Zerbst l „Der ,Kiekinpott‘ war lange unser Sorgenkind“, gesteht Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Die Hinweise auf den sanierungsbedürftigen Zustand des markanten Stadtmauerturms seien vom Zerbster Heimatverein gekommen, der das mittelalterliche Bauwerk viele Jahre am Tag des offenen Denkmals betreute und so der Bevölkerung zugänglich machte. Als Auslöser zum dringenden Handeln bezeichnete der Rathauschef den tiefen Riss, der sich deutlich sichtbar senkrecht durch eine der massiven Außenmauern zog.

Ihm galt das Hauptaugenmerk der Sicherungsmaßnahme, für die 100.000 Euro aus der Stadtkasse veranschlagt waren. „Wir sind super im Kostenrahmen geblieben“, merkt Dittmann an, als er sich das Ergebnis der durchgeführten Arbeiten anschaut. Mit knapp 97.000 Euro blieb das Projekt im Budget und das nicht zuletzt, weil „nach vernünftigen Alternativen gesucht wurde“, um die Schäden an dem auffälligen Turm zu beheben, wie er es ausdrückt.

Gewindestangen verhindern Auseinanderdriften

Der mehrere Zentimeter breite Spalt wurde nicht nur verfüllt, sondern ebenfalls auf fünf Ebenen mit Gewindestangen fixiert, wie Christian Ackermann schildert. Im Sachbereich Hochbau der Stadtverwaltung kümmerte er sich um das umfangreiche Vorhaben, das zwischen Mai und Dezember realisiert wurde. Zuvor fanden bereits die Vermessung und Einrüstung des Bauwerks statt, das sich unmittelbar neben der Nuthe befindet.

Auch ein Bodengutachten wurde in Auftrag gegeben. Aus diesem ging hervor, dass der „Kiekinpott“ auf stabilem Untergrund steht. Ein Absacken des fast quadratischen Wehrturms als Ursache für den auffälligen Riss konnte damit ausgeschlossen werden. Vielmehr tippt Planer Steffen Götz vom gleichnamigen Zerbster Ingenieurbüro schlichtweg auf Alterserscheinungen. Um ein weiteres Auseinanderdriften des Spaltes zu verhindern, wurden etwa sieben Meter lange Edelstahlstangen quer durch das aus Feldsteinen und Klinkern bestehende Mauerwerk gebohrt, festgezogen und zusätzlich verharzt.

Neue Holzbalken ersetzen marode

Neben der Sicherung des Turms beinhaltete die Maßnahme zudem die Sanierung der Außenhülle. Lockere Steine und bröckelnder Mörtel wurden entfernt und zwar bis hinauf zur steinernen Turmspitze in gut 21 Metern Höhe, deren Oberfläche durch eine so genannte Hydrophobierung einen Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit erhielt. Zwischen den nachgearbeiteten Zinnen sorgen neu angebrachte Querstangen jetzt für einen Absturzschutz. Deutlich komfortabler als bislang ist dank des höher gesetzten Sturzes fortan der Ausstieg auf den Turm.

Darüber hinaus erhielten sämtliche Fensteröffnungen fast unsichtbare Vogelschutzgitter, um vor allem Tauben auszusperren. Von enormen Kotablagerungen der Tiere und den Kadavern, die entfernt werden mussten, erzählt Christian Ackermann. Im Inneren weist er zugleich auf die hölzernen Treppen hin, von denen einige komplett, andere nur teilweise erneuert wurden. Während der Arbeiten stellte sich außerdem heraus, dass einzelne Balken sowie Deckendielen bereits derart marode waren, dass sie ebenfalls ausgetauscht werden mussten.

Mit dem Resultat des Gesamtvorhabens ist der Bürgermeister zufrieden. Von „funktionaler Erhaltung“ des historischen Baudenkmals spricht Steffen Götz. Immer mal wieder fanden Ausbesserungen am „Kiekinpott“ statt, so der Planer. Das belegen in Klinker eingeritzte Jahreszahlen – von 1969 beispielsweise. 2019 ist nun hinzugekommen.

Turm nun wieder begehbar

Andreas Dittmann freut besonders, dass der Turm künftig wieder als begehbares Ziel in die Stadtführungen aufgenommen werden kann. Immerhin handelt es sich um eines der prägendsten Objekte von Zerbst, wie er im Schatten des eindrucksvollen „Kiekinpotts“ anmerkt, von dem aus die Bürger einst in die fürstliche Küche geschaut haben sollen – deshalb der ungewöhnliche Name, der vom „in den Topf schauen“ erzählt. „Die Burg soll ja versetzt zum späteren Schloss gestanden haben“, kann sich Dittmann sehr gut vorstellen, dass dies einst durchaus zugetroffen hat.