Zerbst l Die Kirche St. Bartholomäi im Herzen von Zerbst hat mit ihrer Vielfalt an Geschichtszeugnissen sowohl für Einheimische als auch für Touristen eine ganz besondere Bedeutung. Kreuzen sich doch hier die Katharina-Route, der Lutherweg und das Kirchenfensterprojekt „Lichtungen“. Im heutigen Eingangsbereich hat sich ein wahrer und einzigartiger Schatz aus der Zeit der Erbauung erhalten – eine Altarmalerei aus der Zeit der Romanik.

Wechselvolle Geschichte

Die Jahrhunderte lange und wechselvolle Geschichte, die Schätze, die sie beherbergt, all dies wurde nun in einem Prospekt zusammengefasst dargestellt. „Das ist keineswegs nur ein Prospekt für Kirchenliebhaber“, betont Tourist-Info-Chefin Viola Tiepelmann bei der Vorstellung des neuen Papiers. Vielmehr sei das Prospekt für den ganz „normalen“ Touristen, der nahezu bei jeder Führung durch die Stadt auch in St. Bartholomäi landet.

„Hier war Katharina die Große mit ihrer Familie zu Hause, die Romanik mit der Malerei aus der Zeit der Erbauung, die Reformation war für die Bartholomäikirche ein Meilenstein der Geschichte – all das haben wir versucht in dem neuen Prospekt anschaulich darzustellen und so die Besucher der Stadt und natürlich auch die Zerbster neugierig auf dieses bedeutende Gotteshaus zu machen“, sagte Tiepelmann.

Bilder

Touristische Aufwertung

Tiepelmann: „Ich bin davon überzeugt, dass dieses neue Prospekt die Stadt Zerbst touristisch aufwerten wird.“ Es sei höchstes Anliegen des Tourismus Gäste und Besucher neugierig zu machen „und wenn diese dann zufrieden und vielleicht sogar beeindruckt von unseren Kulturschätzen, werden sie dies auch Bekannten, Freunden und anderen Liebhabern weitererzählen und die Stadt Zerbst für einen touristischen Besuch empfehlen“, so Viola Tiepelmann.

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ging insbesondere auf die romanischen Elemente der alt-ehrwürdigen Kirche ein. Die Stadt Zerbst bemüht sich seit Jahren in die „Straße der Romanik“ aufgenommen zu werden. Sie verbindet erhaltenen romanischen Bauwerke wie Klöster, Dome, Kirchen und Burgen sowie Kostbarkeiten sakraler Schatzsammlungen in Sachsen-Anhalt.

Besondere Altarmalerei

„Wir werden die neuesten Erkenntnisse – besonders natürlich zur Altarmalerei – dem Land Sachsen-Anhalt zur Verfügung stellen, um nochmals unser Ansinnen zu untermauern, in die Straße der Romanik aufgenommen zu werden“, machte Dittmann deutlich. Aus seiner Sicht würde die touristisch bedeutende Straße erst richtig schön, wenn Zerbst ein Teil dieser Route wäre. „Im Moment fehlen einfach noch wesentliche Elemente bedeutender romanischer Bauwerke“, so der Rathauschef.

Der Altarmalerei des Marienaltars der Hof- und Stiftskirche stammt aus der Zeit der Romanik und gehört zu den Ältesten in Sachsen-Anhalt. Im Jahr 1215 weihte Bischof Balduin von Brandenburg in der Kirche drei Altäre. Der Marienaltar war mit seinen Fresken reich verziert und von großer Bedeutung. Sie stellen die Kreuzigung Jesu ins Zentrum.

„Die Malereien haben Jahrhunderte, die Bilderstürmerei der Reformation und die Flammen des Krieges überdauert und sind großartige Zeugnisse der Geschichte. Deutschlandweit findet man kaum vergleichbare Altarmalereien aus der Romanik“, steht auf der Tafel zur Erläuterung der Altarmalerei geschrieben, die während der Präsentation des Prospektes im Eingangsbereich der Kirche enthüllt wurde. Diese wurde von der Firma Graßhoff entworfen und gefertigt.

Die Kosten für das neue Prospekt haben sich in Grenzen gehalten. Etwas mehr als 3000 Euro habe das Prospekt insgesamt gekostet. Die Hälfte davon wurde vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld übernommen, die andere Hälfte von der Stadt Zerbst. „Die Kosten sind deshalb relativ überschaubar, weil alle die daran mitgearbeitet haben, dies unentgeltlich taten. Und – die für das Projekt notwendigen Aufträge wurden von einheimischen Partnern realisiert“, betont Tourist-Info Chefin Viola Tielpelmann.

Viola Tiepelmann selbst zeichnet sich mit Germanist Hannes Lemke und Pfarrer Albrecht Lindemann für die Texte verantwortlich. Um die Prunksärge in Szene setzen zu können, wagte sich Lars Guido Schlegel im Schutzanzug in die derzeitige Lagerstätte der Särge. Das Layout des Prospektes stammt von Steffi Heger.