Hobby-Musiker Michael Rösler aus Dobritz unterhält mit Country-Songs und Oldies

Melodien im Kopf und die Gitarre im Griff

Von Petra Wiese

Stille Talente schlummern in manchen Menschen. Michael Rösler aus Dobritz hat das Gitarrespielen für sich entdeckt. Mit seinem Hobby erfreut er inzwischen viele Leute bei seinen Live-Auftritten.

Dobritz l Ab einem gewissen Alter neigen manche Menschen dazu, ihr Leben auf den Kopf zu stellen, noch einmal etwas anderes auszuprobieren, neue Dinge zu wagen. So einen "Rappel" bekam Michael Rösler vor zehn Jahren. Der Dobritzer kaufte sich eine Gitarre und ein Lehrbuch dazu. "Ich habe immer schon gerne Country-Musik gehört", erzählt er. Das Hören hat dann irgendwann nicht mehr gereicht, er wollte selbst Musik machen.

Zu DDR-Zeiten wurde Country-Musik kaum gespielt. Erst nach der Wende eröffneten sich auch für den Dobritzer alle Möglichkeiten. Michael Rösler deckte sich ein mit seiner Musik. Auch zu Country-Musik-Events nach Berlin, Dessau oder Roßlau reiste Rösler mit seiner Frau. Spielen, wie es seine Idole tun, das hatte sich der Landmaschinen-Mechaniker nun also vorgenommen. Dabei hat er noch nie in seinem Leben Musik gemacht. "Ich kenne keine einzige Note", behauptet er. Dafür hat er die Akkorde inzwischen drauf.

"Ich kenne keine einzige Note."

Michael Rösler

Michael Rösler hat sich nach Lehrbuch das Gitarrespielen beigebracht. Zum Leidwesen seiner Frau Marion tat er das abends, während sie fernsehen wollte. Er blieb dran, Abend für Abend nach der Arbeit. "Ich hatte das Gefühl, das es gut ging, sonst hätte ich es hingeschmissen", erinnert er sich. Er "trainierte" die Akkorde - rauf und runter. Nach etwa einem Jahr beherrschte er "Bad Moon Rising" von CCR. Sicher war das Lied schon viel früher erkennbar, aber der Wechsel der Akkorde muss flüssig sein. Titel für Titel kam dazu. Die Texte gibt es im Internet. "Die Melodien muss man im Kopf haben", bemerkt Rösler.

Vor vier Jahren war es schließlich soweit. Röslers Vater feierte seinen 70. Geburtstag in der Gaststätte, und der Sohn wollte ein paar Lieder zum Besten geben. "Wenn du dich jetzt nicht traust, dann nie", sagte er zu sich selbst. Spielen ist das eine. Das hatte der Hobbymusiker bereits vor Verwandten ausprobiert. Doch zur Gitarre auch noch singen, ist etwas ganz anderes. Michael Rösler traute sich, und die Geburtstagsgäste fanden\'s gut. Das war der Durchbruch.

"Seitdem spiele ich in Gaststätten, auf Betriebsfeiern, bei privaten Partys." Man kann den 49-Jährigen als Entertainer beziehungsweise Musiker buchen. Er spielt Country-Musik, aber auch Oldies. Vor "normalem" Publikum kann man nicht den ganzen Abend Country spielen, weiß Rösler. Seine Titelliste ist lang. So gehören nicht nur Johnny Cash, Emmylou Harris und Dolly Parton zu seinem Repertoire, sondern auch Interpreten wie Bon Jovi, Achim Reichel, die Beatles oder Eurythmics. Für seinen Nebenerwerb zahlt Rösler, wie es sich gehört, ordnungsgemäß Steuern. Das Musikmachen soll Röslers großes Hobby bleiben, nicht mehr und nicht weniger. "Das macht mir Spaß, das mache ich gern", sagt er. Mittlerweile hat er vier Gitarren, reist mit einer Verstärkeranlage umher. Im Laufe der Zeit wurde die Ausrüstung immer mehr.

Zum Üben ist seine Technik im Kinderzimmer zu Hause unterm Dach aufgebaut, was Rösler nicht davon abhält, nach wie vor beim Fernsehen auf den Saiten herumzuklimpern. Zum Singen geht er aber doch lieber nach oben. Kommt die längst erwachsene Tochter zu Besuch nach Hause, räumt der Musiker bereitwillig das "Studio".

Röslers Frau betrachtet inzwischen mit Wohlwollen die musikalische Entwicklung ihres Mannes. "Country-Musik war für mich anfangs ein rotes Tuch", erklärt Marion Rösler. Doch inzwischen hat auch sie da ihre Schiene gefunden, findet Gefallen an Country-Pop. Bei öffentlichen Veranstaltungen, auf denen ihr Mann singt, begleitet sie ihn, wie auch er der Schmuckdesignerin auf Märkten in der Region unter die Arme greift. Bei solchen Gelegenheiten lassen sich ebenfalls für den Hobby-Musiker Kontakte knüpfen.

"Country-Musik war für mich anfangs ein rotes Tuch."

Marion Rösler

Wer von Michael Rösler allerdings erwartet, dass er im Cowboylook mit Boots und Stetson auftritt, der hat sich getäuscht. "Nur weil ich Country-Musik mache, muss ich mich nicht verkleiden", sagt er. Ganz normal, so wie er ist, tritt er vor die Leute, spielt und singt für sie. Live-Musik ist immer anders, als wenn nur Lieder vom Band laufen. "Die Leute finden es gut, wenn da einer steht und selber singt", ist er überzeugt. Seine Auftritte in der Region reichen dem Dobritzer, um sein Hobby zu leben. Der bescheidene Mann will sich gar nicht vorstellen, in irgendwelchen renommierten Country-Clubs zu singen - das überlässt er den Profis.

Inspirierung holt er sich dagegen gern von großen Musiker-Kollegen. Einer, der ihn maßgeblich angestachelt hat, Musik zu machen, ist zum Beispiel der amerikanische Sänger David Lee Howard, der inzwischen ein guter Bekannter der Röslers ist. Jedes Jahr gibt es ein Wiedersehen in der Westernstadt Pullmann City im Harz.

Die Countryhauptstadt der USA, Nashville in Tennessee, lockt den Dobritzer weniger. "Ich wollte ihn mit einer Reise zum 50. Geburtstag überraschen", berichtet seine Frau. Doch sie merkte schnell, dass das keine gute Idee war. "Wenn Nashville um die Ecke wäre, würde ich hinfahren. Aber nicht nach Amerika," erklärt Michael Rösler mit Bestimmtheit. Den Nashville-Sound hat er auf jeden Fall drauf, und sollte jemand einen Musiker für einen Abend suchen, ist er bei Rösler genau richtig.