Zerbst l Ende Juni 2018 hatte die Klinikleitung des Zerbster Helios Krankenhauses zu einem Bürgerforum in die Stadthalle eingeladen. Thema: Die Schließung der Entbindungsstation und der Gynäkologischen Abteilung in der Zerbster Helios Klinik.

Am Ende der Diskussion kam noch ein heißes Eisen zur Sprache: die fehlende Kinderstation und das Abweisen von Eltern mit erkrankten Kindern in der Zerbster Notaufnahme. Die wurden bisher in den meisten Fällen an das Städtische Klinikum Dessau verwiesen.

Überraschende Wende

Die Antwort war überraschend wie zu Teilen erfreulich. „Diese Abweisungen wird es nicht mehr geben“, verkündete Klinikgeschäftsführer Georg Thiessen damals. Hier gebe es allerdings einiges zu beachten, ergänzte Frank Friedrichs, Ärztlicher Direktor der Klinik. Nun wird der Chefarzt konkreter in seinen Aussagen.

„Wenn Eltern mit ihrem Kind in unsere Notaufnahme kommen, wird das Kind hier adäquat erstversorgt und bei Notwendigkeit einer fachärztlichen Behandlung zugewiesen – dies kann in unserer Klinik, einer anderen Klinik oder einer ambulanten Einrichtung sein“, erläutert Friedrichs.

Manchester-Triade-System

In der Zerbster Notaufnahme werde mit dem international anerkannten Manchester-Triage-System gearbeitet, welches es ermöglicht, den Schweregrad einer Erkrankung oder Verletzung innerhalb kurzer Zeit zu erkennen und mittels Kategorisierung eine Einstufung der Behandlungsdringlichkeit vorzunehmen.

„Dies gewährleistet, dass auch bei einem hohen Patientenaufkommen eine dringlich notwendige medizinische Behandlung sofort eingeleitet wird“, so der Mediziner.

Innerhalb dieses Systems würden Kinder in der Zerbster Notaufnahme bevorzugt versorgt, denn das Wohl des Kindes und auch die besorgten Eltern seien für die Klinik ein wichtiges Kriterium.

„Generell gilt: Kinder, die jünger als ein Jahr sind und weniger als zehn Kilogramm wiegen, sollten bei Erkrankungen, Verletzungen oder Beschwerden in einer neonatologischen Einrichtung vorgestellt werden. Dies sind spezielle Kliniken, die sich vor allem auf die Behandlung von Säuglingen und Kleinstkindern spezialisiert haben“, betont Frank Friedrichs.

Für alle Erkrankungen, mit denen Eltern mit ihrem Kind auch zu ihrem Haus- oder einem Facharzt gehen würden, stehe zudem rund um die Uhr der kassenärztliche Bereitschaftsdienst zur Verfügung.

Durchgangsarzt muss behandeln

„Diesen erreichen die Patienten immer unter der Telefonnummer 116 117. Die Nummer funktioniert deutschlandweit und ohne Vorwahl. Von dort aus wird Betroffenen mitgeteilt, an welchen Arzt sie sich wenden können, wenn der gewohnte Haus- oder Facharzt geschlossen hat“, sagt der ärztliche Direktor.

Für alle nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen oder bereits länger bestehende Beschwerden empfehle er den Eltern, ebenfalls diese Nummer zu wählen.

„Unfälle, die in der Schule oder auf dem Schulweg geschehen, müssen durch einen Durchgangsarzt behandelt werden“, erklärt Friedrichs. Das sogenannte Durchgangsarztverfahren (D-Arzt-Verfahren) regele in Deutschland die Behandlung von Arbeits- und Wegeunfällen. Das gelte auch für Kinder und den Schulbesuch.

„In unserer Klinik steht Verunfallten – auch Kindern – ein zugelassener D-Arzt bei der Erst- und Nachversorgung zur Seite“, so Friedrichs weiter.

Besteht Lebensgefahr: immer Notarzt rufen

Dieser entscheide, ob die Weiterbehandlung durch den Hausarzt durchgeführt wird oder ob wegen der Art oder Schwere der Verletzung eine besondere Heilbehandlung einzuleiten ist, die er dann regelmäßig selbst durchführt.

„Bei einem vermeintlich lebensbedrohlichen Zustand des Kindes gilt es, unverzüglich den Notruf 112 zu wählen, damit das Kind schnellstmöglich Hilfe von qualifiziertem Rettungsfachpersonal bekommt“, betont der erfahrene Mediziner.

Der Notarzt entscheide dann auch, welche Klinik für die Behandlung des Kindes am besten geeignet ist.