Wunder der Natur

Spannende Einblicke ins Fischadlernest bei Walternienburg

Der bekannte Vogelkundler Ernst Paul Dörfler war mit einer Handvoll Naturfreunden auf Exkursion in der Elbaue bei Walternienburg.

Von Petra Wiese
Vom Nuthewall aus ließ sich der Fischadler in seinem Nest beobachten. Ernst Paul Dörfler (l.)  machte mit ihm bekannt.
Vom Nuthewall aus ließ sich der Fischadler in seinem Nest beobachten. Ernst Paul Dörfler (l.) machte mit ihm bekannt. Foto: Petra Wiese

Walternienburg - Vor dem Tor der Walternienburger Burganlage begrüßte Dr. Ernst Paul Dörfler die Teilnehmer. Mehr als 20 Interessierte hatten sich eingefunden, um mit ihm in die Welt der Fischadler einzutauchen. 

Es sei eine spontane Idee gewesen, auf „Fischadlerjagd" zu gehen, meinte er. Dieser mittelgroße Adler, der sich ausschließlich von Fisch ernährt, war so gut wie ausgestorben. Heute sind wieder mehr dieser Vögel zu finden. Vor 30 Jahren habe es noch 80 Brutpaare auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gegeben, erzählte Ernst Paul Dörfler, in den alten Bundesländern gar keine. 

Chemie in der Landwirtschaft setzte Tieren zu

Das Verschwinden hatte seinen Grund: Bis Mitte der 1950er Jahre wurde er bejagt. Als das dann verboten war, erholte sich die Population. Aber nur kurzzeitig. Dann kam die Chemie in der Landwirtschaft zum Einsatz. Die gelangt in der Nahrungskette zu den Fischen und den Vögeln. Die Eier der Fischadler in den Nestern waren so dünnschalig, dass die zerbrachen und es keinen Nachwuchs gab. 

Heute sind es wieder 700 Brutpaare, von denen die meisten an der Müritz vorkommen. Aber wie das so ist, wenn es immer mehr werden, muss sich der Nachwuchs neu orientieren. Er wandert gen Westen aus, so Dörfler. In Niedersachsen seien schon die ersten angekommen. In Walternienburg gibt es Fischadler derweil schon länger, was einige der Anwesenden bestätigen konnten. 

Auf dem Damm an der Nuthe entlang machte sich die Gruppe auf den Weg. Erster Stopp mit Blick auf das vermeintliche Nest an einem der Gittermast, welches auch auf Google Earth sichtbar ist. Pustekuchen, da wohnen keine Fischadler mehr. Dafür ein Stückchen weiter auf einem anderen Mast hoch oben.

Blick durchs Teleskop ins Nest

Der Kreisnaturschutzbeauftragte Matthias Keller positionierte sein Teleskop mit Blick auf den Horst. Wer kein eigenes Fernglas dabei hatte, durfte sich hier die Vögel aus der Nähe anschauen. Ein Altvogel und ein oder zwei Junge wurden gesichtet. 

Die Teilnehmer hatten sich auf eine interaktive Exkursion mit Ernst Paul Dörfler eingelassen. Gemeinsam wurde ein Steckbrief zum Fischadler erarbeitet.  Von Schnabel- bis Schwanzspitze ist der Vogel um die 60 Zentimeter groß, hat eine Spannweite von 1,60 Metern. Das Weibchen wiegt um die zwei Kilogramm, das Männchen 1,5 Kilogramm. Stimmproben gab es vom Band, beziehungsweise per App, die Matthias Keller vorspielte. 

Wie der Fischadler blitzschnell in die Tiefe stürzt, wenn er einen Fisch entdeckt hat, beschrieb Dörfler sehr anschaulich. „Er taucht komplett unter und verschließt dabei seine Nasenlöcher“, so der Experte. Die Beute greift er mit den Krallen. 

Zwei Junge und ein Altvogel sitzen im Horst

Zwei bis drei Eier legt das Weibchen. Die Brutzeit beträgt um die 35 Tage. Die Weibchen brüten, die Männchen schaffen das Futter heran, die Mutter füttert die Jungen. Auch die Säuglingspflege obliegt dem Weibchen. „Das Männchen ist der Jäger“, so Dörfler. Anfang August sind die Jungen flügge. Lange genug im Nest gesessen, ist es dann das Weibchen, das zuerst in den Süden fliegt. Bis über die Sahara hinweg ziehen die Vögel, die gute Langstreckenflieger sind. 

Eine Diskussion um die Gefahren für die Fischadler und Vögel im Allgemeinen entspann sich in der Gruppe. Ganz nebenbei hatte man auch das Storchennest von Walternienburg im Visier. In ein paar Wochen will Ernst Paul Dörfler auf jeden Fall noch einmal bei den Fischadlern vorbei schauen. Vielleicht sind dann auch andere Interessierte wieder eingeladen, mitzugehen. 

Zurück an der Burg hielt der Ökologe und Buchautor auch noch einige seiner Bücher bereit und signierte sie bereitwillig. Auch  das zuletzt erschienene Buch "Nestwärme“ war darunter, in welchem Dörfler beschreibt, was wir von den Vögeln lernen können. Im Falle der Fischadler einiges: zum Beispiel klimaneutrales Fliegen, Bauen mit Naturbaustoffen oder wenn der Nachwuchs da ist, keine anderen Termine machen ... 

Matthias Keller, Kreisnaturschutzbeauftrager, hat eine Vogel-App  zum Zeigen dabei.
Matthias Keller, Kreisnaturschutzbeauftrager, hat eine Vogel-App zum Zeigen dabei.
Foto: Petra Wiese