Zerbst l „55 sind es nun schon, wir feiern mit unseren Kulturfesttagen also ein kleines Jubiläum. Dabei sind es sogar mehrere Jubiläen in diesem Jahr“, stellte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) in seiner Eröffnungsrede während des Festaktes zur Eröffnung der Zerbster Kulturfesttage am Sonnabend in der Aula des Francisceums fest – 30 Jahre Wiedervereinigung Deutschlands und 30 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Zerbst/Anhalt und Jever in Friesland, zählte er beispielsweise auf.

„Letzteres ist ein Jubiläum, dem die Kultur vorausging, denn Sie werden sich daran erinnern, dass wir schon im vergangenen Jahr das Künstlerforum Jever mit einem Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt Zerbst/Anhalt dafür auszeichneten, dass sich die friesischen Künstler 30 Jahre kontinuierlich mit Ausstellungen in unserer Stadt präsentierten und zu einem wichtigen Aktivposten unserer Städtepartnerschaft wurden“, hob Dittmann hervor.

Städtepartnerschaft im Fokus

Überhaupt seien die Städtepartnerschaften zu ganz elementaren Säulen der Zerbster Kulturfesttage geworden – in diesem Jahr sogar ganz zentral mit der Personalausstellung des Nürtinger Künstlers Hans-Joachim Prager. „Wir haben die Ausstellung „Freiheit in Form und Farbe“ bereits am Freitagabend mit der Vernissage der Öffentlichkeit präsentieren können“, sagte der Raushauschef.

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Dittmann erinnerte auch an den 75. Jahrestag der Zerstörung der Stadt am 16. April 1945, der in diesem Jahr begangen wird. „Eine pittoreske Stadt, geprägt von Romanik, Renaissance, Barock, Gründerzeit und Biedermeier, versank in Schutt und Asche. Diese seit dem 16. April 1945 vergangenen 75 Jahre haben nicht gereicht, die städtebaulichen Wunden des Krieges zu schließen“, so Dittmann.

Ab in die 20er-Jahre

Und wir seien mit dem Jahr 2020 eben gerade in die neuen zwanziger Jahre eingetreten. Liebhaber von Wetteraufzeichnungen schauen dabei gern in den hundertjährigen Kalender. „Ich hoffe dagegen sehr, dass sich die Mehrheit der Deutschen ein Wiederholen des politischen Klimas von vor hundert Jahren nicht wünscht. Andererseits müssen der Mord an den Kasseler Regierungspräsidenten, die Morde in Halle und ganz aktuell die Morde in Hanau auch den letzten Verschlafenen aufwecken“, sagte Dittmann.

Während Pegida, AfD und ähnlich verortete Akteure bei jeder Gewalttat von Tätern mit Migrationshintergrund umgehend zu Gedenkmärschen und Protestkundgebungen aufrufen und Frau Merkel für die Tat verantwortlich machten, könne man nach Morden wie in dieser Woche in Hanau erleben, dass von gleicher Seite auf Einzeltäter mit krankhaftem Hintergrund verwiesen und abgewiegelt wird. „Nein, hier besteht sehr wohl ein Zusammenhang zwischen dem Schüren von Hass und einer möglichen krankhaften Wahnsinnstat. Wer Hass sät, wird Mord ernten“, mahnte der Rathauschef.

Über 45 Veranstaltungen im Kalender

Dittmann: „Der Blick in den hundertjährigen Kalender wird uns angesichts der klimatischen Veränderungen jedenfalls nicht helfen, eine verlässliche Wetterprognose für zu treffen. Ganz anders sieht der Blick in das Programmheft unser Kulturfesttage aus. Über 45 Angebote werden darin aufgelistet.“

Szenischen Lesungen aus dem Theaterstück „Zaza“ mit Prof. Dr. Hans Rüdiger Schwab, Voll auf Musik, das Musizieren in den Kreuzgängen des Museums, der Instrumentalwettbewerb der Musikschule, mehrere Ausstellungen im Museum, Lesewettbewerbe und Konzerte der Schulen, zählte Dittmann nur einige Besispiele auf. „Ich konnte hier nur einen Streifzug durch unser Programm unternehmen. Es ist an Ihnen, auf die bewährte und immer auch wieder neue künstlerische Marathonstrecke zu gehen“, lud Dittmann ein.

Zeichen enger Verbundenheit

Nürtingens Bürgermeisterin Annette Bürkner (parteilos) zeigte sich in ihrem Grußwort beeindruckt von den mehr als 40 verschiedensten Veranstaltungen, die den Zerbster in vier Wochen geboten werden. „Ich freue mich sehr, dass wir als Partnerstadt ein Teil dieser Kulturfesttage sein dürfen“, sagte Bürkner.

Auch Jevers stellvertretende Bürgermeister Heiko Schönbohm betonte die inzwischen freundschaftlichen Bande beider Städte. „Seit vielen Jahren beteiligen sich Künstler unserer Stadt nun schon an den Zerbster Kulturfesttagen – auch als Zeichen der engen Verbundenheit. Die Jeverander freuen sich auf die Feierlichkeiten im Sommer in Zerbst“, so Schönbohm.