Zerbst l Das Ergebnis des zweitägigen deutsch-russischen Wirtschaftsdialogs kann man in drei Punkten zusammenfassen. Erstens: Die Sanktionen, die die Vereinigten Staaten und die Europäische Union wegen der Annexion der Krim und des Krieges in der Ukraine gegen Russland verhängt haben, nutzen niemanden – weder der Politik und erst recht nicht der Wirtschaft – darin waren sich alle Teilnehmer des zweiten Zerbster Katharina-Forums einig.

Zweitens: Es gibt sie trotz aller Widrigkeiten noch, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen beider Länder. Nicht nur das. Die Wirtschaftsbeziehungen sollen und müssen in den Augen der Teilnehmer weiter ausgebaut werden. Und schließlich drittens: Der deutsch-russische Wirtschaftsdialog soll auch im kommenden Jahr in Zerbst fortgesetzt werden.

Katharina-Forum auch 2020

Beim letzten Punkt haben die Teilnehmer der Konferenz das Wirtschaftsministerium in Magdeburg wohl schon auf ihrer Seite, denn Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude ging in seinem Grußwort ganz selbstverständlich von einer Fortsetzung des Katharina-Forums auch im Jahr 2020 aus und gab auch gleich das Thema der Konferenz vor. „Neben den wirtschaftlichen Beziehungen wird beim Katharina-Forum im nächsten Jahr der Bereich Wissenschaft ein Schwerpunkt sein“, sagte Ude, der sich kürzlich selbst mit einer Delegation zu Wirtschaftsgesprächen in Russland aufhielt.

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„Meine Mitarbeiter und ich haben auf der Reise überlegt, was wir beim dritten Forum machen können, das wir gemeinsam mit euch gestalten wollen? Und wir haben herausgearbeitet, ein Schwerpunkt wird – neben der Wirtschaft natürlich – das Thema Wissenschaft sein“, so der Staatssekretär wörtlich.

Gespräche fortsetzen

Ude machte deutlich, wie wichtig solche Wirtschaftskonsultationen auch im kleinen seien. „Darum ist es von außerordentlicher Bedeutung, die Gespräche fortzusetzen und die Zusammenarbeit zu intensivieren“, betonte der Staatssekretär.

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft des Katharina-Forums übernommen hat und damit deutlich mache, dass er in einer Reihe mit jenen deutschen Politikern steht, die sich nicht mit eindimensionalen Weltdeutungen zufrieden geben.

Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt stärken

„Ebenso freue ich mich über die große Unterstützung, die wir aus dem Wirtschaftsministerium erfahren haben. Sie investieren damit in einen Partner, der sie mit diesem Forum wiederum gern in ihren Bemühungen zur Stärkung des Außenhandels unseres Bundeslandes mit Russland und damit des Wirtschaftsstandortes Sachsen-Anhalt unterstützt“, so das Zerbster Stadtoberhaupt.

Alexander Smekalin, Vorsitzender der Regierung der Region Uljanowsk sieht Parallelen in der wirtschaftlichen Ausrichtung beider Regionen. „Ähnlich wie in Sachsen-Anhalt gibt es auch in der Region Uljanowsk viele Unternehmen im Maschinenbau, der Medizintechnik, in der Landwirtschaft und in der Energiewirtschaft, an denen auch zahlreiche deutsche Firmen beteiligt sind“, sagte der Regierungschef. Auch er wünsche sich eine engere Zusammenarbeit und noch mehr Kooperationen.

Warenaustausch verlangsamt

Hansjürgen Overstolz, Präsident der Bosch Group Russland wies anschließend in seinem Vortrag darauf hin, dass acht Prozent des gesamten russischen Warenaustausches auf Deutschland entfallen. „Obwohl die derzeitige Stabilität des Rubels hilft, hat sich der Warenaustausch in den ersten sechs Monaten des Jahres etwas verlangsamt“, so Overstolz.

Wenn man sich dann den Anteil Europas am russischen Handel anschaue und zusammenrechne, so liege dieser bei rund 43 Prozent, also bei rund 300 Milliarden US-Dollar. Bei den USA seien es hingegen nur knapp 20 Milliarden. „Und das ist auch der Grund, warum die Vereinigten Staaten so wenig Rücksicht auf die Europäische Union und auf Deutschland nehmen, wenn es um die Frage von Sanktionen geht“, erläuterte der Bosch-Manager. Positiv sei jedoch, dass Deutschland und die anderen Staaten wieder in Russland investieren. „Im ersten Quartal 2019 flossen 1,1 Milliarden US-Dollar, und das ist gut für die russische Wirtschaft“, betonte Overstolz.

Foren und Workshops

Bei Foren und Work-Shops, beispielsweise zu Themen wie erneuerbare Energien, digitale Transformation, Medizintechnik oder Biotechnologie erörterten die Teilnehmer beider Länder Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Bereits am Vormittag konnten die Forum-Teilnehmer an Führungen durch den Zerbster Energiepark auf dem Flugplatz oder dem Chemiepark Bitterfeld-Wolfen teilnehmen.