Zerbst | Es ist eine Krankheit mit vielen Symptomen, die bei jedem Betroffenen anders ausfällt. Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Angstgefühle, Schwindelgefühl, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit – die Liste lässt sich noch um mehrere Dutzend Punkte ergänzen. Die Rede ist von Fibromyalgie, einer neurologischen Krankheit, die unheilbar ist. Dauerhafte Schmerzen und auch heftige Schmerzattacken sind ständige Begleiter der Erkrankten.

Unter Fibromyalgie leiden auch Steffi Schulze und Silvia Friedrich. Die beiden Frauen engagieren sich in einer Selbsthilfegruppe in Zerbst, in der sich Betroffene über die Erkrankung austauschen können. „Es ist wichtig, dass man mit jemandem darüber reden kann, der die Krankheit versteht. Jemand, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat“, sagt Silvia Friedrich, stellvertretende Sprecherin der Selbsthilfegruppe. Oftmals stoßen Menschen mit Fibromyalgie nämlich auf Unverständnis in ihrem Umfeld, da die Symp-tome variieren und von Tag zu Tag unterschiedlich stark ausgeprägt sind. „Viele können sich das nicht vorstellen. Die denken, man bildet sich das nur ein oder würde übertreiben“, sagt Silvia Friedrich.

Auswirkung auf Alltag

Das Leben mit Fibromyalgie wirkt sich mitunter stark auf den Alltag der Betroffenen aus. Je nach Ausprägung der Symp-tome leidet die Lebensqualität unter der Krankheit. Steffi Schulze, Gruppensprecherin der Zerbster Selbsthilfegruppe, sagt: „Auf Arbeit versucht man einfach zu funktionieren. Man versucht, den Beschwerden nicht so viel Beachtung zu schenken.“ Erschwerend komme jedoch hinzu, dass Stress die Schmerzen und andere Beschwerden nur weiter befeuerten. „Bei mir ist es ganz egal, ob ich positiven oder negativen Stress habe – dann nehmen meine Beschwerden zu“, sagt Steffi Schulze.

Bislang kann Fibromyalgie nicht geheilt werden. Lediglich die Linderung der Schmerzen, das Abmildern der Symp-tome, ist möglich. Welche Maßnahme bei wem hilft, ist dabei immer unterschiedlich. Das zeigt sich auch bei Steffi Schulze und Silvia Friedrich. „Bei mir hilft am besten Ablenkung. Deshalb gehe ich spazieren oder schwimmen. Komplett schmerzfrei bin ich aber nie“, berichtet Friedrich. Steffi Schulze hingegen braucht Ruhe. „Zuhause geht es mir daher am besten. Da habe ich Zeit für mich und keinen Stress“, sagt sie. Jedoch müsse jeder für sich selbst herausfinden, was hilft – da sind sich die beiden einig.

Verwendung von Schmerzmitteln

Medikamente gegen die Krankheit gibt es auch nicht. „Einige Betroffene nehmen Schmerzmittel, auch hoch dosierte, um die Schmerzen zu lindern“, sagt Silvia Friedrich. Manche nähmen auch Anti-Depressiva, so die stellvertretende Gruppensprecherin. „Dennoch ist Fibromyalgie keine psychische Erkrankung“, betont Friedrich.

In der Zerbster Selbsthilfegruppe geben sich die zehn Mitglieder gegenseitig Tipps im Umgang mit der Krankheit. Sie tauschen sich über Maßnahmen aus, die ihre Schmerzen lindern, oder besuchen auch mal einen Vortrage über Fibromyalgie. Zudem treffen sich die Gruppenmitglieder auch ganz zwanglos auf eine Tasse Kaffee oder gehen gemeinsam töpfern, um sich von ihren Beschwerden abzulenken. Übrigens sind nur Frauen in der Zerbster Selbsthilfegruppe. Das spiegelt die generelle Verbreitung der Krankheit wider, denn vor allem Frauen leiden unter Fibromyalgie.

Monatliches Treffen

Wer ebenfalls an Fibromyalgie erkrankt ist oder glaubt betroffen zu sein, der kann sich gerne an dem Treffen der Selbsthilfegruppe beteiligen, so die Gruppensprecherinnen. Die Gruppe kommt immer am ersten Mittwoch im Monat um 14 Uhr in der DRK-Begegnungsstätte, Markt 7, zusammen.