Zerbst l „Wir sind gespannt, wie groß der Andrang ist. Etwas Angst haben wir schon, was passiert“, gesteht Tom Dupke, Mitinhaber der Raben-Apotheke und der Neuen Apotheke in Zerbst. „Wir machen es gerne und freuen uns über das Vertrauen, das in die Apotheken vor Ort gesteckt wird“, ergänzt sein Geschäftspartner Martin Roschig. Zugleich spricht er von einer „echten Belastungsprobe“, die sie ohne die flexible und tatkräftige Unterstützung ihrer Mitarbeiterinnen nicht bewältigt hätten. Es sei eine logistische Herausforderung, vor die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Apotheken im ganzen Land stellte.

Erst vergangenen Mittwoch verkündete er die Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung, die bereits heute in Kraft tritt. Sie beinhaltet, dass jeder, der älter als 60 Jahre oder wegen einer Vorerkrankung stärker gefährdet ist, jetzt im Dezember kostenlos drei FFP2-Masken erhält. Ab Januar soll es dann für Berechtigte zwei weitere Pakete mit jeweils sechs FFP2-Masken geben, wozu die Krankenkassen Coupons verschicken, die gegen eine Eigenbeteiligung von zwei Euro eingelöst werden können.

Preise sehr schnell erhöht

„Innerhalb von fünf Tagen haben wir es geschafft, eine größere Menge an Schutzmasken zu besorgen“, erzählt Martin Roschig gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Der Apotheker ist hörbar stolz, dass ihnen das gelungen ist. Denn durch die Verordnung ist die Nachfrage nach FFP2-Masken sprunghaft gestiegen. „Auch die Preise haben sich innerhalb kurzer Zeit erhöht“, bemerkt Tom Dupke. Die Kosten tragen die Apotheken zunächst allein. „Wir haben die Masken gekauft und vorfinanziert“, berichtet er von der pauschalen Vergütung, die erfolgen soll.

Deutschlandweit sind rund 27 Millionen Menschen dazu berechtigt, kostenlose Schutzmasken zu erhalten. Den Bedarf für ihre beiden Apotheken haben Tom Dupke und Martin Roschig anhand des Kundenstamms überschlagen. Erste Nachfragen gab es in den zurückliegenden Tagen bereits. „FFP2-Masken besitzen im Gegensatz beispielsweise zu Stoffmasken auch eine Eigenschutzfunktion“, erläutert Martin Roschig und erzählt von einer „guten Filterleistung“.

Kein Freifahrtschein für Unachtsamkeit

Das Infektionsrisiko werde dadurch erheblich gesenkt, so Jens Spahn. Allerdings würden FFP2-Masken ebenfalls keinen hundertprozentigen Schutz vor dem Coronavirus bieten. „Sie sind kein Freifahrtschein dafür, unachtsam zu sein“, betonte der Bundesgesundheitsminister bei der Vorstellung der Masken-Verordnung.

Die Herausgabe der Schutzmasken erfolgt bei der Raben-Apotheke wegen des erwarteten Ansturms auf dem Markt im Freien und das gegen Vorlage der jeweiligen Krankenversichertenkarte. Ein persönliches Erscheinen ist damit nicht notwendig. Vielmehr können auf diese Weise beispielsweise auch Kinder für ihre berechtigten Eltern die FFP2-Masken abholen. Zugleich wollen Tom Dupke und Martin Roschig mit ihrer Variante verhindern, dass jemand die kostenlose Verteilung ausnutzt und sich womöglich mehrfach anstellt. „Die Leute sollten vernünftig sein“, hofft Tom Dupke auf die Ehrlichkeit der Menschen.

Keine Reserven mehr da

Auch die anderen Zerbster Apotheken beteiligen sich an der bundesweiten Aktion. Die Katharina-Apotheke kann dafür vorerst auf Restbestände an FFP2-Masken zurückgreifen. Unterdessen wartet die Rats- und Stadtapotheke noch auf die bestellten Schutzmasken, wie Inhaber Tobias Adler auf Nachfrage informiert. Genauso ergeht es der Jever-Apotheke. „Reserven haben wir nicht mehr“, berichtet Inhaberin Anita Tiefenau gegenüber der Volksstimme. „Wir warten, dass die Lieferung erfolgt.“ Sie gibt allerdings auch zu bedenken, dass bis Ende des Monats Zeit bleibt, sich die kostenlosen Masken abzuholen.