Zerbst l Der sonntägliche Gottesdienst im Zerbster Ankuhn am 24. Januar 2021 ist ein besonderer. Nach wochenlanger Stille wird erstmals wieder die kleine Glocke der Marienkirche läuten. Heller als vorher sei ihr Klang, meint Pfarrer Albrecht Lindemann. Er freut sich über die Rückkehr der unscheinbaren Bronzeglocke, der vermutlich ältesten der Stadt. „Sie wird ins 12. Jahrhundert datiert“, erzählt er von ihrer bewegten Geschichte.

So zeugt die Glocke von den Ursprüngen der Kirche, die einst zum 1214 begründeten Nonnenkloster der Zisterzienserinnen gehörte und beim Luftangriff auf die Stadt während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört wurde. Nach 1945 hing das gut 280 Kilo schwere Exemplar zunächst westlich von Sankt Marien in einem frei stehenden hölzernen Glockenturm, der jedoch Ende der 1970er Jahre weichen musste. 1991 wurde schließlich östlich der Kirche ein neuer errichtet, der seit Herbst verwaist war.

Im Oktober wurde die Bronzeglocke abgenommen, um die fehlende Krone zur fachgerechten Befestigung zu rekonstruieren. Zudem war der Klöppel zu erneuern, wie der Pfarrer schildert. Dieser traf den Glockenkörper bislang auf falscher Höhe, wodurch Sprunggefahr bestand. Eine Herausforderung stellte das Finden einer Fachfirma dar, die die Glockenkrone anfertigen kann. „Die nächst-gelegene ist in Holland“, berichtet Albrecht Lindemann. Anhand alter Fotos entstand dort ein gedrucktes dreidimensionales Modell, das als Vorlage für den Bronzeguss diente, wie der Pfarrer schildert. Für den nun korrekt anschlagenden Klöppel sowie die Demontage und Montage der Glocke sorgte unterdessen eine Berliner Firma. Diese übernahm ebenfalls die ursprünglich nicht eingeplante, aber notwendige Erneuerung des Eichenjochs.

Die Gesamtkosten beliefen sich damit am Ende auf rund 12.000 Euro. Die Finanzierung geschieht aus Eigenmitteln der Kirchgemeinde und aus Spenden.