Zerbster Gospelchor verbringt fünf Tage in Partnerstadt Puschkin auf Einladung des Bürgermeisters Igor Pakhorukow

"O happy day" für ein Brautpaar in Russland

Von Silke Schmidt

Fünf Tage lang bereisten die Sänger des Zerbster Gospelchores die Partnerstadt Puschkin. Sie folgten damit einer Einladung des Bürgermeisters Igor Pakhorukow. Der befand sich zwar zum Reisezeitpunkt in Zerbst, freute sich aber den Chor unter der Leitung von Tobias Eger in seiner Stadt zu wissen.

Puschkin/Zerbst.Begleitet wurden die Sänger von Bernd Adolph, Vorsitzender des Kultur- und Sozialausschusses, und von Annegret Mainzer, die mit ihren Sprachkenntnissen zur Verfügung stand. Bernd Adolph überbrachte im Auftrag der Stadt Zerbst Grüße in die Partnerstadt. Mit der Reise des Gospelchores nach Puschkin setzt sich die Reihe der kulturellen Begegnungen zwischen beiden Städten fort.

Faszination der Bauwerke

Herzlich empfangen wurden die Zerbster am Sonnabendmorgen um 4 Uhr früh von Mitgliedern der Sophiengemeinde, die den Sängern für die Tages ihres Aufenthaltes nicht nur eine Unterkunft boten, sondern ihnen auch einen kleines Stück ihrer Lebensweise zeigten, viel über ihr Land erzählten und typische russische Gerichte auftischten.

Satt und ausgeruht ging es einige Stunden später zur Isaak-Kathedrale in St. Petersburg. Bereits von außen beeindruckte das Gebäude mit der goldenden Kuppel, und erst recht bestaunten die Zerbster die kunstvollen Ikonen im Inneren. Ein zweiter Höhepunkt des Tages war der Besuch der Bluterlöserkirche. Errichtet wurde diese zum Gedenken an Alexander II. und zwar an der Stelle, wo dieser durch einen Anschlag ums Leben kam. Wieder waren es die ikonografischen Darstellungen der Bibelgeschichte und die russische Architektur, die die Reisenden faszinierten.

Der folgende Sonntag bot Gelegenheit, in der Sophienkathedrale an der Liturgie der russisch-orthodoxen Kirche teilzunehmen, bevor der Gospelchor in der zur Gemeinde gehörenden Sonntagsschule zu einem Konzert einlud. Den Nachmittag gestaltete der Chor gemeinsam mit Schülern dieser Schule. Die Zerbster freuten sich über Stücke russischer aber auch deutscher Komponisten. Dann aber gehörte ihnen die kleine Bühne und der Flügel Tobias Eger. Nach wenigen Stücken hatte der Chor die russischen Zuhörer musikalisch überzeugt. Sie klatschten mit, jubelten nach jedem Lied und ließen sich von der Musik mitreißen. Gospel ist in Russland ein untypisches Genre, die Besucher des kleinen Konzertes waren jedoch begeistert, applaudierten anhaltend und verlangten eine Zugabe. Gern erfüllten die Sänger diesen Wunsch.

Der Abend des zweiten Tages endete ebenfalls musikalisch. Die Zerbster luden ihre Gastfamilien ein, einfach mit ihnen zusammen im Park zu sitzen. Sie sangen gemeinsam und tanzten zu einem kleinen Geigenquartett, das sich spontan an diesem Abend zusammenfand.

Ein großes Staunen folgte am nächsten Tag im Katharinapalast. Das Geschenk Peter I. an Katharina I. und schließlich ausgebaut durch Katharina II. zeigte den vollen Glanz der russischen Zarenzeit. Zahlreich vergoldetete Decken, prunkvoll eingerichtete Räume, wertvolle Wandmalereien und schließlich das berühmte Bernsteinzimmer verwiesen auf die reiche und stolze Historie Russlands.

Der Nachmittag gehörte wieder der Musik. Der Gospelchor fuhr nach Pogi in eine Seniorenresidenz, die ebenfalls zur Sophiengemeinde gehört.

Ein schönes Geschenk für die Braut

Nach einer Tasse Tee mit Kuchen versammelte sich der Chor um einen Flügel und sang für die Heimbewohner und die Angestellten. Auch hier erfreuten die Sänger zwischen 15 und 59 Jahren mit ihrer Musik.

Ein letztes kleines Konzert gab es dann im etwa 20 Kilometer entfernten Vyritza, wiederum in einer Sonntagsschule. Begleitet wurde der Gospelchor auf seinen Ausflügen von Anna Mukhina, der Leiterin der Puschkiner Sonntagsschule. Ihr gilt an dieser Stelle ein besonderer Dank.

Der letzte Tag der Russlandreise führte den Gospelchor in den Peterhof. Peter I. ließ die Anlage nach Vorbild des Versailler Schlosses erbauen. Beeindruckend sind die vielen Fontänen und der Blick auf den Finnischen Meerbusen. Die Zerbster genossen diesen Tag auf besondere Weise. Sie nutzen jede Gelegenheit, um zu singen. "Classics Halleluja" erklang vor der beeindruckenden Kulisse der Wasserspiele, "Wade in the water" schien geeignet, als ein Gewitter alle Peterhofbesucher völlig durchnässte.

Ein besonderer Höhepunkt sollte aber noch folgenden. Auf dem Weg zum Bus trafen die Zerbster ein Hochzeitspaar. Annegret Mainzer sollte nun übersetzen, dass der Chor einfach ein Lied für sie singen würde. Und nichts passte besser als "O happy day". Das junge Paar war sichtlich überrascht, erfreut und tanzte zu der Musik. Dies sei ein schönes Geschenk, sagte die Braut sichtlich bewegt.

"Give thanks" war das letzte Lied der Russlandreise und galt all denjenigen, die die Sänger versorgt haben, die Gastfamilien, die Köchinnen und die Leiterin der Sonntagsschule. Es gilt auch denjenigen, die diesen Austausch ermöglicht haben.