Zerbst. Viele Zerbster und Kaufland-Kunden sind sauer. Seit einigen Tagen lässt das Einzelhandelsunternehmen durch die German Service Group (GSG), eine Firma, die sich auf Parkraumbewirtschaftung spezialisiert hat, auf seinem Parkplatz Knöllchen verteilen. Die Höchstparkdauer wurde auf zwei Stunden begrenzt. Somit muss ab sofort eine Parkuhr gut sichtbar im Fahrzeug platziert werden.

„Unser Ziel ist es, unseren Kunden ausreichend kostenfreie Parkplätze zur Verfügung zu stellen. In der Vergangenheit mussten wir leider feststellen, dass vermehrt Fremdparker unsere Parkflächen genutzt haben“, begründet eine Unternehmenssprecherin den Schritt. Da der Parkplatz sehr zentral liege und sehr beliebt sei, habe man sich gezwungen gesehen, eine Parkscheiben-Regelung einzuführen.

Zwei Stunden kostenfrei parken

„Wir informieren unsere Kunden durch Hinweisschilder auf dem Parkplatz und im Markt darüber, dass sie mit Auslage einer Parkscheibe zwei Stunden kostenfrei parken können“, sagt die Pressesprecherin. Zusätzlich erfolgten regelmäßige Durchsagen. In der Einführungsphase erhielten Kunden bei Bedarf Parkscheiben an der Information.

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„Wenn ein Fahrzeug ohne Parkscheibe beziehungsweise länger als zwei Stunden parkt, wird der Fahrer bei seiner Rückkehr einen Hinweis unter seinem Scheibenwischer finden. Erst im Wiederholungsfall folgt ein Strafzettel in Höhe von 20 Euro“, heißt es weiter.

Das hat die Zerbsterin Tatyana Nindel ganz anders erlebt. Sie wusste nichts von der neuen Regelung, fuhr auf den Parkplatz, ging einkaufen und fand, als sie wieder zum Auto kam, statt einem freundlichen Hinweis gleich beim ersten Mal einen Strafzettel hinter der Windschutzscheibe. „Wenn man regelmäßig dort einkaufen fährt, achtet man doch auf so etwas nicht. Ich habe in zehn Minuten für 98 Euro eingekauft und dann ein Ticket mit 20 Euro an der Frontscheibe.“ Tatyana Nindel ist verärgert. Zahlbar ist die Strafe übrigens innerhalb von sieben Tagen, falls nicht, werde ein Anwalt eingeschaltet, kündigt das Unternehmen auf dem Ticket an.

Parkverbot außerhalb der Öffnungszeiten

Sie sei sofort zurück in den Markt und wollte die Mitarbeiterin an der Information und den Mann, der die Zettel verteilt, zur Rede stellen. „Sie haben nur gegrinst, und der Mann mit der Hand voll Zettel hat sich riesig gefreut“, sagt Tatyana Nindel und ergänzt: „Ich bin Stammkundin dort gewesen und habe echt die neuen Schilder nicht bemerkt.“ Sie werde sich einen anderen Supermarkt für ihre Einkäufe suchen. Mit diesem Beispiel konfrontiert, weicht die Sprecherin aus: „Es ist gewährleistet, dass Kunden beim ersten Parken ohne Parkscheibe lediglich informiert werden. Erst ab dem zweiten Mal erhalten sie ein Knöllchen.“

Stammkunde Dirk Tischmeier sieht die größere Problematik in dem Verbot, den Parkplatz außerhalb der Öffnungszeiten weder zu befahren noch dort zu parken. „An Sonn- und Feiertagen hat kein Bürger, der die Innenstadt besuchen möchte oder auch die anliegende Gastronomie nutzen möchte, mehr die Möglichkeit, sein Fahrzeug auf dem riesigen Parkplatz abzustellen. Das kann ich nicht nachvollziehen“, so Tischmeier. Er sehe keinerlei negative Beeinträchtigung für das Unternehmen, wenn Bürger außerhalb der Öffnungszeiten den Parkplatz uneingeschränkt nutzen.

„Da es sich um ein Privatgelände handelt, ist das Parken lediglich während der Öffnungszeiten möglich. Dies hat versicherungsrechtliche Gründe“, begründet die Pressesprecherin das Verbot.

Genügend Parkplätze bereitstellen

Dem Unternehmen sei bewusst, dass es im ersten Moment unbequem erscheine, eine Parkscheibe einlegen zu müssen, wenn man dies bisher nicht getan hat. Noch viel ärgerlicher sei es jedoch, wenn man einkaufen möchte und keinen Parkplatz findet.

„Wir fühlen uns hier unseren Kunden verpflichtet und glauben, dass wir mit der Parkscheibenregelung einen gangbaren Weg gefunden haben. Die an unserer Kunden-Information kostenlos erhältlichen Parkscheiben wurden so gut angenommen, dass wir momentan auf die Nachlieferung warten. In Kürze gibt es jedoch wieder Parkscheiben für unsere Kunden“, sagt die Sprecherin.