Zerbst/Steutz l Dominik Kisser stellt sich in Steutz der Herausforderung, den Altersdurchschnitt in der Kommunalpolitik zu senken. Seit September ist er 18 und kann nun gewählt werden. In Steutz stellen sich insgesamt 16 Kandidaten zur Wahl für die neun Sitze im Ortschaftsrat.

„Unsere Bürgermeisterin Frau Frens hat uns angesprochen, ob nicht Interesse besteht, im Ortschaftsrat mitzumachen“, erzählt Dominik Kisser. Mit „uns“ meint er die jungen Leute, die sich gerne im Jugendclub am Sportplatz treffen. So abwägig schien der Gedanke nicht.

Eigene Ideen einbringen

Dominik Kisser und Johannes Schmidt ließen sich bei der Freien Wählergemeinschaft Steutz aufstellen. Kisser, der in Steutz aufgewachsen ist und die Grundschule An der Elbaue besucht hat, sieht es als „eine gute Möglichkeit, unsere eigenen Ideen für das Dorf einzubringen.“ Besonders am Herzen liegt dem Elftklässler des Zerbster Gymnasiums Francisceum dabei natürlich der Jugendclub. Den besucht er, seit er zwölf Jahre alt war.

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Aktuell läuft der Club, der unlängst umfangreich saniert wurde, ziemlich gut. Die jungen Leute kümmern sich selbst um alles. Dominik Kisser gehört zu denjenigen, die einen Schlüssel haben. Die Jüngsten sind Zwölf- bis 14-Jährige, die den Club besuchen, die Älteren bis Ende 20.

Im Jugendclub fehle es eigentlich an nichts mehr, findet Kisser, bis auf Kleinigkeiten vielleicht. „Vielleicht wollen wir uns noch einen Geschirrspüler zulegen“, meinte der junge Mann, der gerne mal mit den Kumpels Fußball spielt und sich ansonsten für Musik und Technik interessiert. Politisch interessiert war er bislang weniger, aber er ist bereit, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die im Ortschaftsrat auf ihn zukommen würden.

Leben vor Ort mitgestalten

Im August wird der Schüler eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Stadtwerken Zerbst beginnen. Er wird also zumindest die nächsten drei Jahre in der Heimat bleiben. Was danach kommt, wird sich finden. Er wolle sich zwar nicht festlegen, aber er hätte nichts dagegen, vor Ort zu bleiben. Schließlich gehört Steutz zu den schönsten Dörfern der Umgebung, findet er. Steutz sei gut gelegen, ruhig, aber dennoch gebe es noch viele Jugendliche. Bei der Dorfgestaltung gibt es für Kisser Dinge, die eben Geschmackssache sind. Im Ortschaftsrat könnte er dann künftig ein wenig mitbestimmen. Für die Kandidatur hat er auch seine Eltern hinter sich. „Die finden es gut, dass ich versuche, mich fürs Dorf einzusetzen und, dass ich Verantwortung übernehmen möchte“, erzählt Dominik Kisser.

„Irgendwo muss man mal anfangen“, begründet Esther Enke ihre Kandidatur bei den bevorstehenden Kommunalwahlen. Gemeinsam mit dem ebenfalls 18-jährigen Lucas Ulrich kämpft die Zerbster Gymnasiastin um ein Mandat im Stadtrat. 83 Bewerber gibt es für die 36 Sitze. Die beiden Francisceer treten ebenfalls für keine Partei an, sondern für die Wählerliste Sport. Deren Spitzenkandidat Günter Benke ist es denn auch gewesen, der sie motivierte, sich aufstellen zu lassen.

Für Sportvereine einsetzen

Benke ist 1. Vorsitzender der Ortsgruppe Zerbst-Roßlau der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), der Lucas Ulrich bereits seit 2010 angehört, Esther Enke ist seit 2012 dabei. Seit 2016 arbeiten beide im Vorstand mit. „Ich bin Jugendvorsitzende“, sagt die Elftklässlerin. „Ich technischer Leiter Jugend“, erklärt Zwölftklässler Lucas, der mitten im Prüfungsstress steckt. Nach dem Abitur beginnt er eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik bei der Erdgas Mittelsachsen GmbH.

Nun steht jedoch erstmal das Abenteuer Kommunalwahl vor ihm, an das er „relativ entspannt rangeht“. Genau wie Esther Enke ist Lucas Ulrich gespannt, ob er den Sprung in den Stadtrat schafft. „Es wäre interessant und bestimmt mit viel Arbeit und Stress verbunden“, vermutet die Elftklässlerin. „Und mit Verantwortung“, ergänzt ihr Mitstreiter. Sollten sie gewählt werden, würden sie die Interessen der hiesigen Sportvereine vertreten und selbstverständlich auch die der Jugend und damit andere Sichtweisen einbringen. „Die Klima-Problematik ist ein Thema, das grade für Gespräche sorgt“, weiß Esther Enke, die auch Schülersprecherin am Francisceum ist. Zugleich glauben die Zwei, dass sie aufgrund ihres Alters eine andere Zielgruppe erreichen und für das kommunale Geschehen interessieren können.

Ob das die Wähler genauso sehen und der Jugend eine Chance geben, wird sich am 26. Mai zeigen.