Zerbst l Der Garagenkomplex in der Güterglücker Straße soll der Abrissbirne zum Opfer fallen. Einige Mieter und Eigentümer ärgert das. „Wir haben zum 31. Dezember die Kündigung für unsere Garagen bekommen“, erzählt Malte Bäcker am Telefon. Insgesamt drei Garagen habe er dort in Nutzung. Er wohnt in der Güterglücker Straße und fragt sich, wo er sein Auto zukünftig abstellen soll.

„An der Straße abstellen geht ja auch nicht. Und was machen diejenigen, die beispielsweise einen abgemeldeten Oldtimer in der Garage haben? Abgemeldete Fahrzeuge dürfen ja nicht im öffentlichen Raum abgestellt werden“, ärgert nicht nur er sich.

Schutz für Trabi und Co.

Zehn, 15 Jahre oder noch länger warteten die DDR-Bürger auf Trabi, Wartburg und Co. Für viele war das Auto damals eine große Ausgabe. Doch bei manch einem war es nicht einmal das viele Geld, sondern die ewige Wartezeit, Mangelwirtschaft und die Knappheit an Ersatzteilen, weswegen der Wagen unter allen Umständen gepflegt und geschützt untergestellt werden musste.

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So bauten die Menschen zwischen Ostsee und Fichtelgebirge Tausende Garagen. Das kostete nicht nur Zeit und Schweiß – auch Baumaterial, das nicht immer leicht zu haben war. Die Garagenkomplexe entstanden überwiegend auf kommunalen Grund. Doch das Gebäudeeigentum auf fremden Grund und Boden hat sich nach der Wende als Phänomen erwiesen, dass man in der Bundesrepublik Deutschland nicht kannte.

Nur die Hälfte noch genutzt

„In der DDR bestand das Recht Gebäude auf Volkseigentum zu errichten. Das gibt es heute nicht mehr. Der Grundstückseigentümer soll auch der Gebäudeeigentümer sein“, erläutert Heike Krüger, Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes der Stadt Zerbst. Rund 140 Garagen stehen noch innerhalb des betreffenden Komplexes. „Davon ist gerade noch die Hälfte vermietet oder im Eigentum – das heißt, wir haben bereits jetzt einen Leerstand von 50 Prozent“, so Krüger. Den derzeitigen Nutzern sei zum 31. Oktober bzw. 31. Dezember 2020 gekündigt worden.

„Zu Endes 2020 und Anfang 2021 haben wir bereits mit allen Mietern und Eigentümern einen Übergabetermin vereinbart. Sind die Garagen dann übergeben, haben wir als Stadt ein Jahr Zeit den Komplex abzureißen“, schildert die Bauamtsleiterin den Ablauf. Jedem Garageneigentümer werde selbstverständlich das Recht eingeräumt, seine Garage selbst abzureißen oder den Abriss selber in Auftrag zu geben.

Abriss nicht vor 2021

„Möchte oder kann dies der Eigentümer nicht, werden wir den Abriss beauftragen. Die Eigentümer werden dann mit 50 Prozent an den Abrisskosten ihrer jeweiligen Garage beteiligt“, sagt Heike Krüger. Dies betreffe aber nur die Eigentümer, nicht die Nutzer, die eine oder mehrere Garagen von der Stadt gemietet haben, diese Abrisskosten trägt die Stadt, nicht die Mieter.

„Im Moment sind allerdings weder Abrissarbeiten ausgeschrieben, noch beauftragt und erst recht gibt es noch keinen Abrisstermin“, betont die Bauamtsleiterin. Das sei frühestens im kommenden Jahr möglich.

Entstehen sollen auf dem Areal einmal Wohngebäude. „Die Fläche ist im Stadt- und Gemeindeentwicklungskonzept als prioritäres Gebiet für Wohnbauland ausgewiesen. Ob die Stadt oder ein Investor dann die Entwicklung vornimmt ist noch offen“, sagt Heike Krüger.