Zerbst l Sachsen-Anhalt und seine Wölfe ist ein Thema, das schon lange bewegt. Gefordert werden immer wieder politische Entscheidungen, die den Umgang mit dem Wolf regeln sollen – vor allem in Hinsicht auf Bejagung.

Das Wolfskompetenzzentrum war ein erster Schritt der Politik, aber wie soll es jetzt weiter gehen? Zu diesem besonderen Thema laden jetzt die Landespolitiker ein, zu diskutieren. Der Landtag veranstaltet sozusagen einen Bürgerdialog in Zerbst.

Landtag im Dialog

„Wölfe und Menschen – wie passt das in Sachsen-Anhalt zusammen? Das ist die zentrale Fragestellung des Bürgerdialogs ‚Landtag im Dialog‘“, heißt es in der Ankündigung aus dem Landtag.

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch lädt persönlich jetzt am Donnerstag, um 19 Uhr, in die Stadthalle Zerbst ein. Neben ihr sind auch Fachpolitiker eingeladen, mit den Bürgern „über Ängste und Sorgen vor der Wolfspopulation, aber auch über die Möglichkeiten der Koexistenz von Wolf und Mensch ins Gespräch kommen“.

Grosche moderiert

Für die CDU wird dies Detlef Gürth sein; Hannes Loth wird die AfD vertreten; Kerstin Eisenreich von der Fraktion Die Linke, Jürgen Barth von der SPD und Wolfgang Aldag von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sind die weiteren Gesprächspartner. Die Diskussionsrunde moderiert Dr. Tino Grosche.

Gabriele Brakebusch möchte damit den Landtag, der letztlich von den Bürgern legitimiert ist und Beschlüsse auf Landesebene fassen kann, auch zu den Menschen vor Ort bringen und sich konkreten Anliegen widmen. „Nicht zuletzt aus diesem Grund freue ich mich besonders auf die vor uns liegenden Gespräche, in denen Fragen, Meinungen und Anregungen der Menschen vor Ort in die Diskussion der Fachpolitiker aus den regierungstragenden ebenso wie Oppositionsfraktionen zum aktuellen Thema einfließen können.“

Aufwand und Schaden

Dass der Dialog bei Problemthemen mit der Bevölkerung gesucht wird, wird ganz unterschiedlich gewertet. Jan de Vries, Inhaber vom Ziegenhof de Vries, sagt beispielsweise, dass „ immer viel geredet aber wenig gemacht wird“. „Meine Erwartungen sind dahin gehend nicht sehr hoch.“ Es würde schon so lange über das Problem geredet, einzig viel Geld wurde ausgegeben und die Bürokratie erhöht. „Doch die Geschädigten bleiben immer noch größtenteils auf dem Schaden sitzen“, sagt er. Und da gehe es nicht nur um den direkten Schaden, sondern auch um den Aufwand, der um den Schaden betrieben werden muss.

Jonas Döring ist der Wolfsbauftragte in der Kreisjägerschaft Zerbst. Er engagiert sich für das Thema, versucht ein Monitoring für die Region auf die Beine zu stellen. Von Spuren bis hin zu Rissen melden Menschen ihm ihre Sichtungen.

Anregungen

„Ich finde es gut, dass so etwas gemacht wird. Da kommen Anregungen aus der Bevölkerung, die auch direkt betroffen ist, an die Leute, die im Parlament sitzen“, schätzt er ein. Und hofft deshalb auch inständig, dass vor allem Menschen wie Jäger und Landwirte, die sich mit dem Thema regelmäßig auseinander setzen müssen, die Veranstaltung auch wahrnehmen und nutzen werden. „Ich hoffe an diesem Abend auf konstruktive Diskussionen mit Perspektiven, wie man künftig das Thema Wolf angehen sollte“, sagt er.

Dass Zerbst als Veranstaltungsort für das Thema Wolf in der Dialogreihe des Landtages gewählt wurde, hält er für gut. „Zerbst ist ein Gebiet, in dem Wölfe nachweislich ansässig sind und ist eine Region, die so gelegen ist, dass auch andere betroffene Regionen wie Altmark/Stendal, Jerichower Land oder der Coswiger Raum gut anreisen können.“

Bis Ende 2019 sind in der Dialogreihe des Landtages neun weitere Veranstaltungen im Land geplant. So steht am 7. Juni, um 19 Uhr, das Thema „Schule – Kluge Köpfe braucht das Land“ im Rathaussaal Halberstadt zur Diskussion.