Zerbst l Seit fast sechs Jahren gehört das Zerbster Bahnhofsgebäude der Havelinda GmbH, einer Haus- und Grundstücksverwaltung mit Sitz im Saarland – genauer in Saarbrücken. Mehrfach hat die Gesellschaft die Sanierung des historischen Gebäudes angekündigt. Passiert ist allerdings nichts. Ganz im Gegenteil, bis vor Kurzem stand das Zerbster Bahnhofsgebäude im Internet zum Verkauf – mal wieder.

Konkret hatte die Sanierung immer der Ehemann der Havelinda Geschäftsführerin angekündigt. Tatsächlich war er bis 2011 selbst Geschäftsführer der Havelinda GmbH. Bei den Kommunen und bei Presseanfragen tritt er allerdings bis heute als Gesprächs- beziehungsweise Verhandlungspartner auf. Das bestätigt auch Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD): Er habe die Havelinda-Geschäftsführerin bei einem Treffen kennengelernt, geredet habe aber ihr Ehemann.

Nach dem Bericht vom 12. Februar zum Zerbster Bahnhof und dessen Eigentümer, hat die Volksstimme Hinweise bekommen, dass mehrmals gegen die Führungsriege des Unternehmens ermittelt wurde und der Ehemann der Geschäftsführerin in Haft war.

Mehrere Ermittlungsverfahren

„Gegen die beiden Personen – auch im Zusammenhang mit der Havelinda GmbH – waren hier mehrfach Ermittlungsverfahren in verschiedenen Deliktbereichen anhängig“, bestätigt Mario Krah, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken auf Volksstimme-Nachfrage. In Bezug auf die Geschäftsführerin sowie weitere Personen im Zusammenhang mit der Havelinda GmbH seien jedoch sämtliche Verfahren eingestellt worden.

„Der Ehemann wurde zweimal rechtskräftig verurteilt, und zwar am 15. Februar 2012 durch das Amtsgericht Saarbrücken wegen Vorenthaltens von Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung in 31 Fällen in Tateinheit mit Vorenthalten von Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung“, erklärt Krah. Das Urteil: ein Jahr Gesamtfreiheitsstrafe, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Im März 2017 musste sich der Ehemann der Havelinda-Geschäftsführerin erneut vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten, dieses Mal wegen Steuerhinterziehung. Unter Einbeziehung der vorgenannten Verurteilung wird er am 27. März 2017 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten sowie wegen drei weiteren Fällen der Steuerhinterziehung zu einer weiteren Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Die Vollstreckung sei auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden.

Auch Gebäude in Schkopau betroffen

„In diesem Verfahren befand sich der Verurteilte in Untersuchungshaft“, sagt Mario Krah. Auf die Frage, ob derzeit Ermittlungen gegen das Ehepaar und die dazugehörige Havelinda GmbH laufen, antwortet die Staatsanwaltschaft Saarbrücken: „Weitere Auskünfte zu laufenden Verfahren können aus Gründen des Verfahrensschutzes sowie des Persönlichkeitsschutzes aktuell nicht erteilt werden.“

Zerbst ist bei Weitem nicht allein mit diesem Problem. Auch der Bahnhof in Gardelegen und das ehemalige Klubhaus „X50“ in Schkopau gehören den Firmen des Ehepaars. Das Szenario ist überall das Gleiche – Leerstand, Stillstand und Verfall.

„Leider kann ich auch vom X50 in Schkopau keine für uns positiven Informationen geben, weder über Sanierungsarbeiten noch über Vermarktungsbemühungen“, sagt Matthias Weiß, Bauamtsleiter in Schkopau. Bisher seien lediglich einige Objektsicherungsmaßnahmen durchgeführt worden – „sprich das Zumauern der Öffnungen“, so Matthias Weiß.

Unterschiedliche Firmen, gleiche Namen

Die Asoposa Deutschland GmbH hatte Ende 2014 bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag für das X50 erhalten – Kaufpreis: 30 000 Euro. Gegenstand der Asoposa GmbH ist die Verwaltung eigenen Vermögens sowie der An- und Verkauf und die Vermietung von Immobilien aller Art sowie Immobilien- und Hausverwaltung. Darüber geben unter anderem die Online-Portale Northdata oder Company House – Seiten, die Handelsregisterbekanntmachungen analysieren – Auskunft. Geschäftsführer der Asoposa ist der Ehemann der Havelinda-Geschäftsführerin.

Und dann gibt es da noch die X50 UG (Unternehmergesellschaft), Gegenstand des Unternehmens: die Verwaltung eigenen Vermögens. Eine der Gesellschafterin ist die Asoposa Deutschland GmbH. Geschäftsführer auch hier der Ehemann der Havelinda Geschäftsführerin. Zur Erinnerung: Bis 2011 war er auch Geschäftsführer der Havelinda GmbH. Sein Rücktritt von der Geschäftsführung fällt mit dem Verfahren gegen ihn zusammen, das 2012 mit einer Bewährungsstrafe endete. Recherchiert man auf den genannten Seiten weiter zu den drei Gesellschaften, stößt man auf immer die gleichen Namen und gleiche Geschäftsadressen in Saarbrücken.

Auf die Verurteilungen angesprochen, reagierte der umtriebige Geschäftsmann entspannt: Die Sache sei für ihn erledigt sei. „Die Verurteilung war ein ´Kuhhandel´, auf den ich hätte nicht eingehen sollen.“

Weniger entspannt sieht das der Zerbster Bürgermeister: „Die vorliegenden Informationen erhöhen nicht das Vertrauen in den Eigentümer, dass hier absehbar etwas geschieht. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn der Eigentümer bereit wäre, den Bahnhof zu fairen Konditionen weiterzugeben“, kommentiert Andreas Dittmann die Volksstimme-Recherchen. Der Zerbster Bahnhof wartet indes weiter auf eine Zukunft.