Zerbst l Die Bewohner des Zerbster Pflegeheims „Willy Wegener“ müssen seit einigen Tagen wieder ohne Besuch von ihren Lieben auskommen. Im Einvernehmen mit der Senio-reneinrichtung hat das Gesundheitsamt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld bereits Mitte voriger Woche ein vorläufiges Besuchsverbot festgelegt. Grund: Ein Pfleger wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

„Seitdem wurden in mehreren Etappen alle Bewohner sowie das gesamte Personal einem Corona-Test unterzogen. Dabei handelt es sich um insgesamt rund 300 Personen“, informiert Kreissprecher Udo Pawelczyk. Zuerst seien die Bewohner und Mitarbeiter getestet worden, die in direktem Kontakt mit dem infizierten Pfleger gestanden haben.

Testergebnisse für 130 Personen kommen noch

„Dies sind 98 Personen, deren Testergebnisse alle negativ sind. Für fünf Personen aus dem näheren Umfeld des Pflegers wurde Quarantäne angeordnet“, sagt Pawelczyk. Am Mittwochnachmittag lagen weitere 70 Ergebnisse von getesteten Personen vor – allesamt mit negativem Befund. „Mit den Testergebnissen der restlichen rund 130 Personen rechnen wir am 30. Juli“, informierte Pawelczyk am Mittwochnachmittag.

„Neben dem Pfleger wurde auch sein Sohn positiv auf das Virus getestet sowie ein Besucher unserer Einrichtung“, sagt Einrichtungsleiter Thomas Liss im Gespräch mit der Volksstimme. Der Besucher sei der Ehemann einer Bewohnerin, der aber in einer eigenen Wohnung lebe. „Entgegen anders lautenden Medienberichten haben wir natürlich sofort reagiert und im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt einen Besucherstopp verhängt“, so Liss.

Bewohner und Mitarbeiter bleiben unter sich

Sofort nach Bekanntwerden der Infektion seien die ohnehin strengen Hygieneregeln noch einmal verschärft worden. Das betreffe unter anderem das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, die Desinfektion oder das Tragen von Handschuhen. „Außerdem bleiben – soweit es eben möglich ist – bis auf Weiteres alle Bewohner und Mitarbeiter der verschiedenen Wohnbereiche unter sich, um Kontakte weitestgehend auszuschließen oder zumindest zu minimieren“, betont der Einrichtungsleiter.

Oberste Priorität habe jetzt, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. „Soweit wir die Situation derzeit einschätzen können, ist uns dies glücklicherweise gelungen“, ist Liss vorsichtig erleichtert. Im Moment sei nur der Pfleger infiziert, keine weiteren Mitarbeiter oder Bewohner.

Ursache für Ansteckung unbekannt

Wo sich der Pfleger mit dem Virus angesteckt haben könnte, wisse er nicht. „Hier würden wir nur spekulieren. Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, besteht ja im Prinzip überall, ob beim Einkaufen oder anderen Gelegenheiten, wo viele Menschen zusammenkommen“, so der Einrichtungsleiter.

Inzwischen ist erneut ein Zerbster positiv auf das Coronavirus getestet worden. „Damit erhöht sich die Zahl der Neuinfektionen seit dem 20. Juli auf sechs“, sagte der Landkreissprecher am Mittwochmittag gegenüber der Volksstimme. Augenscheinlich gebe es keine Verbindung zwischen den Personen, abgesehen vom Pfleger des Altenheimes und seinem Sohn.

Alle Testergebnisse negativ

Entwarnung gibt es derzeit auch bei den Anhalter Fleischwaren in Zerbst (Tönnies) und den Entenspezialitäten Reuden (Wiesenhof). „Hier sind die Tests abgeschlossen. Alle Testergebnisse sind negativ“, informiert Udo Pawelczyk.

Bisher sieben Personen in Zerbst infiziert

Wie es bei der Zerbster Firma Allfein aussehe, könne er allerdings nicht sagen. Hier habe es noch keine Tests gegeben. „Allfein arbeitet nicht mit dem Gesundheitsamt des Landkreises bezüglich der Tests zusammen“, sagt der Landkreissprecher. So lange kein Infektionsfall zu verzeichnen ist, seien die Testungen allerdings freiwillig.

Seit Beginn der Pandemie sind bis zum 19. Juli in Zerbst insgesamt sieben Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Allein in den vergangenen acht Tagen sind sechs Neuinfektionen hinzugekommen. Im gesamten Landkreis liegt die Zahl der Infektionen bei 80, davon gelten 71 Personen als genesen, 53 befinden sich derzeit in Quarantäne.