Bornum l „Kirchen sind immer in Ost-West-Ausrichtung gebaut“ – diese Aussage entfachte eine Diskussion bei einer Familienfeier von Hermann Kaiser. Als Mitglied der Bornumer Chronistengruppe war die Erzählung davon ein gefundener Anlass zu sagen: „Wir messen nach! Steht unsere Kirche wirklich Richtung Osten?“ Ein erster Vor-Ort-Termin mit Blick auf Wetterfahne und Kirchturm ergab: Nein. So richtig irgendwie nicht.

Nun ist die Bornumer Kirche auch schon ein älteres Modell mit einem Baujahr von 1886, dass aber, so der Stand der Nachforschung, über den Fundamenten einer Vorgängerkirche errichtet wurde, die einst abbrannte. „Manche vermuten sogar, dass es noch einen Kirchenbau davor gab. Das wäre noch ein drittes Kirchengebäude auf der gleichen Stelle“, sagt Hansjörg Schürer, der Kopf der Chronistengruppe in Bornum.

Begrenzte Möglichkeiten

Wenn also die Stelle des Gotteshauses so alt ist und vielleicht auch noch älter, dann waren die Möglichkeiten, eine genaue Ostung der Kirche zu messen, doch sehr begrenzt, so die Gedanken der sechs Bornumer Männer, die das zu ihrem Thema erklärt hatten.

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Da wo die Sonne aufgeht, da ist Osten, das lernt schon jedes Kind in der Schule. Aber da die Sonne jeden Tag an einem anderen Punkt im Osten aufgeht, ist das eher eine große Variable. Um diese zu konkretisieren, haben die Männer recherchiert und sind auf den Gedanken gekommen: Der Tag des Namenspatron St. Georg – der 23. April – könnte der Tag sein, an dem zum Punkt der aufgehenden Sonne die Ost-Ausrichtung vorgenommen wurde.

Um 5.40 Uhr am Montagmorgen versammelten sich also die Bornumer an ihrer Kirche, ausgerüstet mit Kompass und GPS-Geräten. Der Sonnenaufgang war um 5.57 Uhr angesagt. Außerdem wurde eine Apparatur in der Kirche gebaut, die die konkrete Achse der Kirche darstellte, an der der Kompass dann angelegt werden konnte.

Kompass eiert hin und her

Doch der Kompass eierte hin und her, zwischen 87 und 94 Grad war fast alles dabei. „Berücksichtigen die Chronisten nun noch, dass die Magnetstreifen, die nicht gerade auf der Erde liegen, wie die kartografischen Längsgrade und daher Abweichungen mit eingerechnet werden müssen, lag der Wert weit von einer klaren Ostung auch an diesem Morgen entfernt“, stellt Schürer fest. Auch die GPS-Messungen waren nicht einheitlich und brachten ähnlich abweichende Ergebnisse.

Als Schlussfolgerung nimmt die Chronistengruppe aber mit: Die Ost-West-Ausrichtung weicht von der kartografischen sowie von der magnetischen Richtung ab. Und da sich die magnetischen Linien auf der Erde verschieben, ist es noch weniger nachvollziehbar, wie und ob die Ostung zur Bauzeit festgestellt worden sein könnte. In jeden Fall aber war die Kirche nie zum Namenstag des Schutzpatron nach Osten ausgerichtet – in keinem Jahr.

Die Männer nehmen es sportlich. Es war eine witzige Annahme, der sie nachgegangen sind. Und danach gab es dann auch ein zünftiges Frühstück in der kompletten Chronistengruppe.