Steutz l Wolfgang Platte kann nicht untätig bleiben. Seit er von der geplanten Ausweisung des Naturschutzgebietes „Mittelelbe zwischen Mulde und Saale“ erfahren hat, lässt ihn der Verordnungsentwurf nicht mehr los. Schlaflose Nächte bereitete ihm die Ausdehnung der Schutzzonen bis an den Ortsrand heran. Nachvollziehen kann er die Erweiterung nicht.

Als Steutzer ist er mit dem nahen Biosphärenreservat groß geworden, Naturschutz ist für die anliegenden Elbdörfer gelebte Praxis. Dass nun jedoch die gesamte Steutzer Elbaue mit ihren rund 500 Hektar Acker-, Wiesen- und Weideflächen mit einbezogen werden soll, kann er nicht verstehen.

Vorwürfe von Eigentümern

„Die Aue ist seit Jahrhunderten landwirtschaftliche Nutzfläche und erst dadurch zu dem geworden, was sie heute ist – mit all ihrer Flora und Fauna“, erklärt er. Dort weiden Kühe, gehen die Menschen mit ihren Hunden spazieren und genießen den Ausritt mit dem Pferd oder die Fahrt mit dem Kremser durch die Natur. Künftig ist das alles womöglich nicht mehr uneingeschränkt erlaubt, wenn nicht sogar ganz verboten.

„Alle sind betroffen – Angler, Jäger und auch die Modellflieger“, listet Platte auf. Alljährlich lassen junge Bodenpiloten aus mehreren Bundesländern ihre Flugmodelle unterhalb des Steutzer Landschulheims in die Lüfte steigen und messen sich im Wettbewerb. Mit der Ausweisung des Naturschutzgebietes dürften Modellflugzeuge nicht mehr in der Aue verwendet werden.

Aue verliert Attraktivität

Daneben werde die Bewirtschaftung der Landwirtschaftsflächen stark eingeschränkt, weist er auf die Termine zu Mahd, Düngung und Bestellung hin, das Einholen von Genehmigungen und die Abgabe geforderter Meldungen. „Das ist eine Summe von bürokratischen Maßnahmen, die einen erhöhten Aufwand bedeuten“, erklärt Wolfgang Platte. Über kurz oder lang werde die Aue für die Nutzer dadurch unattraktiv. Das bedeutet zugleich den Verlust von Einnahmen durch Verpachtung oder Eigenbewirtschaftung.

Ausgenommen der Flächen, die dem Land oder der Umwelt- und Naturschutzorganisation WWF durch einige Ankäufe gehören, sei die Aue mit ihren Fluren und zig Flurstücken seit Jahrhunderten in privater Hand. „Diese werden durch diese ,Umwidmung‘ der Flächen in ein Naturschutzgebiet de facto kalt enteignet“, hat Platte in dem Flyer formuliert, der in Steutz und Steckby verteilt wurde.

Dieser soll die Anwohner aufklären über das geplante Naturschutzgebiet. Denn nach Ansicht von Wolfgang Platte informiert das Landesverwaltungsamt nicht offensiv genug über den Verordnungsentwurf und seine Auswirkungen. Veröffentlichungen gab es im Zerbster Amtsboten und dem Amtsblatt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld zur öffentlichen Auslegung. Bis zum 25. September könne jeder seine Meinung abgeben, ruft Wolfgang Platte zur individuellen Stellungnahme auf. Einen Leitfaden hat er seinem mit der Steutzer Ortsbürgermeisterin Regina Frens abgestimmten Flyer beigelegt. Er persönlich wird als Flächen-eigentümer in Widerspruch gehen.

Folgen?

Ob die Stellungnahmen wirklich etwas bewirken, weiß er nicht. Dennoch will Wolfgang Platte nichts unversucht lassen. Er befürchtet, dass die Ausweisung des Naturschutzgebietes noch weitreichendere Folgen haben kann. Denn immer wieder ist unter Paragraph 3 „Schutzzweck“ von „Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung“ die Rede. „Der Zaun um das Gebiet wird symbolisch immer höher“, äußert er seine Sorge.

Auch Kay-Uwe Papenroth beschäftigt der Verordnungsentwurf. „Wir nutzen selbst die Aue als Pferdekoppel“, erklärt der Steutzer und ergänzt: „Naturschutz lebt nur vom Miteinander.“ Sensible Wege könne man ja sperren, denkt er an Reiter oder Kremser. Dass jene aber von vornherein trittfeste Wege nicht mehr nutzen dürfen, kann er nicht nachvollziehen. Deshalb hat er eine Unterschriftensammlung gestartet.

Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) reagiert ebenfalls auf die Sorgen und lädt am Dienstag gemeinsam mit Vertretern des Landesverwaltungsamtes zu einer Bürgerfragestunde ein. Diese findet ab 17 Uhr im Gasthaus „Zum Biber“ in Steckby statt.