Zerbst l Die Anwohner und Häuslebesitzer in der Zerbster Mühlenbrücke sind beunruhigt und machen sich große Sorgen. „In unserer kleinen und zum großen Teil denkmalgeschützten Gasse geht es – überspitzt gesagt – zu wie auf der Bundesstraße“, sagt Heiko Wurl, der selbst in der Mühlenbrücke wohnt. Seit einiger Zeit nehme der Durchgangsverkehr in der engen Straße immer mehr zu.

„Die Kunden des Supermarktes und auch andere Verkehrsteilnehmer nutzen die Mühlenbrücke, um beispielsweise der Ampel an der Wolfbrücke zu entgehen und so schnell und ohne Wartezeit zur Breite zu kommen“, schildert der Anwohner. Außerdem hätten die Anwohner festgestellt, dass immer mehr Lkw und Lieferfahrzeuge aus der Anlieferzone von Kaufland statt in Richtung Fuhrstraße abzubiegen, die Mühlenbrücke Richtung Breite nutzen, obwohl dies per Verkehrszeichen explizit verboten ist.

Risse bilden sich an Häusern

„Die Erschütterungen sind so stark, dass sich bereits Risse an unseren Häusern gebildet haben. Bereits vorhandene Risse an der Fassade werden immer länger und wöchentlich kommen neue hinzu“, ärgert sich Wurl. Die Bewohner der Mühlenbrücke seien regelrecht wütend. „Alle hier haben die denkmalgeschützten Häuser liebevoll mit Herzblut und nicht zuletzt mit viel Geld saniert, um die wenigen kurz vor Ende des Krieges nicht zerstörten alten Häuser zu erhalten. Jetzt müssen wir hilflos mit ansehen, wie der zunehmende Durchgangsverkehr unseren Häusern zusetzt“, macht Heiko Wurl seinem Ärger Luft.

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Die Anwohner haben jetzt Unterschriften gesammelt und einen Brief an Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) geschrieben. Darin heißt es unter anderem: „Es reicht! Der heutige Verkehr in der Mühlenbrücke gleicht dem auf einer Bundesstraße. Das Ärgerliche ist, dass trotz Verbot einige Lkw-Fahrer die Straße nutzen. Da es sich um Fachwerkhäuser handelt, ist jedes Mal eine starke Vibration zu spüren. Außerdem leiden unsere Holzfenster und Holztüren unter dem Spritzwasser, was von den vorbeirasenden Autos verursacht wird.“

Anwohner bitten um Hilfe

Als man die Häuser Mitte der 1990er Jahre erworben habe, seien die Anwohner nicht davon ausgegangen, dass sich die Verkehrsdichte beziehungsweise der Durchgangsverkehr in der kleinen und engen Gasse so entwickeln würde. „Wir bitten einfach die Stadtverwaltung um Hilfe“, sagt Heiko Wurl und bringt eine Straße nur für Anwohner ins Spiel. „Man könnte zum Beispiel die Mühlenbrücke für den Durchgangsverkehr sperren“, fordert Wurl im Namen der Anwohner des Gässchens.

Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella kann den Ärger gut verstehen, sieht aber eine Sperrung der Mühlenbrücke für den Durchgangsverkehr problematisch und gibt den zahlreichen Umleitung durch die Stadt eine Mitschuld an der derzeitigen Situation. „Sowohl unsere Mitarbeiter also auch die Polizei werden die Mühlenbrücke im Auge behalten, um beispielsweise auch Verstöße gegen das Durchfahrtverbot von Lkw zu ahnden“, verspricht Gudella.

Ordnungsamt will Maßnahmen ergreifen

Die Ordnungsamtsleiterin will eine Sperrung der Mühlenbrücke für den Durchgangsverkehr beziehungsweise die Errichtung einer Sackgasse prüfen, gibt allerdings zu bedenken: „Solche Maßnahmen können durchaus auch negative Auswirkungen für die Anwohner haben, beispielsweise im Bezug auf Be- und Entsorgungsfahrzeuge.“

Man werde die Situation natürlich weiter beobachten. „Wir warten ab, bis die Baustellen in der Stadt abgeschlossen und die Umleitungen aufgehoben sind“, sagt die Ordnungsamtsleiterin. Dann werde man sehen, ob der Durchgangsverkehr wieder auf ein normales Maß zurückgeht.

Fahrbahnschwelle wird erneuert

Außerdem soll die Fahrbahnschwelle, die der Geschwindigkeitsreduzierung dient, erneuert werden. Diese ist derzeit defekt, und es sind bereits Teile abgebrochen. „Die Fahrbahnschwellen bestehen aus recyceltem Kunststoff. Eine neue Schwelle ist für die Mühlenbrücke bestellt“, sagt Bauamtsleiterin Heike Krüger. Sie gehe davon aus, dass die neue Fahrbahnschwelle voraussichtlich im Laufe des Januars montiert werden kann.