Zerbst l Die Meinung von Eltern und Lehrenden war im Juni und Juli 2020 gefragt. Im Rahmen einer Online-Befragung stellte das Kommunale Bildungsmanagement des Landkreises Anhalt-Bitterfeld verschiedene Fragen zum Homeschooling, wie zum Beispiel: Wie klappte im letzten Schuljahr die Beschulung daheim? Wie funktionierte der Austausch zwischen Eltern und Lehrenden? Stand die fürs Homeschooling nötige Technik überhaupt zur Verfügung? Ist die digitale Beschulung eine zukunftsfähige Alternative zum normalen Unterricht?

„Jetzt liegen die Ergebnisse vor“, schreibt Landkreissprecherin Marina Jank. Die Beteiligung an der Befragung habe bei über 440 ausgefüllten Fragebögen von Eltern und bei über 120 Fragebögen von Lehrern gelegen. „Die Auswertung zeigt auf, welche Probleme mit der abrupten Schulschließung einhergingen, aber auch welche schnellen Lösungen gefunden wurden“, so Jank.

Gute Technik und Erfahrungen fehlt

Jedoch habe diese besondere Zeit eine Belastungszeit für alle Befragten dargestellt. „Diese resultierte unter anderem aus dem Nicht-Vorhandensein von benötigter Technik, fehlenden Kommunikationsroutinen und den mangelnden Vorerfahrungen mit dieser Art der Beschulung. Hier war viel Eigeninitiative und Engagement aller Beteiligten gefragt“, resümiert die Landkreissprecherin.

Für eine kurze Zeit sei das Lernen zu Hause für eine Mehrheit der Befragten machbar gewesen, „aber bis Homeschooling ein regulärer Teil des Unterrichts sein kann, ist es noch ein weiter Weg“, so Jank. Fast jedes zweite Elternteil fühlte sich nicht gut über die aktuelle Entwicklung an der Schule ihres Kindes informiert, lautet ein Ergebnis der Umfrage. Das habe zum einen daran gelegen, dass nur ein geringer Teil der Lehrer aktiv den Kontakt zu den Eltern suchte. Zum anderen aber auch daran, dass nur etwas mehr als die Hälfte der Eltern aktiv den Kontakt zur Schule oder Lehrer ihres Kindes suchten.

Kein live Online-Unterricht

Klassische Wege der Kontaktaufnahme oder Informationsübermittlung, wie E-Mail oder Telefon, wurden vor allem um digitale Angebote wie die Schulhomepage, Messenger-Dienste und Online-Plattformen ergänzt. Häufig hatte die Erfüllung der Aufgaben technische Voraussetzungen, wie das Vorhandensein von Drucker, Tablets/PC und Internetzugang. Diese konnten von vielen Eltern nicht im benötigten Umfang erfüllt werden, so ein weiteres Ergebnis der Befragung. Einen (live) Online-Unterricht hätten zum Befragungszeitraum ein Großteil der Eltern den Kindern technisch nicht ermöglichen können. Für viele Eltern gab es auch von Seiten der Schule keine technischen Alternativangebote beziehungsweise Ansprechpartner oder sie waren den Eltern nicht bekannt, machten die Antworten deutlich.

Für eine Vielzahl der Schüler habe der durchschnittliche Aufwand im Homeschooling zwei bis vier Stunden täglich betragen. Mit der aufgewendeten Zeit konnten die gestellten Aufgaben von über der Hälfte der Schüler erfüllt werden, so die Eltern. Allerdings habe für ein Drittel die aufgewendete Zeit nicht ausgereicht.

Kinder vermissen Kontakt untereinander

Ein Großteil der Eltern begleitete seine Kinder nach eigenen Angaben täglich bis zu zwei Stunden im Homeschooling – alle anderen Eltern wendeten über zwei Stunden auf. Die Kontrolle der Aufgaben erfolgte vor allem durch das Kind oder die Eltern selbst. Hier fehlte laut der Eltern eine systematische Unterstützung durch die Lehrenden. Das Homeschooling setzte laut Eltern auch ein hohes Maß an selbstständigen Lernkompetenzen voraus. Über diese Erfahrung verfügte nach Meinung der Eltern nur ein Bruchteil der Kinder zum Befragungszeitraum. Nach Einschätzung fast aller Eltern haben die Kinder den Kontakt untereinander vermisst.

Ohne die Betreuung der Eltern und deren zusätzlichen Zeitaufwand wäre nach Meinung der Eltern das Homeschooling nicht umsetzbar gewesen. Als zeitlich begrenzte Ausnahme hielten die Eltern Homeschooling für realisierbar, aber nicht als Bestandteil des regulären Unterrichts. Aus ihrer Sicht haben die Erfahrungen der Homeschooling-Phase auch gezeigt, dass digitaler Fernunterricht einen hohen Grad an Selbstständigkeit und struktureller Wissensaneignung voraussetzen. Über die Hälfte machte sich zudem Sorgen, dass ihr Kind den Anschluss an den Stoff verliert.

Eltern von Grundschülern am meisten vertreten

Die häufigsten Rückmeldungen kamen übrigens von Eltern deren Kinder die Grundschule besuchen. Ein Drittel stammen von Eltern, deren Kinder das Gymnasium besuchen. Ab der achten Klasse waren die Rückmeldungen deutlich niedriger und nahmen mit zunehmender Klassenstufe ab.

Allerdings waren sich fast alle Eltern in einem Punkt einig: 87 Prozent der Eltern gaben an, dass ihr Kind das Lernen in der Klasse vermisste.