Beringung

Ringe für den gefiederten Nachwuchs: Die Vogelschutzwarte in Steckby erfasst den Vogelbestand

Gefiederten Nachwuchs gibt es in der Steckbyer Storchenmühle. Zwei Jungstörche und fünf kleine Schleiereulen konnten beringt werden.

Von Von Petra Wiese
Wie die Orgelpfeifen liegen die Schleiereulen auf dem Tisch, um beringt zu werden.
Wie die Orgelpfeifen liegen die Schleiereulen auf dem Tisch, um beringt zu werden. Foto: Petra Wiese
Stefan Fischer schaut sich die Schleiereule an.
Stefan Fischer schaut sich die Schleiereule an.
Foto: P. Wiese

Steckby - Die Steckbyer Storchenmühle wird ihrem Namen auch in diesem Jahr wieder gerecht. Das Storchenpaar auf dem Scheunenhorst hat zwei Junge, wie im vergangenen Jahr. Es ist offensichtlich auch das gleiche Pärchen. Das Weibchen ist beringt und sechs Jahre alt. „Sie war vor drei Jahren schon mal da“, erzählte Herma Michelsen. 

Am 21. April kam die Störchin in diesem Jahr an. Das Männchen war schon zehn Tage vorher da und erwartete sie. Mitten in der Nacht traf sie ein, das war schon ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist der Partner. Der trägt zwar keinen Ring, ist aber an seinen Flugkünsten erkennbar. Er schafft es, am kleinen Teich zwischen Scheune und Vorderhaus runter zu gehen, berichteten die Michelsens. Auch sei er ein fürsorglicher Vater, haben sie beobachtet. 

Die zwei Jungstörche sollten nun ihren Personalausweis bekommen. Ingolf Todte von der Staatlichen Vogelschutzwarte Steckby holte sie aus dem Nest. Im Beisein der fünf- und sechsjährigen Kinder der Steutzer Kindertagesstätte „Sandmännchen“ bekamen die beiden Vögel ihren Ring. Wird das Tier künftig irgendwo gesichtet und der Ring abgelesen, kann es zugeordnet werden. 

Wie sich ein Storch anfühlt

Stefan Fischer von der Vogelschutzwarte erläuterte das Vorgehen für die Kinder. Die durften dann auch probieren, wie sich ein Storch anfühlt. Ingolf Todte setzte die beiden Vögel dann wieder ins Nest. Noch mussten die Jungstörche das über sich ergehen lassen. In wenigen Wochen werden sie flügge sein, und im August geht es dann auf die erste große Reise gen Süden.

Die Jungstörche sollten an dem Tag nicht die einzigen bleiben, die einen Ring bekommen. Im Dachgeschoss der Storchenmühle wohnt eine Schleiereulen-Familie. Zur Freude der Storchenmühlenbesitzer Herma und Ulrich Michelsen. „Eigentlich hatten wir die Hoffnung schon aufgegeben“, so Ulrich Michelsen. Doch dann saß die Eule da. 

Bis 2008 waren jedes Jahr Schleiereulen da. Dann kam der harte Winter 2009/2010 und die Eulen blieben aus. Die Schleiereulen sind nachtaktiv und fangen Mäuse. Sie sind quasi abhängig von den Mäusen, erläuterte Stefan Fischer. Sind die Mäuse reichlich, haben Schleiereulen auch zweimal im Jahr Junge, manchmal bis zu zehn Stück. Sind weniger Mäuse da, gibt es weniger Junge und nur einmal im Jahr Nachwuchs.

Schleiereule nach 13 Jahren wieder in Storchenmühle zurückgekehrt

Früher haben es die Eulen schneller geschafft, einen Bestandseinbruch auszugleiche+n, so Stefan Fischer. Bis heute ist der Mäusebestand allerdings deutlich zurückgegangen. Nach 13 Jahren ist die Schleiereule nun in die Storchenmühle zurückgekehrt. Vor dem Eingang haben wir Kot gefunden, so Ulrich Michelsen. Dann habe er sie nachts gehört. 

Sechs Junge beförderte  Ingolf Todte aus dem Nest heraus. Und auch Mama Eule ließ sich fangen. Da konnte Stefan Fischer mit den Kindern, herbeigeeilten Nachbarn und Freunden das Tier genauer betrachten, Federn, Schnabel und den Brutfleck zeigen. Dann waren die weißen Flauschknäuel an der Reihe. Wie die Orgelpfeifen lagen sie auf dem Tuch auf dem Tisch – alle unterschiedlich groß. 

Die Schleiereulen legen die Eier nicht auf einmal, sondern im Abstand von mehreren Tagen. Das Weibchen beginnt dann gleich nach der Ablage des ersten Eis mit dem Brüten und so schlüpfen die Jungen, dann auch im Abstand von einigen Tagen und sind deshalb alle unterschiedlich alt. Bis zu zwei Wochen Unterschied kann es geben. Das Jüngste in Steckby war noch zu klein für einen Ring. 

Kinder streichen über weiche Daunenfedern

Fischer erklärte den Kindern auch, dass die Natur es so vorsieht, dass das Schwächste dann unter Umständen nicht überleben wird, wenn zum Beispiel nicht genug Nahrung vorhanden ist. Nach dem Kleinen wollten die Experten von der Vogelschutzwarte nach einiger Zeit nochmal schauen, um es gegebenenfalls dann noch zu beringen. Auch über die weichen Daunenfedern der kleinen Schleiereulen durften die Kinder streichen, bevor diese wieder in ihr Nest gebracht wurden.

Mit bleibenden Eindrücken verabschiedeten sich Kita-Leiterin Beate Joch und die Kinder von den Michelsens und dankten den Mitarbeitern der Vogelschutzwarte, dass sie zuschauen durften. Auf dem Spielplatz konnten sie sich noch ein wenig austoben. Zum Mittag wurden sie im Gasthaus zum Biber in Steckby erwartet. Ganz zeitig waren die Steppkes an dem Tag schon mit dem Bus nach Steckby gefahren. Sie besuchten den Lunapark  und schauten Berthold Laue bei der Wildfütterung zu, bevor es zur Storchenmühle ging.

Stefan Fischer und Ingolf Todte von der Staatlichen Vogelschutzwarte Steckby zeigen den Sandmännchenkindern, wie Störche  beringt werden.
Stefan Fischer und Ingolf Todte von der Staatlichen Vogelschutzwarte Steckby zeigen den Sandmännchenkindern, wie Störche beringt werden.
Foto: P. Wiese
Auch dir kleinen Schleiereulen bekommen einen Ring als Ausweis.
Auch dir kleinen Schleiereulen bekommen einen Ring als Ausweis.
Foto: P. Wiese