Lindau l Die Region müsse wieder, was die Wasserhaltung angehe, zurück zu den Urgroßvätern, sagt Peter Gottschalk. Der Chef der Agrico Lindau betrachtet mit Sorge die Entwicklung der Niederschlagsmengen in den zurückliegenden Jahren. Wohl viel schneller als manche glaubten, wurden die Szenarien der Klimaforscher Realität. Der Regen bleibt vor allem im Frühling, Sommer und Herbst zunehmend aus. Gleichzeitig, sagt der Lindauer Landwirt, hätte sich die Temperatur bereits um ein Grad Celsius erhöht. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll sie nach den aktuellen Klimamodellen weiter um rund 1,5 Grad Celsius steigen.

Der Klimawandel ist angekommen. Winkten die Landwirte vor drei Jahren noch ab, als sie auf das Thema angesprochen wurden und verwiesen auf Ausreißer bei den Temperaturen und den Niederschlägen, zeichnet sich nach drei Jahren eine Tendenz ab. In der Vegetationsperiode lassen die Niederschläge in der Häufigkeit und in der Menge nach. Auch wenn aktuell manche Wege wieder voller Pfützen stehen, täusche das nicht darüber hinweg, dass das Wasser in den tieferen Bodenschichten fehlt, sagt Peter Gottschalk. Gut zu sehen sei dies an den Gräben neben den Feldern. Sie liegen alle trocken. Früher hatten die Bauern die Gräben gezogen, damit das Wasser abfließen kann und die Böden nicht ertrinken. Zu viel Wasser ist nicht gut für die Pflanzenwurzeln.

Intelligente Wasserverwaltung

In Zukunft müsse die Verwaltung des Wassers wieder intelligenter erfolgen. „Wir brauchen ein Wassermanagement“, sagt er. Das sei schon bei den Urgroßvätern bekannt gewesen. Die Feuchtigkeit müsse über moderne System zurückgehalten werden und das Wasser nur dann abgeleitet werden, wenn es zu viel sei. Moderne Systeme könnten die geringer ausfallenden Niederschläge zu einem Teil ausgleichen, ist er sicher.

Die Hoffnung bleibt allerdings, dass sich in den kommenden Wochen die Bilanz der Niederschläge noch deutlich verbessert. In den Wintermonaten sollen nach den Modellen der Klimaforscher vor allem die Defizite ausgeglichen werden. Ob das immer gelingt, hängt vor allem von der Wetterlage ab.

Auch an der Nuthe, die den Fläming in Richtung Elbe entwässert, ist der Wassermangel in den zurückliegenden Jahren deutlich ablesbar gewesen. Die kleinen Nuthearme schafften es wochenlang nicht mehr, durchgehend Wasser zu führen. Mitunter versiegte der kleine Strom bei Lindau im Boden über Wochen.

Bewässerung eine Lösung

Interessant ist für die Landwirtschaft zunehmend die künstliche Bewässerung. Obwohl den Landwirten auch klar ist, dass die Wasserrechte hier längst nicht für alle landwirtschaftlichen Flächen ausreichend werden und wirtschaftlich der damit verbundene Aufwand auch nicht in jedem Fall zu rechtfertigen ist. Schließlich kostet die künstliche Bewässerung zunächst einmal viel Geld in Form von Investitionen in den Bau von Brunnen und Technik. Lohnenswert ist der Einsatz aber nur dort, wo der Verkauf der Feldfrüchte die Kosten für den Einsatz der Bewässerung wieder einspielt. Das ist längst nicht bei allen Kulturen der Fall. Vor allem auf weniger ertragreichen Böden dürfte auch in Zukunft der Einsatz von künstlicher Bewässerung kaum sinnvoll erscheinen, weil die Erträge kaum entsprechend hoch ausfallen, auch mit der künstlichen Wassergabe.

Sinnvoll ist dagegen der Einsatz von Wasser bei Sonderkulturen, wie dem Spargel. Hier macht sich der Aufwand für die Erzeuger bezahlt. Die Landwirtschaft beschäftigt sich in der Region allerdings schon eine ganze Weile mit dem in der Menge geringer werdenden Gut Wasser. Der Landwirtschaftsverein Westfläming beschäftigte sich in diesem Jahr intensiv mit der Wasserverteilung. Der Deetzer Landwirt und CDU-Bundestagsabgeordnete Kees de Vries ist dabei Vorsitzender des Vereins und beschäftigt sich intensiv mit der Wasserfrage. In einer ersten Untersuchung hatte der Verein sich damit beschäftigt, ob sich in der Region nennenswerte Wassermengen für die spätere landwirtschaftliche Nutzung speichern ließen. Fachleute haben das verneint. Auch der Verein setzt auf ein neues Management des Wassers in der Region. Verhandelt werden soll dabei auch über alte Staurechte von Landwirten aus der Vergangenheit.

In einem nächsten Schritt will der Verein aber erst einmal bei den Landwirten in der Region in Erfahrung bringen, wie hoch der Wasserbedarf in Zukunft eingeschätzt wird. Auf dieser Basis kann dann darüber gesprochen werden, wie das Wasser in Zukunft vielleicht besser verteilt werden kann.

Ein großer Teil des Wassers verliert die Region über die Trinkwassergewinnung. Das Wasserwerk in Lindau versorgt einen großen Teil des Einzugsbereichs der Trinkwasserversorgung Magdeburg. Es sei unstrittig, sagt Peter Gottschalk, dass die Trinkwassergewinnung Vorrang vor allen anderen Dingen habe. Allerdings wäre die Situation wohl anders, wenn aus dem Gebiet nicht so viel Wasser gefördert würde, meint er. Das ließe sich dann auch an den Grundwasserständen ablesen, ist er sicher. Die sinken seit Jahren in der Region.