Überraschungseffekt gelingt. Männer in Kleidern, die noch dazu tanzen, lässt das Publikum im Saal toben. Nach gut viereinhalb Stunden haben die Karnevalisten ihr Programm abgearbeitet. Doch nur bei der ersten Prunksitzung dauere es so lange, sagen sie. Noch am Freitag bei der Generalprobe waren sie bereits nach drei Stunden durch.

Die zweite Prunksitzung findet am 23. Februar und die dritte am 2. März statt. Dazwischen gibt es noch den Kinderkarneval.