Zerbst l Die Sturmschäden des Unwetters von Ende Juni sind noch nicht ganz beseitigt, da fegt schon das nächste Orkantief „Xavier“ über Zerbst, seine Gemeinden im Umland und große Teile Deutschlands hinweg. Wie der Deutsche Wetterdienst am Freitagmorgen informierte, erreichten die Spitzen auf dem Brocken eine Geschwindigkeit von 180 Kilometer pro Stunde, mindestens sieben Menschen kostete der Sturm deutschlandweit das Leben.

„Es war 15.14 Uhr, als wir das erste Mal alarmiert wurden, umgestürzte Bäume in der Dobritzer Straße lagen quer und gefährdeten den Verkehr“, sagt der stellvertretende Zerbster Ortswehrleiter René Borkowitz. Danach ging es dann Schlag auf Schlag. Entwurzelte und umgestürzte Bäume, herabgefallendes Geäst und ganze Baumkronen beschäftigten die Kameraden beispielsweise auch am Parkweg, zwischen der Biaser Straße und dem Brauereiweg, in der Biaser Straße selbst, in der Gartenstraße an der Einmündung zur B 184 und an der Kreuzung Karl-Marx-Straße und Jeverische Straße. Gewütet haben die Sturmböen auch im Park an der Stadtmauer zwischen dem Heidetor und dem Frauentorplatz.

In den Steinstücken drohten zwei Bäume auf ein Einfamilienhaus zu kippen. Der Sturm hatte die beiden Bäume arg in Schieflage gebracht, sie lagen aber noch nicht ganz auf dem Dach. Die Feuerwehrleute konnten hier mit Hilfe der Kollegen vom Zerbster Bau- und Wirtschaftshof Schlimmeres verhindern. „Die Unterstützung der Kollegen des Bauhofes war uns insgesamt eine große Hilfe“, erklärt René Borkowitz. Sie haben mit schwerem Gerät an vielen Stellen das Geäst und Baumteile von der Straße geschoben und diese somit wieder befahrbar gemacht. „Das waren einige Einsatzstellen, die sie uns abgenommen haben“, dankt Borkowitz den Mitarbeitern des Bauhofes.

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Strommasten knickten ab

Auch einige Strommasten hielten dem Sturm nicht Stand und knickten um oder landeten ganz und gar auf dem Boden. „Im Steglitzer Weg drohte ein genickter Mast ganz umzustürzen, weitere umgestürzte Masten gab es an der Fohlenweide und im Industrieweg“, schildert René Borkowitz. Ein weiteres Problem waren herabfallende Dachziegel zum Beispiel in der Bahnhofstraße, auf der Heide oder an der Post in der Fritz Brandt Straße. „Kurz nach 19 Uhr waren dann alle Einsatzstellen in der Kernstadt Zerbst, insgesamt 14, abgearbeitet. Mehr als vier Stunden waren 26 Kameraden mit allen Fahrzeugen pausenlos im Einsatz“, fasst der stellvertretende Ortswehrleiter zusammen.

Auch in den Zerbster Ortsteilen richtete der Sturm enorme Schäden an. Die Ortswehren kamen nicht zur Ruhe. Das Gesamtbild unterscheidet sich nicht wesentlich von dem der Innenstadt. „In Güterglück krachte ein Baum auf ein Auto“, sagt Stadtwehrleiter Denis Barycza. In vielen Gemeinden, wie Schora, Walternienburg, Kämeritz oder Tochheim kam es zu Stromausfällen durch umgestürzte Masten oder Bäume, die Leitungen zerrissen haben. In der Zerbster Innenstadt gab es hingegen keine Schäden, die die Stromversorgung beeinträchtigt haben, erklärt Michael Schulz vom Technischen Bereich der Zerbster Stadtwerke auf Volksstimme Nachfrage. „Es kam zu keinen Stromausfällen in Zerbst.“

Lahmgelegt wurde der Bahnverkehr im gesamten Land. Umgestürzte Bäume und zerrissene Oberleitungen führten zu zahlreichen Streckensperrungen. Betroffen war auch die Strecke Magdeburg-Zerbst-Dessau. Hier ging über Stunden nichts mehr. Züge strandeten auf freier Strecke wie auch in Zerbst nahe des Bahnübergangs in der Käsperstraße. „Bis in die Mittagsstunden am Freitag kam es zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen“, erklärt Holger Auferkamp, Pressesprecher der DB Regio in Leipzig. Sicherheit habe immer oberste Priorität.

73 Ortswehren im Landkreis im Einsatz

„73 Ortswehren waren zu 64 Ersteinsätzen im gesamten Landkreis Anhalt-Bitterfeld ausgerückt, die Zahl der Einsätze insgesamt dürfte jedoch doppelt so hoch sein“, fasst Kreisbrandmeister Heiko Bergfeld den Donnerstag zusammen. In Köthen ist das Dach einer Tankstelle teilweise weggeflogen und in Brehna kippte ein Sattelzug um, ansonsten auch hier umgestürzte Bäume und Strommasten. „Verletzt wurde aber meines Wissens niemand“, sagt Heiko Bergfeld.