Zerbst l Man schätzt sich, man respektiert sich, man vertraut sich, man kennt sich eben ziemlich gut – und das seit mittlerweile mehr als 25 Jahren. Angefangen hat alles 1994 im Kulturamt der Stadt, wo Elke Borchers und der spätere Kulturamtsleiter Andreas Dittmann (SPD) aufeinander treffen und fortan zusammenarbeiten – bis heute. Seit der Wahl Dittmanns 2012 zum Bürgermeister managt Elke Borchers nun das Büro des Rathauschefs.

Wer den Bürgermeister sprechen möchte, muss zuerst an Elke Borchers vorbei – egal ob im Büro oder am Telefon. Wie eine Löwin, die ihre Jungen beschützt und verteidigt? „Ja, so ähnlich. Jeder muss erst am Vorzimmer-Löwen vorbei“, antwortet sie lachend. Wer nicht angemeldet ist, hat es nicht leicht an ihr vorbeizukommen.

Immer gelassen reagieren

Dennoch sei sie immer bestrebt, Terminwünsche relativ zeitnah zu erfüllen. „Das gelingt mal besser und eben mal nicht so gut. Mitarbeiter und Amtsleiter aus dem Haus versuche ich schon immer irgendwie kurzfristig einzuschieben“, erzählt Elke Borchers. Sie müsse natürlich auch schauen, dass dem Rathauschef etwas Freiraum bleibt. Das führe auch schon mal zu Diskussionen.

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„Da bleibe ich ganz gelassen, auch wenn mal jemand ungehalten reagiert. Ein nettes Gespräch entspannt die Situation in der Regel schnell wieder“, sagt Borchers. Da sei die jahrelange Erfahrung natürlich von Vorteil. „Das muss man dann abschätzen, ob ein Termin zwischen geschoben wird, oder der Terminwunsch dann doch nicht so dringlich ist.“ Die allermeisten Bürger hätten jedoch Verständnis im Bezug auf des meist vollen Terminkalender des Bürgermeisters.

Wie man mit Auseinandersetzungen klarkommt

Ernsthafte verbale Auseinandersetzungen habe es bisher aber nicht gegeben. Warum auch, mit ihrer freundlichen und souveränen Art hat sie auch schwierige Situationen im Griff. „Natürlich wird man im Laufe der Jahre auch stressresistent. Viele Dinge lasse ich erst gar nicht an mich rankommen. Man lernt mit den Jahren damit umzugehen“, sagt Elke Borchers.

Im Übrigen seien sowohl sie als auch der Bürgermeister bemüht, erst gar keinen Stress aufkommen zu lassen oder zu verbreiten. „In den allermeisten Situationen strahle ich, oder strahlen wir, eher die Ruhe aus“, schildert sie schmunzelnd. Außerdem kenne man sich lange genug, um sich auch blind zu verstehen.

Das betrifft auch die Macken des jeweils anderen. Obwohl sowohl Elke Borchers als auch der Bürgermeister behaupten, dass sich die Macken des jeweils anderen in Grenzen halten. „Wenn er kommt und sich über etwas geärgert hat, dann lasse ich ihn erst mal in Ruhe. Aber das hält meist nicht lange an und es herrscht wieder die gewohnte Atmosphäre“, sagt sie lachend.

Elke Borchers ist Marktmeisterin

Und dann ist Elke Borchers ja auch noch die Herrin über die Verteilung der Standplätze auf dem Heimatfest, also die Marktmeisterin. „Im Jahr 2000 hat das Kulturamt die Organisation des Heimatfestes übernommen, wo ich von Anfang an mit dabei war. So hat sich das entwickelt und jetzt verwalte und verteile ich sozusagen die Standplätze“, erklärt Elke Borchers.

Auch hier setzt sich die zierlich wirkende Elke Borchers resolut durch. „Wenn der Festplatz anders gestaltet werden soll, Standplätze getauscht werden müssen oder sollen, gibt es auch schon die ein oder andere Diskussion. Aber letztlich entscheiden wir, so wie wir den Platz gestalten möchten“, macht Borchers deutlich. „Sicher möchte am liebsten jeder Schausteller seinen Stammplatz – und wenn es möglich ist, richten wir das auch ein, aber wie gesagt, das letzte Wort haben wir“, so Borchers. Als zusätzliche Belastung sehe sie diese Aufgabe nicht. „Es macht mir Spaß, meinen Beitrag am Gelingen des Festes zu leisten“, sagt Elke Borchers.

Ernormes Vertrauensverhältnis

Und was sagt der Chef selbst zu seiner „guten Seele“? „Als ich mich 2012 zur Wahl gestellt habe, stand bereits fest, wenn ich Bürgermeister werde, dass Elke Borchers an meiner Seite bleiben soll. Die Position setzt ein enormes Vertrauensverhältnis voraus. Und da wir seit 1994 unser berufliches Leben teilen, ist eben genau dieses Vertrauensverhältnis entstanden“, sagt Dittmann.

Das Thema Verschwiegenheit sei zwischen Dittmann und Elke Borchers keins. „Das ist etwas, was ich brauche. Ganz oft steht meine Bürotür offen und wenn ich bei jedem sensiblen Telefonat aufstehen und die Tür schließen müsste, wäre etwas faul“, so Dittmann. Ähnlich verhalte es sich bei Besprechungen, egal ob mit Bürgern, Ministern oder Botschaftern.

Verschwiegenheit ist nicht der Rede wert

Dittmann: „Was wir uns zu eigen gemacht haben, egal ob der Botschafter oder der Zerbster Bürger zu Gesprächen bei mir ist – beide bekommen den gleichen Kaffee. Da muss ich eben nichts sagen. Das ist ein über die Jahre eingespieltes Team“, lobt Dittmann die Zusammenarbeit.

„Hier ist auf Elke zu 100 Prozent Verlass, egal ob es um die Vorbereitungen oder die Verschwiegenheit geht“, schildert Dittmann. Auch wenn er sich über irgendjemanden geärgert habe und einen Blitzableiter braucht, „auch das kann ich bei Elke Borchers, Dampf ablassen, ohne das dies später zum Hausfunk beiträgt“, betont der Rathauschef. Auf die Frage, ob sie sich auch gegenseitig mal anzicken, antworten beide ohne lange zu überlegen mit: „Nein, daran können sie sich nicht erinnern.“