Neues Feuerwehrauto

Statt 500 jetzt 5000 Liter Wasser: Neues Fahrzeug für die Reudener Ortsfeuerwehr geht an den Start

Ein Feuerwehrfest wurde vergangenen Sonnabend in Reuden/Anhalt gefeiert. Das erste große Fest seit über einem Jahr in der Einheitsgemeinde, bemerkte der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann. Das hatte seinen Anlass: eine Fahrzeugübergabe an die Reudener Ortswehr. 

Von Petra Wiese 13.07.2021, 16:09 • Aktualisiert: 13.07.2021, 17:32
Bürgermeister Andreas Dittmann überreichte Ortswehrleiter Carsten Stephan die Fahrzeugschlüssel.
Bürgermeister Andreas Dittmann überreichte Ortswehrleiter Carsten Stephan die Fahrzeugschlüssel. Foto: Petra Wiese

Reuden/Anhalt - Ein TSF-W Baujahr 1993, das 500 Liter Wasser mitbringen kann, stand bislang in der Reudener Fahrzeughalle. Zunehmende Reparaturen, fehlende Ersatzteile und nicht mehr den Ansprüchen gerecht werdend, waren Aspekte, die dafür sprachen, dass es an der Zeit für ein neues Fahrzeug ist. Bei schwierigen Einsätzen zählt jede Sekunde, machte Ortswehrleiter Carsten Stephan deutlich. Da möchte man schon Technik vorhalten, die größtmögliche Effizienz und höchstmögliche Sicherheit für die Kameraden bietet.

Dem Stadtrat sei Dank, dass ein TLF 5000 angeschafft werden konnte, so Andreas Dittmann. Die 225 000 Euro kommen komplett aus dem städtischen Haushalt, ohne Fördermittel. „Das zeigt deutlich, dass wir beim Thema Brandschutz ernst machen“, so der Bürgermeister.

Natürlich habe man sich gründlich überlegt, wohin solch eine Investition geht und ob eine schlagkräftige Truppe vor Ort ist. Denn: Das beste Fahrzeug ist auch nur ein Haufen Blech, wenn es nicht die Kameraden gibt, die sich um die Nutzbarkeit kümmern. In Reuden zählt die Stephan'sche Truppe derzeit 22 aktive Kameraden. Auch drei Frauen gehören zur Ortswehr. Mit ausgedehnten Wäldern, Feldern und der abgelegenen Lage von Objekten gibt es im Löschbezirk einige Herausforderungen. 

4000 Liter in der Minute

Da sind 5000 Liter gegenüber bisher 500 Liter Wasser auf dem Fahrzeug schon ein kleiner Unterschied. Das neue 320 PS-Fahrzeug kommt mit einer weiteren  Ausstattung daher: mit einem pneumatischen Lichtmast LED mit Fernbedienung, mit LED Lichtbalken mit Frontblitzen und LED Heckwarnleuchten, mit einer Heckpumpe PFPN 3000, vier Druckabgängen, einer Selbstschutzanlage, abklappbaren Kotflügeln, einem Monitor zur Wasserabgabe vom Dach und Dachkasten. Zur Beladung gehören Rettungssatz inklusive Zubehör, ein Stromerzeuger, Beleuchtungssatz, vier Atemschutzgeräte, fünf Handscheinwerfer, fünf Handsprechfunkgeräte und ein Hygieneboard. 

Die Pumpe schafft 4000 Liter in der Minute bei einem Druck von 10 bar, der Wasserwerfer reicht 55 Meter weit, das Fahrzeug kann mit 15 km/h über brennende Flächen fahren, schwärmte Carsten Stephan. „Beste Voraussetzungen sind für einen Schnellangriff gegeben“, meinte er. Fahrgestell und Aufbau  kommen aus Polen. Der Ausbau des Fahrerhauses sowie die Verlastung der Gerätschaften erfolgten durch die Zerbster Firma Faka. Mit dem Import ging man neue Wege. Bei der ganzen Fahrzeugbeschaffung sprach Andreas Dittmann von einem „Hindernisparcours“. 

Das TLF 5000 für Reuden ist nämlich nur ein „Übergangsleihfahrzeug“. Eigentlich sollte ein anderes Fahrzeug mit Fördermitteln beschafft werden, doch der Antrag wurde abgelehnt. Dagegen läuft eine Klage. Die Stadt sieht sich im Recht und rechnet damit, dass es doch noch Fördermittel für die Beschaffung geben wird, um das eigentliche Fahrzeug für Reuden zu beauftragen. Ob Ortswehrleiter Carsten Stephan dann allerdings die Fahrzeugschlüssel zu dem TLF 5000 wieder abgeben wird?

Nur ein Übergangsleihfahrzeug

Zunächst gab es erst einmal einen symbolischen Schlüssel, den Stadtwehrleiter Denis Barycza überreichte. Dann spielte Falkos Musikbox  das „Conquest of Paradise“ ab, und dazu gab es Bühnenblitze während das neue Fahrzeug aus der Fahrzeughalle, wo es die erste Nacht verbracht hatte, auf den Parkplatz am Reudener Dorfplatz vorgefahren wurde. Dort stand schon das alte TSF-W, das seinem Abdanken entgegensah. Andreas Dittmann drückte Carsten Stephan die echten Schlüssel in die Hand. Dann wurden alle Türen und Rollläden an dem neuen Tanklöschfahrzeug geöffnet. 

Vor allem auch die zum Feuerwehrfest geladenen Reudener zeigten reges Interesse an dem Fahrzeug. Die Kameraden erläuterten die Ausstattung. Kinder durften mal ins Fahrerhaus klettern. Nach dem offiziellen Teil und Gratulationen konnte zum gemütlichen Teil übergegangen werden. Zu Gast waren befreundete Wehren aus Dobritz, Grimme, Bärenthoren, Deetz, Zerbst, Lindau, Garitz-Bornum, Nedlitz, Zernitz und die Reetzer Ortswehr aus dem benachbarten Brandenburg. Die Reudener waren ebenso eingeladen wie die Sponsoren und Unterstützer der Ortswehr, denen Carsten Stephan einen besonderen Dank aussprach.

Das TLF 5000 passt übrigens in die Reudener Fahrzeughalle. Hier gab es trotzdem im Vorfeld umfangreiche Umbaumaßnahmen. Die Kameraden mussten sich bislang auch in der Fahrzeughalle umkleiden. Das ist nun vorbei. Es wurden separate Umkleidemöglichkeiten geschaffen. Die Fahrzeughalle wurde gemalert und am Ende wurde alles ordentlich durchgeputzt. Die Kameraden haben in den vergangenen 14 Tagen hier einiges geleistet, lobte Carsten Stephan  seine Mitstreiter. 

Optimistischer Blick in die Zukunft

Nur die Spinde für den Nachwuchs stehen weiter in der Fahrzeughalle. Derzeit ist man in Reuden dabei, eine Jugendwehr aufzubauen. Als Jugendwart wird Christoph Bruß aktiv. Er macht Ende des Jahres seinen Gruppenführer und kann dann den Nachwuchs anleiten, verriet der Ortswehrleiter. Bei der Ortswehr Reuden blickt man also optimistisch in die Zukunft.

Viele interessierte Reudener tummelten sich um das neue Fahrzeug und ließen sich erklären, was es alles so kann.
Viele interessierte Reudener tummelten sich um das neue Fahrzeug und ließen sich erklären, was es alles so kann.
Foto: Petra Wiese