Zerbst l Man fühlte sich tatsächlich um einige Hundert Jahre zurückversetzt. Wo das Auge auch hinschaute, Prinzessinnen und Prinzen am 26. Mai im Zerbster Schlossgarten. Die Stadt Zerbst hatte gemeinsam mit dem Internationalen Förderverein Katharina II. und anderen Vereinen zum 2. Prinzessinnenfest eingeladen.

Als Höhepunkt des höfischen Spektakels stand die Wahl, inzwischen die dritte, einer neuen Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst auf dem Programm des Festes. So hieß Katharina II, bevor sie zur Zarin gekrönt wurde.

Insgesamt fünf Bewerberinnen stellten sich zur Wahl, Emely Guth (14 Jahre), Svenja Reifarth (13), Cherine Boutaba (11), Friederike Beck (12) und Nina Dolezal (13). Eingangs stellten sie sich vor und erläuterten kurz, warum sie sich bewerben.

In einem waren sich die Mädels einig: Sie möchten dazu beitragen, dass sich mehr Leute, auch Jugendliche in ihrem Alter für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren und auch aktiv daran mitwirken, diese wechselvolle Geschichte nach außen zu tragen. Dafür ernteten die Teenager einen riesigen Applaus.

Als nächsten waren neun Fragen zu Katharina und zur Geschichte der Stadt Zerbst zu beantworten – unter anderem, wie viele Jahre Katharina Zarin war, in welchem Jahr das Denkmal eingeweiht wurde oder wie alt die Prinzessin war, als sie vermählt wurde. Auch hier schlugen sich die fünf Bewerberinnen hervorragend.

Äußerst knappe Entscheidung

Das war die Jury, bestehend aus Annegret Mainzer vom Internationalen Förderverein Katharina II., Antje Rohm, Kulturamtsleiterin der Stadt Zerbst, Caroline Hübner vom Förderverein Schloss Zerbst, Ursula Böttge vom Zerbster Heimatverein, Sabine Fahle von der Internationalen Fasch Gesellschaft und schließlich Heiner Donath, Leiter der Zerbster Fasch-Musikschule wirklich nicht zu beneiden.

Doch am Ende musste eine Entscheidung fallen. „Natürlich ist das Ergebnis äußerst knapp ausgefallen und ihr könnt euch alle als Gewinnerinnen betrachten“, tröstete Viola Tiepelmann, die den Festnachmittag moderierte die jungen Prinzessinnen, bevor sie die Platzierungen bekannt gab.

Platz 4 belegten gemeinsam Nina Dolezal und Cherine Boutaba. Auf Platz 3 schaffte es Emely Guth. Die neue Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst heißt Friederike Beck. Sie setzte sich vor Svenja Reifahrt durch, die Platz zwei belegte. Zuvor wurden die vielen kleinen Prinzessinnen und Prinzen, die im Kostüm zum Fest gekommen waren, mit kleinen Preisen geehrte.

Für Unterhaltung der vielen Festbesucher sorgten die Zerbster Fasch-Musikschule und der Bühnen-, Tanz- und Showverein O‘ Blue.

Neue Prinzessin reist nach Moskau

Die echte Prinzessin „Fieke“ brach im Januar 1744 auf gen Russland, heiratete 1745 den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch und wurde 1762 dann selbst zur Zarin von Russland gekrönt. Sie ist übrigens die einzige Herrscherin, der in der Geschichtsschreibung der Beiname „die Große“ verliehen wurde.

Jetzt, mehr als 250 Jahre später, könnte sich die frisch gekrönte Prinzessin im September erneut auf den Weg nach Russland machen.

„Die Organisatoren des Katharina-Balls in Moskau werben schon jetzt damit, dass der Bürgermeister der Stadt Zerbst und die neu gewählte Prinzessin zum diesjährigen Ball in Moskau begrüßt werden“, kündigt Andreas Dittmann schmunzelnd an.

Es sei zwar noch nicht einmal eine offizielle Einladung zum Katharina-Ball in Zerbst eingegangen, „aber wenn der Verband der deutschen Kultur in Russland bereits mit unserer Teilnahme wirbt, dürfte das ja nur noch reine Formsache sein“, so Dittmann.